Im Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden kommt es häufig zu signifikant verschiedenen Erwartungen bezüglich der angepeilten Lernziele. Ein sogenannter Lernvertrag kann hierbei für Transparenz sorgen. In einem solchen Vertrag halten die Schülerinnen und Schüler fest, welche Lernziele sie für sich individuell vorgenommen haben und was sie für die Erreichung dieser tun möchten sowie welche Unterstützung sie dafür erwarten. Richtig angewendet, kann der Lernvertrag die Eigenständigkeit und Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler fördern, aber auch Ihnen als Lehrkraft effizient dienen. Wo genau die Vorteile und der Zweck einer solchen Lernvereinbarung liegen, welche Varianten es hierbei gibt und wie Sie diese richtig implementieren, soll Ihnen im Folgenden dargelegt werden.

Außerdem haben wir für Sie am Ende des Beitrags ein kostenloses Lernvertrag-Muster zum Download bereitgestellt.

Der Sinn und Zweck von Lernverträgen

Lehrerin sitzt mit ihren Schülern am Tisch und erklärt etwasLernverträge gewähren den Lernenden beim Lernprozess eine größere Eigenständigkeit sowie die Möglichkeit, Lernziele individuell und nach eigenen Vorstellungen formulieren zu können. Durch einen solchen Lernvertrag bringen Sie Ihre Klasse dazu, sich mit dem eigenen Lernbedarf auseinanderzusetzen und auf dieser Basis persönliche Ziele formulieren zu können. Ihre Schülerinnen und Schüler bekommen somit die Chance, den zu lernenden Stoff zu einem gewissen Grade selbst mitzubestimmen. Dies kann die Motivation beim Lernen fördern und erweckt auch ein größeres Verantwortungsbewusstsein. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Sie ihnen mehr Zugeständnisse beim Lernprozess eingeräumt haben, wissen aber auch, dass diese mit der Pflicht einhergehen, die vertraglich gesetzten Lernziele auch bestmöglich zu erreichen. Es entsteht so eine intrinsische Motivation für das Lernen bei den Schülerinnen und Schülern, die über die traditionellen extrinsischen Motivationsfaktoren (gute Noten, Zufriedenstellung der Eltern, usw.) hinausgeht.

Lehrer und Schüler lachen sich anDoch auch, wenn Lernende die im Lernvertrag festgelegten Ziele nicht erreichen sollten, kann das Prinzip der Lernvereinbarung positive Effekte mit sich bringen. Die entsprechenden Schülerinnen und Schüler können dann unter Ihrer Mithilfe selbstreflektierend und eventuell auch selbstkritisch auf die erbrachte Lernarbeit blicken und besser erkennen, was letztlich gefehlt hat zum Erreichen der selbst gesteckten Ziele. Auch hierdurch wird die intrinsische Motivation Ihrer Schüler gestärkt, an sich zu arbeiten. Durch eine Lernfortschrittsdokumentation während des Lernprozesses kann den Schülerinnen und Schülern zudem schon während des Lernens geholfen werden, sich die eigenen Interessen, Stärken sowie Schwächen bewusst zu werden. Für Sie als Lehrende hat die Aufsetzung eines solchen Lernvertrags mit Ihrer Klasse den Vorteil, diese auf effektive Weise zu motivieren und somit den Lernprozess als Ganzes effizienter zu gestalten.

Mögliche Vertragsvarianten

Es gibt verschiedene Varianten eines Lernvertrags, die sich, zum einen bezüglich der Zielgruppe, zum anderen bezüglich des Inhalts, unterscheiden können. Typischerweise werden Lernverträge zwischen Lehrenden und Lernenden getroffen. Darüber hinaus können auch die Eltern in die Vereinbarung involviert werden. So kann ein zusätzlicher Lernvertrag zwischen Eltern und Kind aufgesetzt werden. Bei dieser Vertragsform können auch die Eltern einige Verantwortungen für die Einhaltung der festgelegten Lernziele übertragen bekommen.

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Für den Lernvertrag zwischen Ihnen als Lehrkraft und Ihren Schülerinnen und Schülern ist zudem zu klären, ob der Vertrag pauschal zwischen Ihnen und Ihrer gesamten Klasse aufgesetzt werden soll oder die Vereinbarung lediglich einzelne (zum Beispiel speziell förderungsbedürftige) Schülerinnen und Schüler betreffen wird. Es ist außerdem zu klären, ob Sie auf der Seite der Lehrkraft als einzelne Vertragspartei auftreten werden oder ob die Vereinbarung auch mehrere Ihrer Kolleginnen und Kollegen in der Klassenstufe inkludieren soll. In diesem Falle dürften die im Vertrag festgelegten Lernziele folglich nicht fachspezifisch sein und müssten allgemeingültig formuliert werden.

Lernverträge können sich demnach auch stark im festgelegten Lernziel unterscheiden. Im Zusammenhang mit der Festlegung der Vertragsparteien gilt es also zunächst zu klären, nach welchen inhaltlichen Aspekten die Lernziele zu definieren sind. Existiert ein Lernvertrag nur zwischen Ihnen und der Lerngruppe (sowie eventuell deren Eltern), so empfehlen sich dementsprechend passende Lernziele für das von Ihnen gelehrte Schulfach. Sind Sie dagegen nicht die einzige Vertragspartei auf der Seite der Lehrkraft, so gelten die Lernverträge für das allgemeine Lernen. Neben der inhaltlichen Festlegung der Ziele (Welche Lernziele gibt es?), sollten weiterhin auch die genauen Vertragsinhalte (Welche Verantwortungen werden den Vertragsparteien auferlegt?) sowie der Vertragsumfang (Betrifft der Vertrag nur inhaltliche oder auch methodische Aspekte?) geregelt werden. All diese unterschiedlichen Varianten des Lernvertrags erlauben es Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern, jeweils passende Spielräume in der Lernvereinbarung einzubauen.

Die Vorgehensweise: Wie Sie einen Lernvertrag richtig aufsetzen

Falls Sie interessiert sind, einen Lernvertrag in Ihrer Klasse einzuführen, ist auch die richtige Vorgehensweise bei der Implementierung eines solchen Vertrages wichtig. Bei einer korrekt aufgesetzten Lernvertrag-Vorlage muss dabei einiges berücksichtigt werden.

Wichtige Aspekte für einen Lernvertrag

Analyse des aktuellen Lernstands

Hierbei geht es um eine möglichst realistische Einschätzung des zum Zeitpunkt der Vertragsaufsetzung herrschenden Lernstands Ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Einschätzung sollte dabei in offenen Gesprächen von diesen selbst sowie auch unterstützend von Ihnen vorgenommen werden. Bei individuellen Lernverträgen mit Einzelnen kann der Lernbedarf dabei besonders genau eingeschätzt werden, während ansonsten eine allgemeine Bilanz der Kompetenzen Ihrer gesamten Klasse gezogen wird.

Formulierung der Lernziele

Abgeleitet aus dem analysierten Ist-Zustand, geht es nun darum, die Lernziele zu formulieren. Es lassen sich für die Lernziele viele Beispiele finden, doch sollten diese dabei stets dem SMART-Prinzip folgen. Das heißt, die zu erreichenden Ziele müssen spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein.

Bestimmung der Lernschritte

In der Lernvereinbarung sollten auch die einzelnen Lernschritte bestimmt sein, die zur Erreichung des festgelegten Lernziels führen. Hierbei sollten jeweils auch gleich die benötigten Materialien sowie die Unterstützung angeführt werden, die Sie Ihren Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Lernvertrags verpflichtend zugesagt haben. Sie können dabei auch schon die Einhaltung beziehungsweise Erreichung dieser einzelnen Lernschritte überprüfen und beispielsweise einzelne Deadlines bestimmen, zu welchen die jeweiligen Schritte erfüllt werden müssen für den letztendlichen Erfolg.

Festlegung der Vertragslaufzeit

Ein jeder Lernvertrag muss eine genau festgelegte Laufzeit aufweisen welche angibt, in welchem Zeitraum die Ziele zu erreichen sind.

Bestimmung der Erfolgskriterien 

Damit das Erreichen der Lernziele überprüfbar ist, müssen im Vorhinein bestimmte Erfolgskriterien festgelegt werden. Die Kriterien erlauben auch qualitative Abstufungen, sodass zusätzlich evaluiert werden kann, wie gut Ihre Schülerinnen und Schüler am Ende ihre persönlichen Ziele erreicht haben.

Puh, jetzt ist der größte Teil der Vorarbeit für Sie geschafft und es kann nun ans aktive Lernen gehen: Die Lernenden beginnen mit der Ausführung der einzelnen Lernschritte, während Sie Ihre vertragsgemäß beratenden und unterstützenden Pflichten ausführen. Werden inmitten des Lernprozesses Schwierigkeiten erkennbar, so kann der Lernvertrag natürlich auch noch im Nachhinein entsprechend modifiziert werden. Nach dem Ablauf des besprochenen Zeitraums wird entsprechend der festgelegten Erfolgskriterien die Erreichung der Lernziele überprüft und der Output evaluiert. Die Überprüfung kann dabei von den Schülerinnen und Schülern eigenständig oder begleitend mit Ihnen erfolgen. Bei Bedarf sind auch Gespräche und Reviews möglich.

Zusammenfassung

Klasse gibt sich gemeinsam ein high5Der Lernvertrag folgt einem einfachen Prinzip: dem Übertragen von mehr Eigenverantwortung auf die Lernenden. Ziel der Lernverträge ist es, die intrinsische Motivation beim Lernen zu fördern, damit Ihre Schülerinnen und Schüler letztlich auch die Lernziele der Schule effizienter erreichen können.

Das eigenständige Formulieren von Lernzielen fördert darüber hinaus auch die Selbstständigkeit und Selbstreflexion. Zudem kann Ihre Klasse den Umgang mit einem Zeitplan lernen.  Und auch die Kinder selber zeigen sich zumeist zufrieden mit dem Mädchen sitzt vor ihren Hausaufgaben und freut sichKonzept. Um auch die Akzeptanz für einen Lernvertrag bei den Eltern zu gewinnen, kann es sich lohnen, diese in die Lernvereinbarung zu involvieren.

Letzten Endes kann der Lernvertrag besonders bei förderungsbedürftigen Schülerinnen und Schülern effiziente Lernerfolge erzielen und stellt somit ein alternatives Lehr- und Lernkonzept dar, dem Sie guten Gewissens offen gegenüberstehen können.

Und damit Sie die Zeit haben, um ebenfalls guten Gewissens noch mehr spannende Beiträge zu lesen, hat phase6 für Sie ein Lernvertrag-Muster zum kostenlosen Download bereitgestellt.

Lernvertrag-Muster

 

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