“Jetzt leg’ doch mal das Handy weg und geh’ draußen mit deinen Freunden spielen!” – Auf solche und ähnliche Aussagen von Eltern reagieren Kinder in den meisten Fällen eher wenig begeistert. Warum sollte man an die frische Luft gehen, wenn es in der Wohnung so gemütlich ist und das persönliche Entertainment-Programm auf dem kleinen Bildschirm direkt vor der Nase lockt?

Warum ist frische Luft so wichtig?

In Zeiten der allgegenwärtigen Digitalisierung und der verstärkten Nutzung von Smartphone, Tablet und Co. im Alltag, fällt es nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen schwer, die unterhaltsamen Endgeräte aus der Hand zu legen und gegen eine gesunde Portion frische Luft einzutauschen. Doch die Nebenwirkungen des intensiveren Stubenhockertums könnten besonders die heranwachsenden Erdenbewohner nachhaltig beeinträchtigen:

Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit dem psychischen und vor allem physischen Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Nahezu alle Untersuchungen, darunter die laufende Kiggs-Studie[1], stellen einen herrschenden Bewegungsmangel im Alltag der Heranwachsenden fest. Dieser Mangel fördert beispielsweise die Entwicklung gesundheitlicher Probleme wie Adipositas oder Herz- und Kreislaufstörungen, worunter eigentlich vorrangig ältere Menschen leiden. Weiterhin kann Bewegungsmangel im Kindesalter die Entwicklung sensomotorischer Fähigkeiten beeinträchtigen, welche einen starken Einfluss auf die sinnliche Wahrnehmung und körperliche Koordination haben.

Umso wichtiger ist es für alle Beteiligten, gute Gründe für die Freizeitgestaltung unter freiem Himmel zu kennen. Und davon gibt es eine Menge! Denn Bewegung an der frischen Luft hält nicht nur gesund, sondern macht nebenbei auch noch schlau…

Frische Luft macht gesund und stark!

Wenn wir uns unter freiem Himmel aufhalten, nimmt unsere Haut durch die UV-Strahlung der Sonne Vitamin D auf. Dieses Vitamin sorgt für die ausreichende Produktion von Abwehrstoffen und sogenannten Fresszellen, die potentielle Krankheitserreger zerstören. Dadurch kann Vitamin D das Aufkommen gesundheitlicher Probleme wie Autoimmunerkrankungen oder chronische Entzündungen verhindern.[2]

Kinder verkleidet als Superhelden

Vitamin D hat noch eine andere essentielle Funktion für unsere körperliche Gesundheit: Es sorgt für den Aufbau und Erhalt gesunder Knochen. Vitamin D reguliert sowohl den Calcium- als auch den Phosphatspiegel in unserem Körper und spielt somit eine zentrale Rolle für unseren Knochenstoffwechsel. Da dieses wertvolle Vitamin nur zu etwa 10-20 Prozent über die Ernährung aufgenommen werden kann, leisten die UV-Strahlen einen enorm wichtigen Beitrag für den Vitaminhaushalt des Körpers. Denn unter Einfluss von Sonnenstrahlung kann unsere Haut so die restlichen 80-90 Prozent produzieren. Und dafür muss die Sonne nicht einmal scheinen: UV-Strahlung dringt auch an einem schattigen Plätzchen und bei Wolken oder Regenwetter in unsere Hautzellen ein und stärkt uns von innen. Bewegung an der frischen Luft ist gesund – bei jedem Wetter!

Frische Luft macht schlau!

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, welches viele unterschiedliche Prozesse gleichzeitig durchläuft und unsere Gedanken und Emotionen verarbeitet. Bei Problemlöseprozessen – beispielsweise, wenn wir an einer kniffligen Aufgabe arbeiten – spielt der Sauerstoffgehalt in unserem Hirn eine tragende Rolle. Das Gehirn braucht den Sauerstoff, den wir über unsere Atmung aufnehmen, um effektiv und konzentriert arbeiten zu können. Sitzen wir in einem geschlossenen Raum, haben wir nur eine begrenzte Menge frischen Sauerstoffs zu Verfügung, um unser Gehirn damit zu füttern. Zusätzlich produzieren wir bei jedem Ausatmen Kohlenstoffdioxid.

Wird also das Fenster nicht geöffnet oder ein Spaziergang im Freien eingeplant, verringert sich der Sauerstoffgehalt kontinuierlich, während der Kohlenstoffdioxidgehalt im Raum steigt. Dadurch werden wichtige neuronale Funktionen geschwächt, wir können uns immer schlechter konzentrieren und werden immer müder. Frische Luft sorgt also für den optimalen Sauerstoffgehalt in unserem Gehirn, der uns aufmerksamer und leistungsfähiger macht.

Mädchen zeigt beide Daumen nach obenDurch aktive Bewegung im Freien wird außerdem die Blutzirkulation angeregt, die dafür sorgt, dass der darin transportierte Sauerstoff schneller zum Gehirn gelangen und somit Gedächtnisprozesse beschleunigen kann. Unser Gehirn kann mit Hilfe dieser Energie seine Kapazitäten besser ausschöpfen und gleichzeitig die Vernetzungen zwischen unseren Synapsen stärken.

Das wiederum sorgt für eine erleichterte Einbettung neuer Informationen in unser Langzeitgedächtnis und bildet somit die Grundlage für effektive und nachhaltige Lernprozesse.

Eine spannende Erkenntnis zur Wirkung von frischer Luft auf unsere Leistungsfähigkeit lieferten die amerikanischen Wissenschaftlerinnen Dorothy Matthews und Susan Jenks. Sie fanden heraus, dass das in der Luft enthaltene Bakterium Mycobacterium vaccae nachweislich den Serotoninspiegel im Blut ansteigen lässt. Serotonin ist ein Hormon, das sowohl bei Tieren als auch bei Menschen angstreduzierend wirkt, unser Wohlbefinden steigert und Lern- und Gedächtnisprozesse positiv beeinflusst. Im Hinblick auf die eindeutigen Ergebnisse ihrer Untersuchungen an Mäusen, gaben die beiden Forscherinnen zu bedenken, dass sich Unterricht im Freien positiv auf die Lernleistung von Schülerinnen und Schülern auswirken könnte.[3]

Frische Luft stärkt das Selbstkonzept!

Junge klettert auf einen BaumNeben den positiven Effekten auf unseren Körper und Geist, haben Bewegung und Spiel an der freien Luft weitere kräftigende Funktionen, die besonders Kindern, aber auch Erwachsenen die Orientierung in der Umwelt sowie Aneignung gewisser Fähigkeiten erleichtern können.

Für Kinder bietet die Welt vor der eigenen Haustür mehr Platz zum Austoben als das Kinderzimmer. Sie können sich dort frei bewegen und werden zum neugierigen Explorieren und Erkunden angeregt. Dort draußen eröffnen sich neue Erfahrungsräume für kindliche Sinne. Sie klettern auf Bäume, balancieren auf Mauern, betrachten Blätter und Insekten unter der Lupe, suchen sich Verstecke, bauen sich ihr eigenes Spielzeug und nutzen ihre Umgebung vielfältig. Solche autonomen Tätigkeiten im abwechslungsreichen Spielraum der Natur fördern die Vorstellungskraft und die Kreativität der Sprösslinge.

Draußen zu spielen bedeutet auch, Handlungen eigenständig zu initiieren, Risiken abzuschätzen (“Kann ich es schaffen, von dem einen auf den anderen Baumstumpf zu springen?”) und Entscheidungen zu treffen. Das stärkt das Selbstkonzept, weil die Grundbedürfnisse nach Autonomie und Kompetenzerleben gestillt werden und das Kind Akteur und Konstrukteur seines Handelns ist. Das aktive Austoben und Erkunden im Freien sorgt abschließend dafür, dass der Energiehaushalt der kleinen Entdeckerinnen und Entdecker reguliert wird. Kinder strotzen oft nur so vor Kraft, Ausdauer und Bewegungsdrang und die spannendste und größte Fläche, um sich auszupowern, liegt direkt vor der Tür!

Praktische Tipps

Um Kindern, Jugendlichen und Familien die Welt vor der Haustür schmackhaft zu machen, hat phase6 ein paar praktische Tipps und Anregungen gesammelt. Trotz des oftmals digitalisierten Alltags haben Kinder einen ausgeprägten, inneren Bewegungsdrang sowie eine natürliche Neugier, mit der sie die Welt um sich herum wahrnehmen und entdecken wollen. Es reicht also meist schon ein kleiner Kniff für die richtige Motivation. Neben den zeitlosen Klassikern wir Verstecken, Fangen, Ballspielen oder auf den Spielplatz gehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen aufregenden Tag an der frischen Luft zu verbringen.

Spiele für draußen

Im Wald und auf dem Feld

Kinder bauen ein Tipi

  • Trimm-dich-Pfade entlang laufen
  • Drachen steigen lassen
  • Ein Tipi oder eine Hütte bauen
  • Bäume, Früchte und Tiere des Waldes erkunden und zuordnen
  • Ein Lagerfeuer (mit Stockbrot) machen
  • Im Wald zelten
  • Instrumente aus Blättern, Ästen, Tannenzapfen und Steinen basteln

In der nahen Umgebung

Kind springt in eine Matschpfütze

  • Schnitzeljagd planen und durchführen
  • Kegeln (z.B. mit Wasserflaschen und einem Fußball)
  • Spielzeug selbst bauen und basteln
  • Eine Slackline spannen und darauf balancieren
  • Eine Hängematte aufhängen
  • Ein Beet in einem Kleingarten bepflanzen und pflegen
  • Ein Vogelhäuschen bauen und es im Wald oder im Garten aufhängen
  • Sackhüpfen, Eierlauf, Topfschlagen und ähnlich typische Kindergeburtstagsspiele
  • Bei Regen: durch Pfützen springen, Regenwürmer beobachten
  • Bei Schnee: Schneemann bauen, Schneeballschlacht machen, Schlitten fahren

Sportlich

Mädchen an der Kletterwand

  • Klettern gehen an der Steilwand oder im Hochseilgarten
  • Eine Fahrradtour machen
  • (Schwarzlicht-) Minigolf spielen
  • Einen Parcours aufbauen und durchlaufen
  • Skateboard, Roller oder Inlineskates fahren
  • Einen Kite-Drachen zähmen und fliegen lernen
  • Beach-Volleyball spielen
  • Fußball spielen (auf dem „Boltzplatz“)

Wasserspiele für sonniges Wetter

  • Ins Schwimmbad gehen
  • An den See fahren und picknicken
  • Ein Boot mieten und über den Fluss schippern
  • Den Wassersprinkler oder Gartenschlauch anwerfen und sich abkühlen
  • Wasserbomben platzen lassen
  • Seifenblasen einfangen (erkunden: wann platzen Seifenblasen und wann nicht?)

Kreatives Austoben

  • Hand- und Fußabdrücke mit Farbe auf ein Leinentuch drucken
  • Sich mit Körperfarben anmalen
  • Luftballons mit Farbe füllen und auf einer Leinwand zerplatzen lassen
  • Natürliche Materialien sammeln, um daraus Figuren, Skulpturen oder Schmuck zu basteln
  • Kleidung und andere Textilien batiken
  • Mit Holz arbeiten (schnitzen, sägen, schleifen, kleben, bemalen…)
  • Fotos oder Videos von der Natur machen (und bearbeiten)

Draußen lernen und erforschen

“Stimmt das?”-Fragen

Kinder forschen mit einer Lupe im Gras

Hinter “Stimmt das?”-Fragen verbergen sich kleine Forscheraufträge, die Kinder ab 6 Jahren weitestgehend eigenständig bearbeiten können. Diese können ohne Probleme draußen an der frischen Luft erkundet werden. Besonders in der naturwissenschaftlichen Grundschuldidaktik haben sich “Stimmt das?”-Fragen etabliert, da sie autonomes Handeln und kreative Problemlöseprozesse fördern.

Weiterhin können die Fragen in ihrem Schwierigkeitsgrad individuell an Alter und Kompetenzen angepasst werden. Die Forscherinnen oder Forscher sollen die Antworten eigenständig und mit selbst gewählten Materialien herausfinden, indem sie verschiedenste Dinge ausprobieren. Das bedeutet auch, kleine Experimente durchführen und Schlüsse daraus zu ziehen, um die gemachte These entweder zu bestätigen (“Stimmt, weil…”) oder zu negieren (“Stimmt nicht, weil…”).

Daran haben nicht nur Kinder, sondern Menschen allen Alters Spaß! Der Trick ist, dass die experimentelle Herangehensweise dafür sorgt, dass man die Phänomene des Alltags wieder aus den Augen eines Kindes betrachtet. Auch ein 60-Jähriger wird so wieder zum neugierigen Forscher mit kindlichem Wissensdurst.

Falls Kinder forschen, ist es wichtig, vorher gemeinsam zu besprechen, welche Materialien erlaubt sind und welche Gegenstände Gefahrenpotential bergen, also nicht verwendet werden dürfen. Streichholz und Feuerzeug, Messer, Putzmittel und Co. sind Tabu beim Experimentieren oder nur unter Aufsicht erlaubt.

Fang direkt an und teste, was die Forscherfragen mit dir machen! Hier etwas Inspiration:

“Warme Luft steigt nach oben, wenn sie warm wird.” – Stimmt das?
“Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter.” – Stimmt das?
“Wenn man Salz in Wasser einrührt, verschwindet es.” – Stimmt das?
“Was schwimmt und was sinkt, hängt vom Material ab.” – Stimmt das?
“Menschen können Temperaturen nicht wahrnehmen.” – Stimmt das?

Schatzsuche mit Rätseln

Eine kleine Schatzsuche eignet sich hervorragend, um spielerisch zu lernen. Sie besteht für gewöhnlich aus mehreren Stationen, an welchen jeweils Hinweise für den weiteren Weg gegeben werden. Diese Hinweise können in Form von Rätseln formuliert werden, um den Rätselspaß zu erhöhen. Für Lernende kann dabei geschickt der relevante Lernstoff eingebaut werden.

Eine Station könnte beispielsweise Rechenaufgaben enthalten, deren Ergebnis die Entfernung zur nächsten Station preisgibt. Eine andere Station könnte einzelne Englisch- oder Französisch-Vokabeln enthalten, welche entschlüsselt werden müssen, um zum nächsten Hinweis zu gelangen. Auch können naturwissenschaftliche Inhalte des Biologie-, Chemie- oder Physikunterrichts eingeflochten werden, indem zum Beispiel Baumarten bestimmt oder Wege berechnet werden müssen.

Vokabelrennen

Kinder rennen über die Wiese

Eine tolle Möglichkeit, um Lernen mit Bewegung an der frischen Luft zu verbinden, ist das Vokabelrennen. Dieses Spiel eignet sich besonders für Gruppen, mindestens aber sollten zwei Personen am Rennen beteiligt und bestenfalls in der gleichen Jahrgangsstufe oder auf einem ähnlichen Wissensstand sein.

Zunächst wird die Länge der Rennbahn festgelegt und Start und Ziel markiert. Mindestens zwei Spielende stehen am Start, während der Spielleiter oder die Spielleiterin eine Vokabel aus dem aktuellen Lernstoff der Teammitglieder vorliest. Nach dem Startsignal rennen alle los und nur wer zuerst am Ziel angekommen ist, darf die korrekte Übersetzung der Vokabel nennen und hat die Runde gewonnen.

Wird die Vokabel von der oder dem Schnellsten falsch übersetzt, ist der oder die Zweitschnellste an der Reihe und kassiert bei richtiger Antwort den Punkt. Dieses Spiel bietet Lernenden nicht nur die Gelegenheit, sich auszupowern, sondern wirkt zudem äußerst motivierend! Außerdem können unzählige weitere Variationen daraus abgeleitet werden: Anstelle von Vokabeln werden beispielsweise ganze Sätze abgefragt oder der erste Vers eines anderssprachigen Songtextes wird abgespielt und muss an der Ziellinie übersetzt werden. Möchte man das Spiel von den Fremdsprachen lösen, können alternativ Rechenaufgaben oder Quizfragen aus anderen Schulfächern zu aktuellem Lernstoff ausgewählt werden. Auch die Strecke kann in ihrem Schwierigkeitsgrad und der Länge variiert werden, sodass beispielsweise ein Parcours überwunden werden muss oder Abkürzungen eingebaut werden.

Freizeitangebote in der Umgebung nutzen

Mädchen füttert Pferde auf der Koppel

  • Einen Kinderbauernhof besuchen
  • Einen Streichelzoo besuchen
  • Sich auf Straßen- oder Stadtfesten tummeln
  • Über einen Flohmarkt schlendern
  • Einen Schnuppertag unter Pfadfinderinnen und Pfadfindern verbringen
  • Auf digitale Schatzsuche begeben mit Geocaching
  • Zu Kinder- und Jugendfreizeitreisen anmelden

 Angebote von Kitas und Schulen nutzen

AGs und Workshops

Viele Erziehungseinrichtungen bieten AGs und Workshops an, die unter freiem Himmel stattfinden und Kindern in einem vertrauten Umfeld neue Erfahrungen bieten. Welche Angebote wahrgenommen werden können und über welchen Zeitraum sich diese erstrecken, ist von der jeweiligen Kita oder Schule abhängig, die das Kind besucht. Zusätzlich gibt es institutionsübergreifende Nachmittagsangebote, an welchen Kinder teilnehmen können, auch wenn sie die jeweilige Einrichtung nicht besuchen. Eltern können sich online über aktuelle AGs und Workshops im Freien informieren. Die Teilnahme an solchen und ähnlichen naturverbundenen Programmen lohnt sich in jedem Fall!

Ferienspiele

Sechs Wochen Sommerferien… Wohin bloß mit der ganzen Energie und Zeit? Hier kommen schulinterne Ferienspiele sehr gelegen. Nicht nur Schulen bieten sie an, deutschlandweit gibt es vielfältige Betreuungsangebote von schulexternen Trägern, die gemeinsame Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche in den Ferien anbieten. Hier können Kinder unter pädagogischer Aufsicht eigene Hobbys und Interessen verfolgen, sind von Gleichaltrigen umgeben und haben die Chance, bei spannenden und kreativen Projekten mitzuwirken.

Waldpädagogik

Kinder laufen über einen BaumstammIn Deutschland gibt es vermehrt waldpädagogische Angebote, die Gruppen-Exkursionen mit Kindern und Jugendlichen unternehmen und dem Lernen in der freien Natur eine essentielle Rolle für die Persönlichkeitsentwicklung zuschreiben. In dem pädagogischen Konzept von Waldschulen, Jugendwaldheimen, Schulwäldern oder sonstigen naturpädagogischen Institutionen steht die sinnliche Wahrnehmung der natürlichen Umgebung im Vordergrund.[4] In einigen Bundesländern haben sich in den letzten Jahren pädagogische Projekte wie die “Draußenschule” etabliert, in welchen ein Teil des Unterrichts unter freiem Himmel stattfindet und regionale Natur- und Kulturräume aufgesucht werden – bei jedem Wetter.[5] Solche und ähnliche Konzepte entstanden häufig durch die Eigeninitiative von engagierten Eltern und pädagogischen Fachkräften und sind ein tolles Beispiel für Partizipation, Teamarbeit und moderne, naturverbundene Pädagogik.

Vorbild sein

All diese tollen Aktivitäten im Freien bieten uns aufregende und kreative Möglichkeiten, um sich von den heimischen Bildschirmen loszusagen und Spaß im gesunden Umfeld der frischen Luft zu haben. Der motivierende Effekt, der sich durch die Bewegung in der Natur einstellt, wird allerdings gehemmt, wenn man wahrnimmt, dass die Menschen um einen herum selbst zu oft auf das Smartphone oder den Computer starren.[6] Deshalb sollte jeder einzelne von uns versuchen, selbst ein Vorbild zu sein!

Leg das Handy für eine gewisse Zeit beiseite und richte deine volle Aufmerksamkeit auf dich, deine Mitmenschen und das Rauschen der Natur. Der gemeinsame Zeitvertreib im Freien stiftet Freude an der Bewegung in der freien Natur. Plant Ausflüge, Wochenendtrips und Urlaube gemeinsam und wecke deine eigenen Lebensgeister beim tiefen Ein- und Ausatmen unter freiem Himmel.

Und nun: Raus da!

Mädchen mit Seifenblasen

Genug Inspiration gesammelt? Viele der Freizeitangebote sind auch schon für die Kleinsten geeignet und individualisierbar, sodass sie flexibel auf das Alter, den Wissensstand und die Kompetenzen angepasst werden können. Alle Aktivitäten können auch hervorragend in Gruppen durchgeführt werden. Ironischerweise sind die genannten Anregungen für die Bewegung im Freien in einem Online-Artikel zusammengefasst, welchen Sie gerade auf einem Bildschirm lesen… Deshalb heißt es jetzt: “Leg‘ doch mal Ihr Handy aus der Hand und geh‘ draußen spielen!”

 

Quellen

[1] Kiggs-Studie (2018): Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

[2] Schweighart, Jörg: Vitamin D Mangel

[3] Schacht, Mascha (2010): Hirndoping mit Bakterien. Umwelt und Natur

[4] Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW): Waldschulen

[5] Plotzki, Johannes: Draußenschule. Lernen ohne Klassenzimmer

[6] Schnitzler, Katja (2015): Digital Partents. Eltern, die auf Handys starren