Das Ei des Kolumbus

Wenn es für ein komplexes Problem eine überraschend einfache Lösung gibt, reden wir sprichwörtlich vom “Ei des Kolumbus”. Da eine simple Lösung im Kontrast zur eigentlich komplexen Problemstellung steht, ist der Ausdruck besonders dann angebracht, wenn es den Beteiligten zunächst schwerfällt, sich mit der einfachen Lösung anzufreunden. Mit der Verwendung der Redensart “Ei des Kolumbus” kann darüber hinaus signalisiert werden, wie wichtig die Wertschätzung anderer, simpel anmutender Lösungen sein kann.

Das Ei des Kolumbus

Kolumbus und das Ei

Um die Frage nach der Herkunft des geflügelten Ausdrucks spinnen sich mehrere Mythen. Eine mögliche Geschichte, wie das Sprichwort entstanden sein könnte, wählt Christoph Kolumbus höchstpersönlich zum Protagonisten: Als der Globetrotter damals von seiner Reise nach Amerika zurückkehrte und zu einem Schmaus im spanischen Königshaus eingeladen war, konfrontierte ihn der Kardinal Pedro González de Mendoza mit der spöttischen Aussage, dass es ein Leichtes gewesen sei, den neuen Kontinent zu entdecken. Jeder hätte laut Mendoza diese Entdeckung machen können.

Ein cleveres Kerlchen

Daraufhin wandte Kolumbus einen ungewöhnlichen Trick an. Er forderte alle Anwesenden auf, ein hartgekochtes Ei auf die Spitze zu stellen, ohne dass es umfällt. Als alle Gäste an dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe scheiterten, nahm Kolumbus das Ei, haute es kurz auf die Tischplatte, sodass die Spitze des Eis eine kleine Delle bekam, auf der es problemlos stehen konnte. Der Empörung der Anwesenden über diesen faulen Trick soll er sinngemäß entgegnet haben: “Jeder von euch hätte es tun können, aber ich habe es getan.” [1] 

Jene Überlieferung stammt allerdings von einem italienischen Historiker, welcher die Geschichte laut eigener Aussage selbst nur vom Hörensagen kannte. Über den Wahrheitsgehalt der Herkunftsgeschichte lässt sich also streiten…

So könnte man auch den Worten des Unterhaltungskünstlers Heinz Erhardt Glauben schenken, als er dichterisch von der vermeintlichen Herkunft dieser Redensart berichtet:

 

“Als Kolumbus von seiner Amerikafahrt

nach Spanien heimkam, mit Gold und mit Bart

und hochgeehrt und umjubelt schritt

durch die Hauptstadt des Landes, ich glaube Madrid,

entdeckte er plötzlich da drüben rechts

eine hübsche Person femininen Geschlechts.

Bei ihrem Anblick, was war schon dabei,

entschlüpfte ihm was und zwar das Wort “Ei…”.

Jetzt sind die Forscher sich darüber klar,

dass das das Ei des Kolumbus war.” [3]

Heinz Erhardt: Das Ei des Kolumbus (1961)

Einen Eiertanz aufführen

Eiertanz: Ballettschuhe hinter zwei weißen Eiern

Ein Eiertanz der anderen Art

Wahrscheinlich hat beinahe jeder schon einmal einen Eiertanz aufgeführt – du sicher ebenfalls, auch wenn du vielleicht ein Tanzmuffel bist! Wenn wir uns übervorsichtig verhalten, um nichts falsch zu machen oder sehr lange abwägen und uns hin und her winden, bevor wir eine Entscheidung treffen, tanzen wir einen vorbildlichen Eiertanz – im übertragenen Sinne natürlich. Die Redewendung geht auf Goethes Roman “Wilhelm Meisters Lehrjahre” aus dem Jahre 1795 zurück.

Darin führte die Romanfigur Mignon dem Protagonisten eine spannende Show vor, für die sie zunächst rohe Eier auf dem Boden verteilte. Daraufhin führte sie, mit geschlossenen Augen und von Kastagnetten in ihrer Hand begleitet, einen Tanz zwischen den Eiern auf. Sie tanzte um die Eier herum, ohne dass ein Ei kaputt ging. Goethe beschrieb es so:

 

“Behende, leicht, rasch, genau fuehrte sie den Tanz. Sie trat so scharf und so sicher zwischen die Eier hinein, bei den Eiern nieder, dass man jeden Augenblick dachte, sie muesse eins zertreten oder bei schnellen Wendungen das andre fortschleudern. Mitnichten! Sie beruehrte keines, ob sie gleich mit allen Arten von Schritten, engen und weiten, ja sogar mit Spruengen und zuletzt halb kniend sich durch die Reihen durchwand.” [4]

J.W. Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795)

Na, auf den Geschmack gekommen?

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