{"id":12165,"date":"2021-06-15T15:08:12","date_gmt":"2021-06-15T15:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/?p=12165"},"modified":"2022-04-11T10:57:28","modified_gmt":"2022-04-11T10:57:28","slug":"episode-8-testpflicht-heulkrampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/bildungssystem\/episode-8-testpflicht-heulkrampf\/","title":{"rendered":"Episode 8: Testpflicht &#038; Heulkrampf"},"content":{"rendered":"[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\n<p>Der zehnte Monat als Referendarin an einer Berliner Grundschule liegt hinter mir. Das bedeutet, dass bereits \u00fcber die H\u00e4lfte geschafft ist. Ein gutes Gef\u00fchl. Und doch wei\u00df ich, dass die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden noch vor mir liegen. Aber daran kann ich jetzt noch nicht denken.<\/p>\n<p>In den letzten zwei Monaten waren vor allem folgende Erkenntnisse pr\u00e4gnant:<\/p>\n<ul>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"#1\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Wechselunterricht macht m\u00fcde<\/span><\/a><\/li>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"#2\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Die Testpflicht bringt Aufruhr mit sich<\/span><\/a><\/li>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"#3\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Ich habe mich doch nicht so im Griff\u2026 (Unterrichtsbesuche)<\/span><\/a><\/li>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"#4\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Aus Demotivation k\u00f6nnen sch\u00f6ne Momente entstehen (Fr\u00fchlingsgeschichten)<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Was es mit diesen Erkenntnissen auf sich hat, erz\u00e4hle ich in diesem Beitrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>N\u00e4here Informationen zum Aufbau des Referendariats an Berliner Grundschulen befinden sich in der <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/referendariat-erfahrungen-erkenntnisse-tipps\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">\u00dcbersicht<\/span><\/a>.<\/em><\/p>\n<h2 id=\"1\">Wechselunterricht macht m\u00fcde<\/h2>\n<p>Der April begann f\u00fcr mich und viele andere, die an Schulen arbeiten, mit einem wohlwollenden Event: den Osterferien. Eine Woche entspannen, eine Woche Schulkram vorbereiten, so lautet meine Devise. Wenn das nur so einfach w\u00e4re, wie es klingt. Ich muss sagen, ich schwankte im Bezug auf die n\u00e4chsten Schulmonate immer wieder zwischen Angespanntheit und gef\u00fchlter L\u00e4hmung, weil momentan alles so unvorhersehbar ist. Das Vorausplanen von Unterrichtseinheiten und -besuchen ist zur Zeit nur m\u00f6glich, wenn man au\u00dferordentlich flexibel auf spontane \u00c4nderungen reagieren kann. Und es ist mir manchmal einfach noch nicht m\u00f6glich, mit Gelassenheit zu reagieren. Stattdessen nagt es an mir.<\/p>\n<p>Nach den Osterferien blickte ich in \u00e4hnlich angespannte Gesichter. Viele Lehrkr\u00e4fte an meiner Schule wollten die Ferienzeit dieses Mal f\u00fcr die eigene psychische Gesundheit nutzen und taten das weitgehend auch. Doch die Effekte sind f\u00fcr die meisten &#8211; wie f\u00fcr mich auch &#8211; kaum sp\u00fcrbar. Es lastet eine Art unsichtbares Gewicht auf allen Schultern der Schule und ich habe das Gef\u00fchl, dass es nicht nur mir in diesem Moment schwer f\u00e4llt, aufrecht zu gehen.<\/p>\n<h2 id=\"2\">Die Testpflicht bringt Aufruhr mit sich<\/h2>\n<p>Die Testpflicht in Schulen begann f\u00fcr uns am 19. April und sorgte f\u00fcr viel Wirbel in meinem Mikrokosmos und in ganz Deutschland. In einer schulinternen Dienstversammlung erl\u00e4uterte die Schulleitung die neuen Beschl\u00fcsse und gab Hinweise zur organisatorischen Umsetzung der Testpflicht.<\/p>\n<p>Getestet werden die Lerngruppen zweimal w\u00f6chentlich in der ersten Stunde. Die Eltern der Lernenden haben die M\u00f6glichkeit, ihre Kinder vor der Schule zu Hause zu testen und die negativ getesteten Kinder mit einem unterschriebenen Negativbescheid in die Schule zu schicken. Daf\u00fcr wurde an meiner Schule eine offene Anfangszeit von 07:50 bis 08:30 Uhr eingerichtet: Die Kinder, die sich in der Schule testen, kommen in der Regel bis 08:05 Uhr in die Schule und testen sich mit der Klasse gemeinsam. Kinder, die zu Hause getestet wurden, kommen f\u00fcr gew\u00f6hnlich erst ab 08:20 Uhr und h\u00e4ndigen der Lehrkraft den tagesaktuellen Negativ-Bescheid aus. Durch die offene Anfangsphase wird das Ankommen der einzelnen Kinder im Sinne der Abstandsregeln entzerrt. Bisher habe ich gute Erfahrungen mit diesem Konzept gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12187 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Selbsttest-Corona-Schule.jpg\" alt=\"Selbsttest Corona Schule\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Selbsttest-Corona-Schule.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Selbsttest-Corona-Schule-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Reaktionen des Kollegiums reichten von innerer \u00dcberzeugung \u00fcber notgedrungene Bereitschaft bis hin zu starken Bedenken und Widerspruch im Angesicht der unklaren Verantwortungspflicht und nicht vorhandenen Fachkompetenz auf Seiten der Lehrkr\u00e4fte. Jene Bedenken sind verst\u00e4ndlich und kommen nicht nur in meinem Kollegium vor, sondern in allen Kollegien der Leute in meiner Referendariats-Bubble und wahrscheinlich in den meisten Kollegien deutschlandweit. Die Schulleitung reagierte verst\u00e4ndnisvoll, aber bestimmt und richtete die dringliche Bitte an uns, den neuen Anweisungen Folge zu leisten.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich empfinde die gemeinsamen Testungen als notwendige und teilweise spannende Herausforderung, besonders in den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen. Zugegeben, ich hatte etwas Panik, als ich ein paar Tage vor meiner ersten Selbsttestchoreografie von einer blutenden Viertkl\u00e4sslerin nach einem Taschentuch gefragt wurde. Sie hatte sich zu Hause getestet und das Testst\u00e4bchen wohl etwas zu weit in die Nasenh\u00f6hlen geschoben &#8211; autsch! Da konnte die gemeinsame Testung mit den Ersties ja nur ein voller Erfolg werden. Aber zu meiner Beruhigung haben wir die Testung g\u00e4nzlich ohne blutende Nasen \u00fcberstanden.<\/p>\n<h3>Testen im Unterricht<\/h3>\n<p>Als Einstieg in das selbstst\u00e4ndige Testen f\u00fcr Kinder eignen sich verschiedene Videos, z.B. von der Augsburger Puppenkiste [1], die sich die Kinder am besten gemeinsam mit der Lehrkraft vor der ersten Testung ansehen.<\/p>\n<p>Um die Durchf\u00fchrung zu erleichtern, kann die Lehrkraft den Test parallel zu der Lerngruppe durchf\u00fchren und die Anweisungen Schritt f\u00fcr Schritt f\u00fcr alle formulieren. Als besonders hilfreich f\u00fcr die ersten Testungen hat sich diese <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Tischvorlage-Corona-Selbsttest.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Tischvorlage<\/span><\/a> erwiesen. Hier ist genau gekennzeichnet, welcher Bestandteil des Testkits wo seinen Platz hat, sodass die Lehrkraft w\u00e4hrend der gemeinsamen Testung genaue Ansagen machen kann, jedes Kind schnell findet, was es braucht und insgesamt weniger Verwirrung herrscht.<\/p>\n<p>Um es etwas stimmungsvoller zu gestalten als eine Routineuntersuchung bei der Haus\u00e4rztin nebenan, kann man die neue Herausforderung als Forschungsexperiment inszenieren, was es ja streng genommen auch ist. Die Kinder k\u00f6nnen hier als Leitende ihrer eigenen Forschung agieren und wissenschaftliche Vorg\u00e4nge anhand ihres eigenen Versuchsaufbaus nachvollziehen. Daraus l\u00e4sst sich durchaus eine Einheit zum forschenden Lernen basteln, wenn man die Mu\u00dfe hat.<\/p>\n<h2 id=\"3\">Ich habe mich doch nicht so im Griff\u2026<\/h2>\n<p>Im April und Mai standen wieder einige Unterrichtsbesuche an &#8211; f\u00fcnf an der Zahl. Ich m\u00f6chte hier nur von den Extremf\u00e4llen berichten und mich dabei vom L\u00e4cheln zum Weinen hangeln (wegen der Dramaturgie und so).<\/p>\n<p><strong>Mein Mathe-UB in Klasse 4-6<\/strong> lief sehr positiv. Ich zeigte eine Unterrichtsstunde zum Thema r\u00e4umliches Vorstellungsverm\u00f6gen. Die Kinder mussten verschiedene kopfgeometrische Aufgaben zum W\u00fcrfel l\u00f6sen und sich via Haltestelle (siehe Medium des Monats) zu Partnergruppen zusammenfinden, um weitere R\u00e4tsel zu knacken.<\/p>\n<div id=\"attachment_12174\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-12174\" loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12174\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-1-300x105.png\" alt=\"Kopfgeometrie Wu\u0308rfel 1\" width=\"500\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-1-300x105.png 300w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-1-768x268.png 768w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-1.png 894w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-12174\" class=\"wp-caption-text\">Diese Aufgabe ist mit einfacher Kombinatorik l\u00f6sbar&#8230;<\/p><\/div><div id=\"attachment_12176\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-12176\" loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12176\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-2-300x207.png\" alt=\"Kopfgeometrie Wu\u0308rfel 2\" width=\"500\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-2-300x207.png 300w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-2-768x529.png 768w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Kopfgeometrie-Wu\u0308rfel-2.png 868w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-12176\" class=\"wp-caption-text\">Bei diesen Aufgaben ist schon mehr mentale Akrobatik gefragt!<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einer meiner Deutsch-UBs (Klasse 1-3)<\/strong> war zum Scheitern verurteilt. Einmal in meiner Ausbildungszeit kommt die Seminarleitung des allgemeinen Seminars (meine Vorgesetzte) zu einem meiner Unterrichtsbesuche und fungiert als dritte Bewertungs- bzw. Beratungsinstanz. Das war f\u00fcr diesen Deutsch-UB der Fall. Ich hatte allerdings ein Problem: Da die letzte Deutscheinheit beendet und die verbleibende Zeit bis zu den Ferien l\u00e4cherlich knapp war, war es mir nicht m\u00f6glich, eine stringente Deutscheinheit zu entwickeln. Also machte ich das Lernw\u00f6rterheft zum Thema der Stunde, welches die Kinder parallel zum aktuellen K\u00f6rperprojekt bearbeiten sollten.<\/p>\n<p>Das Lernw\u00f6rterheft enth\u00e4lt wichtige W\u00f6rter rund um den K\u00f6rper aus dem Grundwortschatz Berlin, die die Lernenden in einer komplexer werdenden Schreibreihenfolge ab- bzw. aufschreiben sollen. Kleine W\u00fcrfelspiele zu den Lernw\u00f6rtern sind auch enthalten, um bestimmten Rechtschreibph\u00e4nomenen spielerisch zu begegnen. Insgesamt also ein <strong>stinklangweiliges Thema<\/strong> und sicher keines, das man gerne als Unterrichtsbesuch aufbereiten m\u00f6chte. Aber ich hatte das Gef\u00fchl, dass mir absolut nichts anderes \u00fcbrig blieb.<\/p>\n<p>Als Einstieg in diese \u201cRechtschreibstunde\u201d schlug mir der Klassenlehrer vor, die Namen der Kinder falsch an die Tafel zu schreiben und die Reaktionen abzuwarten. Wir hielten es beide f\u00fcr sehr wahrscheinlich, dass mindestens ein Kind ruft: \u201cMein Name wird aber anders geschrieben!\u201d, worauf ich dann neckisch mit: \u201cOh, aber das ist doch egal. Oder ist dir das wichtig?\u201d, reagieren k\u00f6nnte, worauf die Kinder wiederum eigenst\u00e4ndig Argumente und Beispiele entwickeln w\u00fcrden, warum die richtige Schreibung manchmal wichtig ist. Super Idee, fand ich. Und das ist sie auch, wenn man als Lehrkraft Alternativen parat hat. Hatte ich aber nicht.<\/p>\n<h3>Problemstellen der Deutschstunde<\/h3>\n<p>Es war 08:45 Uhr, die Stunde konnte beginnen. Hinten aufgereiht sa\u00dfen meine Schulleitung, meine Fachseminarleitung, meine allgemeine Seminarleitung (Vorgesetzte), der Klassenlehrer und die Bezugserzieherin eines Sch\u00fclers der Lerngruppe. <strong>Gro\u00dfes Publikum f\u00fcr eine Stunde, die nicht aus Leidenschaft, sondern aus der Not geboren wurde.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Kinder wurden angesichts der vielen Leute von alleine etwas ruhiger, also drehte ich mich zur Tafel und schrieb ein paar Namen der Kinder v\u00f6llig falsch an die Tafel. Ein Erstkl\u00e4ssler ruft: \u201cDa steht mein Name!\u201d &#8211; ich schrieb weiter und wartete ab, bis der Sch\u00fcler durch ein paar der anderen Kinder darauf aufmerksam gemacht wurde und sagte: \u201cJa stimmt, ich werde mit K geschrieben.\u201d In mir machte sich Vorfreude breit und ich fragte: \u201cIst dir das wichtig?\u201d<\/p>\n<p>Er dachte kurz nach und rief dann laut und entschlossen durch den Raum: <strong>\u201cNee, das ist mir \u00fcberhaupt nicht wichtig! Das ist mir total egal, wie man mich schreibt\u201d<\/strong>, woraufhin tats\u00e4chlich alle anderen Kinder einstimmten und beteuerten, dass es ja darauf nun mal \u00fcberhaupt nicht ankomme. Lief also super bis hierhin. Ich sah zu meinem erwachsenen Publikum an der hinteren Wand. Alle versteckten sich hinter ihren Unterlagen und ich erkannte sowohl Mitleid als auch Lachtr\u00e4nen in ihren Augen. Vielleicht waren es auch die Spiegelneuronen, denn ich glaube, ich blickte in dem Moment \u00e4hnlich verzweifelt aus der W\u00e4sche. Bei mir gingen alle Lichter aus. Ich konnte zwar dar\u00fcber lachen, aber ich konnte nicht ansatzweise flexibel oder professionell darauf reagieren und bat die Kinder stattdessen f\u00fcr die n\u00e4chste Unterrichtsphase in den Sitzkreis. Jetzt war also der spannendste Teil meiner Stunde vor\u00fcber und den habe ich auch noch versemmelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12188 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Unangenehmer-Moment-im-UB.jpg\" alt=\"Unangenehmer Moment im UB\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Unangenehmer-Moment-im-UB.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Unangenehmer-Moment-im-UB-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alles was danach kam, passierte f\u00fcr mich wie im Rausch.<\/strong> Ich verga\u00df wichtige Materialien zur Veranschaulichung, erkl\u00e4rte den Arbeitsauftrag missverst\u00e4ndlich, nutzte die Symbole nicht, die ich vorbereitet hatte und machte zudem ein h\u00f6chst unmotivierendes Lernmaterial zum Gegenstand der Stunde, was im Nachhinein zu Recht von meiner Seminarleitung kritisiert wurde. Welches Kind freut sich nicht \u00fcber mehrere Seiten mit W\u00f6rtern zum Abschreiben? Daf\u00fcr lief die Erarbeitungsphase, in der sich jedes Kind zun\u00e4chst alleine mit dem Lernw\u00f6rterheft besch\u00e4ftigen sollte, \u00fcberraschend positiv. Es war ein kleines bisschen magisch, als alle sofort ihre K\u00f6pfe \u00fcber das Heft neigten, drauflosschrieben und sich eine stille Produktivit\u00e4t im Raum ausbreitete. Nur leider waren die Kids motivierter, m\u00f6glichst <em>viele <\/em>W\u00f6rter abzuschreiben, als auf die richtige Reihenfolge oder die Rechtschreibung zu achten, was unter anderem an meinen missverst\u00e4ndlichen Erkl\u00e4rungsversuchen lag. Konsequenz: Standard verfehlt. Als Kr\u00f6nung hat ein Kind zwischendurch angefangen zu weinen, weil es die W\u00f6rter aus Versehen nicht in der vorgegebenen Reihenfolge abgeschrieben hat und sich \u00fcber sich selbst \u00e4rgerte. Das tat mir besonders leid, weil es offensichtlich eher auf mein didaktisches Versagen zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass die Abschreibreihenfolge nicht verstanden wurde, als auf die Unaufmerksamkeit des Kindes.<\/p>\n<p><strong>Ich wei\u00df nicht mal mehr wie ich den Unterricht beendet habe.<\/strong> Sicher nicht so, wie ich wollte. Beim Einsammeln der Materialien schossen mir die Tr\u00e4nen in die Augen und der Klo\u00df im Hals war so gro\u00df, dass ich kaum sprechen konnte. Meine Fachseminarleitung dr\u00fcckte mir einen Gespr\u00e4chsleitfaden in die Hand, den ich noch nie gesehen hatte (auch meine Schuld) und sagte: \u201cSie leiten ja heute das Reflexionsgespr\u00e4ch! Sie k\u00f6nnen sich ein paar Minuten nehmen.\u201d Ich nickte mit nassen Augen und hochrotem Kopf und verlie\u00df vor allen anderen den Raum Richtung Toilette.<\/p>\n<p><strong>Das Reflexionsgespr\u00e4ch lief okay, war aber maximal unangenehm.<\/strong> Der Klo\u00df in meinem Hals schien einfach nicht wegzugehen. Da ich selbst so viel kritisierte, war f\u00fcr die anderen nicht mehr so viel \u00fcbrig, aber dennoch genug. Was ich aus diesem Unterrichtsbesuch mitnehme, ist bei den \u201cErkenntnissen auf dem Weg zur Professionalit\u00e4t\u201d zu finden.<\/p>\n<h2 id=\"4\">Aus Demotivation kann Gro\u00dfes wachsen<\/h2>\n<p>Als ich meiner kleinen Lerngruppe (Klasse 1-3) verk\u00fcndete, dass wir als gro\u00dfen Abschluss des Fr\u00fchlingsprojekts eigene Fr\u00fchlingsgeschichten erz\u00e4hlen werden, waren die Gesichter nicht gerade von Vorfreude erf\u00fcllt. Sogar lautes Murren und S\u00e4tze wie \u201cOch nee, da muss man wieder so viel schreiben\u201d raunten durch den Raum. Begeisterung sah anders aus.<\/p>\n<p>Doch bevor es ans Schreiben ging, mussten erst mal Ideen zu m\u00f6glichen Orten, Zeiten, Personen und Inhalten einer Fr\u00fchlingsgeschichte gesammelt und eine Art Storyboard entwickelt werden. Besonders letzteres motivierte die Kids wieder sehr. F\u00fcr die Storyboards haben wir einfach ein wei\u00dfes A4 Blatt mehrmals gefaltet, sodass 8 oder 16 kleine Fenster entstehen, die man nummerieren und anschlie\u00dfend wie einen Comic zur eigenen Idee bef\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Und ja, die Geschichte soll letztendlich niedergeschrieben werden, zumindest von den Kindern, die schon gut schreiben k\u00f6nnen. F\u00fcr alle anderen Kinder gab es die Option, die Geschichte mithilfe des Storyboards zu Hause ihren Eltern zu erz\u00e4hlen und das Ganze per Audioaufnahme an mich zu senden. Ich tippte die Geschichten zu Hause ab. Die Kinder, die ihre Geschichte selbst verschriftlichten, gaben ihre Geschichten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck bei mir ab. Zus\u00e4tzlich sollte jedes Kind ein Deckblatt zu seiner Fr\u00fchlingsgeschichte anfertigen.<\/p>\n<p>An ein paar Tagen las ich immer morgens direkt nach dem Testen die Fr\u00fchlingsgeschichten der Kinder vor und hatte dabei stets <strong>ein unglaublich aufmerksames, liebevolles und begeistertes Publikum<\/strong>. Nach jeder Geschichte durfte die Lerngruppe ihr Feedback an die Autorin oder den Autor der Geschichte richten. Wirklich jedes Kind war nicht nur sichtlich stolz auf seine eigene Leistung, sondern ebenso auf die seiner Mitlernenden, wenn S\u00e4tze fielen wie \u201cWow, ich bin neidisch auf deine Geschichte, du hast das richtig gut gemacht!\u201d oder \u201cDie Geschichten sind alle soooooo toll geworden\u201d. Das war Balsam f\u00fcr die Seele &#8211; auch f\u00fcr meine. Es tut einfach gut, zu sehen, dass aus anf\u00e4nglicher Demotivation eine solche Begeisterung wachsen kann, die sich positiv auf das Selbstwertgef\u00fchl und die soziale Eingebundenheit aller auswirkt.<\/p>\n<p>Es folgt ein Lernprodukt von einem Jungen im ersten Lernjahr, dessen Fr\u00fchlingsgeschichte mich per Audioaufnahme erreichte. Gemeinsam mit dem Storyboard\u00a0 wurde die Geschichte von allen zuh\u00f6renden Kindern in h\u00f6chsten T\u00f6nen gelobt und das zurecht, wie ich finde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-10-28-um-16.20.04.png&#8220; alt=&#8220;Fr\u00fchlingsgeschichte&#8220; title_text=&#8220;Fr\u00fchlingsgeschichte&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; admin_label=&#8220;BILD GESCHICHTE&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; width=&#8220;60%&#8220; max_width=&#8220;60%&#8220; max_width_tablet=&#8220;&#8220; max_width_phone=&#8220;&#8220; max_width_last_edited=&#8220;on|desktop&#8220; border_width_all=&#8220;1px&#8220; border_color_all=&#8220;#fc7c00&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Storyboard-Fru\u0308hlingsgeschichte.png&#8220; alt=&#8220;Storyboard Fru\u0308hlingsgeschichte&#8220; title_text=&#8220;Storyboard Fru\u0308hlingsgeschichte&#8220; show_in_lightbox=&#8220;on&#8220; align=&#8220;center&#8220; admin_label=&#8220;BILD STORYBOARD&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; width=&#8220;70%&#8220; max_width=&#8220;70%&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wollte gerne alle erstellten Materialien zu einem Geschichtenheft binden lassen, allerdings erschien mir das im Nachhinein wenig praktisch. Stattdessen dachte ich, es sei sch\u00f6ner, wenn das Geschichtenheft jedes Jahr um eigene Geschichten zu verschiedenen Themen erweitert werden kann. Also entschloss ich mich vorerst dazu, die Geschichten in Klarsichtfolien und einer sch\u00f6nen stabilen Mappe zu \u201ckonservieren\u201d. Vielleicht finde ich bald noch eine sch\u00f6nere und trotzdem ebenso flexible Variante.<\/p>\n<h2>Medium des Monats<\/h2>\n<p><strong>Die Haltestelle<\/strong> ist eine super Methode f\u00fcr kooperative Lernarrangements. Die Methode kann zum Beispiel eingesetzt werden, um relativ leistungshomogene Tandems zu bilden, die gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten sollen. Es funktioniert in etwa so:<\/p>\n<p>Die Lernenden erhalten zun\u00e4chst eine Aufgabe, die sie in Einzelarbeit l\u00f6sen sollen. Sobald ein Kind glaubt, die richtige L\u00f6sung gefunden zu haben, stellt es sich an die Haltestelle und wartet hier auf das n\u00e4chste Kind, das die Aufgabe gel\u00f6st hat. Zu zweit bilden sie nun ein Tandem. Sie suchen sich einen gemeinsamen Arbeitsplatz, vergleichen ihre L\u00f6sungswege miteinander und korrigieren sie gegebenenfalls mithilfe eines L\u00f6sungsblattes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12177\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/HALTESTELLE-300x200.jpg\" alt=\"Haltestelle\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/HALTESTELLE-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/HALTESTELLE.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist die Aufgabe abgeschlossen, k\u00f6nnen nun weitere Aufgaben im gleichen Team gel\u00f6st werden. Die Haltestelle ist als Methode der Gruppenfindung f\u00e4cherunabh\u00e4ngig und kann schon ab Klasse 1 problemlos eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Der Vorteil f\u00fcr die Lernenden besteht darin, dass sie mit einem Partnerkind arbeiten, das ein \u00e4hnliches Arbeitstempo hat. Das kann sowohl auf leistungsstarke als auch auf leistungsschwache Kinder sehr motivierend wirken. Allerdings ist auch denkbar, dass es Kinder unter Druck setzen kann, wenn sie die Aufgabe erst ganz zum Schluss l\u00f6sen und das vorletzte Kind schon an der Haltestelle wartet.<\/p>\n<p>Alternativ k\u00f6nnen sich an der Haltestelle auch Gruppen aus drei oder vier Kindern formieren, um gefundene L\u00f6sungswege zu vergleichen. In Kleingruppen bieten sich vor allem komplexere Aufgaben an, die mehrere L\u00f6sungswege zulassen.<\/p>\n<p>Die Haltestelle kann dar\u00fcber hinaus auch in der <strong>Freiarbeit<\/strong> eingesetzt werden und mit einer &#8222;Wartebank&#8220; mit einer festgelegten Anzahl von Sitzpl\u00e4tzen (z.B. drei) erg\u00e4nzt werden. In diesem Sinne fungiert die Haltestelle \u00e4hnlich wie die &#8222;<a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/methodik-amp-didaktik\/episode-5-freiarbeit-theorie-und-praxis\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Helping Hand<\/span><\/a>&#8220; als Tool zum Classroom-Management. Kinder, die eine Frage zu ihrem Lerninhalt haben oder nicht weiterkommen, k\u00f6nnen sich zur Haltestelle neben dem Tisch der Lehrkraft begeben und sich auf einen freien Warteplatz setzen. Die Lehrkraft sitzt w\u00e4hrenddessen am Tisch und kl\u00e4rt nacheinander die Fragen der Lernenden. So verliert man nicht den \u00dcberblick und h\u00f6rt seinen Namen nicht permanent durch den Raum hallen. Angenehm!<\/p>\n<h2>Erkenntnisse auf dem Weg zur Professionalit\u00e4t<\/h2>\n<ul>\n<li aria-level=\"1\"><strong>Habe IMMER Alternativen parat. <\/strong>Schon bei der Unterrichtsplanung sollte man den Supergau f\u00fcr das eigene Vorhaben durchdenken und konkrete alternative Handlungsweisen definieren (und ggf. Material daf\u00fcr vorbereiten, falls notwendig), um flexibel auf \u00c4nderungen reagieren zu k\u00f6nnen. Als alle Kinder sagten, die Schreibung ihres Namens sei ihnen egal, h\u00e4tte ich einfach selbst Beispiele nennen k\u00f6nnen, wo die Rechtschreibung von W\u00f6rtern wichtig ist.<\/li>\n<li aria-level=\"1\"><strong>Reduziere dein Material auf den konkreten Standard der Stunde. <\/strong>Das Lernw\u00f6rterheft ist ein ganzer Batzen an Lernmaterial und kann besonders auf j\u00fcngere Kinder demotivierend wirken. Statt die Kinder direkt damit arbeiten zu lassen, w\u00e4re es f\u00fcr meine Stunde sinnvoller gewesen, das Trainieren der Abschreibreihenfolge st\u00e4rker in den Fokus zu r\u00fccken. Daf\u00fcr h\u00e4tte ein Arbeitsblatt gen\u00fcgt, das nur ein Lernwort enth\u00e4lt, das alle Kinder gemeinsam mit mir in der vorgegebenen Reihenfolge (ab-)schreiben.<\/li>\n<li aria-level=\"1\"><strong>Nimm dich nicht zu ernst. <\/strong>Dass mir der versemmelte UB so nahe gehen konnte, dass ich nicht mehr in der Lage war, meine Emotionen zu kontrollieren, war erschreckend f\u00fcr mich. Warum hatte diese Situation so viel Power, mich f\u00fcr eine Weile komplett aus der Bahn zu werfen? Nat\u00fcrlich ist eine solche Beurteilungssituation immer als Ausnahmezustand zu werten, f\u00fcr den man f\u00fcr gew\u00f6hnlich noch keine g\u00fcnstigen Umgangsstrategien entwickelt hat, weil es nunmal eine Ausnahme bildet. Doch das war nicht der einzige Grund. Hier spielten ganz klar \u00fcberh\u00f6hte Erwartungen an mich selbst, defizitorientierte Perspektiven auf mein Handeln und nicht zuletzt die gef\u00fchlte Belastung der letzten Wochen die Hauptrollen. Und dass diese negativen Denk- und Handlungsstrukturen \u00fcberhaupt die Kontrolle \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, liegt daran, dass ich das System und meine Rolle darin viel zu ernst nehme. Das ist nie gesund auf Dauer. Vor allem dann nicht, wenn ich meinen Lerngruppen predige, dass die Schule als Lernort ein gro\u00dfes Probierfeld ist, auf dem Fehler erw\u00fcnscht sind und f\u00fcr mich selbst jedoch eine gegenteilige &#8211; wenn auch h\u00e4ufig unbewusst genutzte &#8211; Strategie anwende. Practise what you preach.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Ratschl\u00e4ge und Leits\u00e4tze f\u00fcr alle Lehrkraft-Neulinge<\/h2>\n<p>In den Episoden 7 bis 10 geht es um Dinge, die man als Lehrkraft vermeiden sollte. Die Ratschl\u00e4ge stammen von meinen Seminarleitungen und wurden demnach ausschlie\u00dflich von Personen mit langj\u00e4hriger Praxiserfahrung ge\u00e4u\u00dfert. Mir pers\u00f6nlich haben sie schon oft geholfen, weswegen ich sie gerne teile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11860 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/No-Gos-als-Lehrkraft.jpg\" alt=\"No Gos als Lehrkraft\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/No-Gos-als-Lehrkraft.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/No-Gos-als-Lehrkraft-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li aria-level=\"1\"><strong>Methoden-Monotonie:<\/strong> Unter Ber\u00fccksichtigung der kindlichen Aufmerksamkeitsspanne sollte in jeder Unterrichtsstunde alle 10-15 Minuten ein Wechsel der Methoden eingeplant werden. Damit ist nicht gemeint, dass die Lernenden ihr Lernmedium komplett wechseln sollen, sondern beispielsweise, dass sie in verschiedenen Sozialformen agieren und dabei unterschiedliche Kompetenzen angesprochen werden (z.B. vom Plenum in die Einzelarbeit, von dort aus in die Gruppenarbeit und abschlie\u00dfend zur\u00fcck ins Plenum &gt;&gt; <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/bildungssystem\/episode-1-schulanfang-chaos-verzweiflungslachen\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Think-Pair-Share<\/span><\/a>).<\/li>\n<li aria-level=\"1\"><strong>W-Fragen: <\/strong>Wer W-Fragen stellt, bekommt langweilige Antworten. Fragen, die mit \u201cwie\u201d, \u201cwarum\u201d oder \u201cwas\u201d beginnen, schr\u00e4nken die m\u00f6glichen Antworten der Lernenden h\u00e4ufig bereits extrem ein und fallen damit in die Kategorie \u201cSag das, was ich h\u00f6ren will\u201d. Durch diese implizite Lenkung verbauen W-Fragen wichtige kreative Denkprozesse bei den Lernenden. Stattdessen gilt es, Impulse zu geben, beispielsweise durch irritierende oder widerspr\u00fcchliche Aussagen, durch Bildmaterial, das zum Sprechen anregt und durch die Nutzung offener Operatoren wie \u201c\u00c4u\u00dfere dich dazu\u201d.<\/li>\n<li aria-level=\"1\"><strong>Fehler rot markieren: <\/strong>Bei der Korrektur von Texten haben wir ganz schnell den Rotstift zur Hand. Das ist allerdings nicht besonders f\u00f6rderlich im Sinne einer positiven Fehlerkultur. Der eigentliche Fokus sollte nicht darauf liegen, was das Kind nicht kann, sondern darauf, was es kann. Dass dieser Ansatz bei einem Diktat, bei welchem es darum geht, W\u00f6rter richtig zu schreiben, eher nach einem Witz klingt, ist mir klar. Dennoch gibt es gute Alternativen, Fehlerstellen aufzuzeigen, ohne diese bedrohlich hervorzuheben. Zum Beispiel nutzt man einen gr\u00fcnen Stift und hebt besonders gelungene Bereiche mit einer kleinen Notiz oder Smileys hervor. Bei Rechtschreibfehlern schreibt man die richtige Schreibweise in gr\u00fcn unterhalb die fehlerhafte Schreibung, anstelle den Fehler zu unterstreichen. Das sieht nicht nur netter aus, sondern spiegelt dem Kind den konkreten Unterschied zwischen beiden Schreibweisen und gibt ihm eine faire Basis, das Wort in einer anschlie\u00dfenden Korrektur richtig zu schreiben. Weiterhin soll das Kind dadurch motiviert werden, die Fehlerstelle anhand des Vergleichs der Schreibweisen selbstst\u00e4ndig zu entdecken und zu korrigieren. Diese Fehleranalyse sollte besonders bei j\u00fcngeren Kindern von der Lehrkraft angeleitet werden, indem beispielsweise gemeinsam Stolperstellen in fehlerhaften W\u00f6rtern gesucht und markiert werden und Rechtschreibstrategien angewendet und vertieft werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Was zu sagen bleibt\u2026<\/h2>\n<p>Alles geht in rasanten Schritten voran und manchmal f\u00fchle ich mich zu langsam, um das Tempo zu halten, was mir von au\u00dfen vorgegeben wird. Das hinterl\u00e4sst ein ungutes, diffuses Gef\u00fchl. Daran sind wahrscheinlich eher meine verkopfte und emotionale Herangehensweise und mein unrealistischer Anspruch an mich selbst schuld als die tats\u00e4chlichen Umst\u00e4nde. Es f\u00fchlt sich stellenweise an, als w\u00fcrde ich eine zweite Pubert\u00e4t durchlaufen &#8211; \u201cwork in progress\u201d steht auf meiner Stirn und ich muss auf eine neue Weise lernen, mit Gef\u00fchlen und Herausforderungen kompetent umzugehen.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Bericht erz\u00e4hle ich von den letzten Wochen vor den hei\u00df ersehnten Sommerferien. Bis dahin schlie\u00dfe ich mit den Worten des gro\u00dfen Tagebuchschreibers Bert:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201cAlles ok, Kartoffelp\u00fcree!\u201d[2]\n<hr \/>\n[<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A0EqaSBurX0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1<\/a>] Augsburger Puppenkiste (2021): Dr. Kasperls Coronatest-Anleitung (YouTube).<\/p>\n[2] Jacobsson u. Olsson (1996): Berts gesammelte Katastrophen. Oetinger Verlag.<\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_testimonial portrait_url=&#8220;https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Carla-Edited.jpg&#8220; portrait_width=&#8220;110px&#8220; portrait_height=&#8220;110px&#8220; use_icon_font_size=&#8220;on&#8220; icon_font_size=&#8220;39px&#8220; admin_label=&#8220;Autorin Carla&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.10&#8243; body_text_align=&#8220;left&#8220; custom_margin=&#8220;40px||40px||false|false&#8220; custom_padding=&#8220;55px|55px|55px|55px|false|false&#8220; border_radii_portrait=&#8220;on|86px|86px|86px|86px&#8220; portrait_border_radius=&#8220;86px&#8220; global_module=&#8220;8039&#8243;]\n<p><strong><span style=\"color: #fc7c00;\">Autorin: Carla<\/span><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr etwa drei Jahre schrieb ich Artikel f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">phase6 Magazin<\/span><\/a> und das <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Lehrkr\u00e4fte Magazin<\/span><\/a>. Mit besonderer Vorliebe widmete ich mich dabei spannenden Themen der p\u00e4dagogischen Psychologie in Theorie und Praxis. W\u00e4hrend meines Referendariats an einer Berliner Grundschule schrieb ich <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/bildungssystem\/referendariat-erfahrungen-erkenntnisse-tipps\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Erfahrungsberichte<\/span><\/a> und gab einen Einblick in meinen Schul- und Ausbildungsalltag. Mittlerweile befinde ich mich in der turbulenten Berufseinstiegsphase und darf eine jahrgangsgemischte Lerngruppe an einer montessori-orientierten Grundschule in Berlin unterrichten.<\/p>\n[\/et_pb_testimonial][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zehnte Monat als Referendarin an einer Berliner Grundschule ist geschafft. 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