{"id":8843,"date":"2020-03-16T10:01:40","date_gmt":"2020-03-16T10:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/?p=8843"},"modified":"2020-09-29T08:05:38","modified_gmt":"2020-09-29T08:05:38","slug":"bildungssprache-und-chancengleichheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/bildungssprache-und-chancengleichheit\/","title":{"rendered":"Bildungssprache und Chancengleichheit"},"content":{"rendered":"[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.0.4&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.0.4&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.0.4&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<span style=\"font-weight: 400;\">Kinder wachsen in unterschiedlichen Elternh\u00e4usern auf, so viel ist klar. In diesen Elternh\u00e4usern herrschen unterschiedliche Sprachniveaus vor, die abh\u00e4ngig sind vom Kontext, in dem gesprochen wird, und von der Kompetenz der Sprechenden. Das sorgt daf\u00fcr, dass Kinder unterschiedliche sprachliche Kompetenzen ausbauen und mit ebenso ungleichen sprachlichen Voraussetzungen in die Schule kommen. Lehrkr\u00e4fte, die solch heterogene Lerngruppen unterrichten, k\u00f6nnen sich nicht an jedes Sprachniveau individuell anpassen und verwenden <\/span><strong>Bildungssprache<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> von Anfang an. Zum einen, um sich an einem Sprachregister orientieren zu k\u00f6nnen und zum anderen, um bei den Lernenden St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck bildungssprachliche Kompetenzen aufzubauen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Doch welche Auswirkungen hat der Wechsel vom Sprachregister des Elternhauses zur schulischen Bildungssprache auf Kinder und ihre Bildungsbiografien? Und welche konkreten Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte ergreifen, um den heterogenen Sprachkompetenzen gerecht zu werden? Diesen Fragen geht der folgende Beitrag auf den Grund.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Die Macht der Sprache<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sprachliche Kompetenzen haben einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Als Mittel zur Expression beinhaltet Sprache neben orthographischen Strukturen auch wichtige soziale Funktionen. Sie gilt <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cals Praxis der sozialen Interaktion, der Mitteilung und Verst\u00e4ndigung, des Austausches, der Auseinandersetzung mit anderen \u00fcber anderes.\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[1] Die F\u00e4higkeit zur sprachlichen Verst\u00e4ndigung kann demnach als <\/span><strong>Werkzeug zur Kultivierung<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> verstanden werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8846 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprechen-lernen.jpg\" alt=\"Sprechen lernen\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprechen-lernen.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprechen-lernen-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Zuge dessen ist Sprache und ihre individuelle Verwendung sowie Rezeption auch wesentlich an der<\/span> <strong>Konstruktion von Identit\u00e4t<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> beteiligt. Die Definition von Sprache, welche auch diesem Beitrag zugrunde liegt, findet folglich in einem weitl\u00e4ufigen Rahmen statt: Sie schlie\u00dft sowohl die explizit gesprochene und geschriebene Sprache ein als auch nonverbale Zeichen wie Mimik, Gestik und K\u00f6rperhaltung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sprachliche Signale, ob verbal oder nonverbal, werden zwischen Sender und Empf\u00e4nger interpretiert und k\u00f6nnen laut der Habitus-Theorie des franz\u00f6sischen Soziologen Pierre Bourdieu <\/span><strong>Aufschluss \u00fcber den Sozialisationshintergrund<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> der Sprechenden geben, genauer: \u00fcber das Umfeld, in welchem die individuelle Sprache erworben und habituiert wurde.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen verschiedener Kinder bringen ebenso ungleiche verbale (an der gesprochenen Sprache orientierte) und literale (an der Schriftsprache orientierte) Voraussetzungen mit sich, mit welchen Kinder eingeschult werden. Bei der Einschulung befindet sich jedes Kind auf einem anderen Sprachniveau, bedingt durch die individuellen Sozialisationsbedingungen des jeweiligen Elternhauses und sozialen Umfelds.<\/span><\/p>\n<p><strong>Der Umgang mit dieser sprachlichen Heterogenit\u00e4t im Unterricht &#8211; speziell im Hinblick auf die Verwendung von Bildungssprache &#8211; kann \u00fcber den Schulerfolg sowie \u00fcber den langfristigen Zugang zu Bildungschancen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler entscheiden.<\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">Geht die Lehrkraft von einem einheitlichen Sprachniveau aus, ist die Gefahr gro\u00df, dass sich Kompetenzunterschiede und sprachliche Defizite verfestigen. Die Schule tr\u00e4gt somit nicht etwa dazu bei, Bildungsungleichheit zu mindern, sondern Ungleichheiten zu reproduzieren.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-9164 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Klasse-mit-unterschiedlichen-Muttersprachen.jpg\" alt=\"Klasse mit unterschiedlichen Muttersprachen\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Klasse-mit-unterschiedlichen-Muttersprachen.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Klasse-mit-unterschiedlichen-Muttersprachen-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es stellt sich also die Frage, welche konkreten Ma\u00dfnahmen Lehrkr\u00e4fte ergreifen k\u00f6nnen, um Kindern und Jugendlichen innerhalb heterogener Lerngruppen mehr Chancengleichheit zu erm\u00f6glichen. Um zu verstehen, wie sprachliche Heterogenit\u00e4t entstehen und sich entwickeln kann, unternehmen wir einen kurzen Exkurs in die Soziologie und n\u00e4hern uns der Habitus-Theorie des franz\u00f6sischen Soziologen Pierre Bourdieu.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Die soziolinguistische Sprechakt-Theorie Bourdieus<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Habitus-Theorie Pierre Bourdieus besch\u00e4ftigt sich mit den feingliedrigen sozialen Komponenten von Sprache und ihren Entstehungsbedingungen, Ausdrucksformen sowie Auswirkungen auf das sprechende Individuum innerhalb heterogener Gruppen einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft. Oder einfacher ausgedr\u00fcckt: <\/span><strong>Bourdieus Habitus-Theorie beschreibt den Zusammenhang zwischen Sozialisationsbedingungen und Bildungschancen von Individuen.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Unter dem Fokus der Sprache und des Sprechens als \u201csoziohistorisches Ph\u00e4nomen\u201d, analysiert Bourdieu die Entwicklungsbedingungen von Sprache in Abh\u00e4ngigkeit vom sozialen Umfeld. Er skizziert die soziale Welt als<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c[&#8230;] einen mehrdimensionalen Raum, der in relativ autonome Felder unterteilt ist; und in jedem dieser Felder nehmen Individuen Positionen ein, die sich nach der Menge der verschiedenen Arten von Kapital bestimmen, die sie besitzen.\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[2]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dieses sogenannte \u201cKapital\u201d wird von Bourdieu in \u00f6konomisches, kulturelles, soziales und sprachliches Kapital aufgeteilt. Ein Individuum sammelt in seinem Leben &#8211; abh\u00e4ngig vom sozialen Milieu, in dem es aufw\u00e4chst &#8211; <\/span><strong>unterschiedliche Mengen an Kapital, also auch unterschiedliche Mengen sprachlichen Kapitals.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Damit unterst\u00fctzt Bourdieu, was eingangs erw\u00e4hnt wurde: Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen in die Schule &#8211; je nachdem, unter welchen Sozialisationsbedingungen sie aufwachsen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>In der Schule angekommen, finden diese Kinder allerdings oft ein vorgegebenes Sprachniveau vor, das sich vor allem im Gebrauch der Bildungssprache im Unterricht bemerkbar macht. <\/strong><br \/>\n[\/et_pb_text][et_pb_toggle title=&#8220;Mehr zur Habitus-Theorie nach Bourdieu&#8230;?&#8220; open_toggle_background_color=&#8220;#f2f4f4&#8243; closed_toggle_text_color=&#8220;#fc7c00&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; icon_color=&#8220;#fc7c00&#8243; admin_label=&#8220;Umschalter &#8211; Bourdieu Habitus Info&#8220; _builder_version=&#8220;4.3.4&#8243; closed_title_font=&#8220;|700|||||||&#8220; background_color=&#8220;#f2f4f4&#8243; border_width_all=&#8220;4px&#8220; border_color_all=&#8220;#f2f4f4&#8243;]\n<h3><b>Der Habitus\u00a0<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Habitus bezeichnet Bourdieu ein <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cEnsemble von Dispositionen, die die handelnden Individuen auf bestimmte Weise agieren und reagieren lassen.\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[2] Die genannten Dispositionen sind dabei als implizit erlernte und dauerhaft einverleibte Wahrnehmungen, Werte und Einstellungen zu verstehen. In diesen Veranlagungen spiegeln sich laut Bourdieu unweigerlich die sozialen Entstehungsbedingungen jener Dispositionen wider.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Beispiel: Janas Mutter sagte w\u00e4hrend Janas Kindheit sehr h\u00e4ufig S\u00e4tze wie \u201cSitz gerade!\u201d, \u201cSprich nicht mit vollem Mund!\u201d oder \u201cZeig nicht mit dem Finger auf fremde Personen!\u201d. Jana hat diese S\u00e4tze irgendwann in Taten umgesetzt und die Taten (in diesem Fall: Manieren) wurden allm\u00e4hlich zu fest verankerten Werten in Janas Kopf. Jana hat die Werte ihrer Eltern implizit \u00fcbernommen und wird diese h\u00f6chstwahrscheinlich auch an ihre Kinder weitergeben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Professor f\u00fcr Schulforschung Rolf-Torsten Kramer fasst den von Bourdieu entwickelten Habitus-Begriff als <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201ceinverleibte, zur Person bzw. Natur gewordene Geschichte\u201d[3]<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> zusammen. Die erste Sozialisationsinstanz, durch die sich das Individuum im Laufe seines Lebens bestimmte Dispositionen aneignet, ist \u00fcberlichweise das Elternhaus. Die fr\u00fchzeitige und gr\u00f6\u00dftenteils unbewusst verlaufende Pr\u00e4gung des eigenen Habitus durch die Dispositionen der Bezugspersonen sorge laut Bourdieu daf\u00fcr,\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cdass die Individuen durch ihren Habitus bereits dazu pr\u00e4disponiert sind, auf bestimmte Art und Weise zu handeln, bestimmte Ziele zu verfolgen, sich zu bestimmten Vorlieben zu bekennen und so weiter.\u201d[2]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Habitus (in der Mehrzahl wird das \u201cu\u201d lang gesprochen) werden laut Bourdieu in unterschiedlichen \u201csozialen Feldern\u201d erworben. Diese Felder sind mit gesellschaftlichen Milieus zu vergleichen. Das hei\u00dft: Ein Individuum w\u00e4chst in einem bestimmten sozialen Feld auf und hat dadurch bestimmte Formen, M\u00f6glichkeiten und Grenzen seines Handelns.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das B\u00fcndel internalisierter Dispositionen verleihe dem Individuum auf kognitiv-emotionaler Ebene weiterhin eine Art \u2018praktischen Sinn\u2019 f\u00fcr die kontextabh\u00e4ngige Angemessenheit eines bestimmten Verhaltens oder (sprachlichen) Ausdrucks. Auch auf k\u00f6rperlicher Ebene &#8211; der sogenannten Hexis &#8211; werde der einverleibte Habitus laut Bourdieu sichtbar, indem er sich sowohl beim Gehen, Reden, Lachen, Denken und F\u00fchlen als auch in der K\u00f6rpersprache bemerkbar mache. Da Habitus an Sozialisationsbedingungen angepasst sind und davon ausgegangen werden kann, dass Individuen in gleichen sozialen Feldern dennoch unterschiedliche Erfahrungen in unterschiedlichen zeitlichen Abfolgen machen, k\u00f6nnen sich Habitus individuell ver\u00e4ndern oder erweitern, was den bei Bourdieu anklingenden und oftmals kritisierten Fatalismus seiner Theorien etwas abmildert.<\/span><\/p>\n<h3><b>Der sprachliche Habitus\u00a0<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Untergruppe des Habitus bildet der sprachliche Habitus eine weitere Dimension der k\u00f6rperlichen Hexis, da er hinsichtlich einverleibter Lippenbewegungen, Akzente oder Intonationen beim Sprechen ebenfalls ein vom Individuum inkorporiertes Konstrukt darstellt. Bourdieu konstatiert, dass sprachliche \u00c4u\u00dferungen stets als <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cProdukt des Verh\u00e4ltnisses zwischen einem sprachlichen Habitus und einem sprachlichen Markt\u201d[2] <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">verstanden werden k\u00f6nnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sprechende erwerben folglich individuelles sprachliches Kapital auf den sprachlichen M\u00e4rkten ihres sozialen Umfelds und passen ihr Sprachrepertoire &#8211; ganz im Sinne des praktischen Sinns &#8211;\u00a0 an den jeweiligen Markt und die in ihm anerkannten sprachlichen Produkte an. Verschiedene Sprechende besitzen vor diesem Hintergrund <\/span><strong>unterschiedliche Mengen sprachlichen Kapitals<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">, da sie auf unterschiedlichen sprachlichen M\u00e4rkten agieren.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Je mehr sprachliches Kapital Sprechende auf verschiedenen M\u00e4rkten erwerben, desto flexibler k\u00f6nnen sie sich an sich ergebende Situationen und Konventionen anpassen und desto h\u00f6her sind gleichwohl die Chancen, auf dem jeweiligen sprachlichen Markt ad\u00e4quat zu agieren und Anerkennung zu finden. Oder, anders formuliert: Je differenzierter das ausgebildete Sprachregister, desto gr\u00f6\u00dfer das Sprachverm\u00f6gen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Allerdings k\u00f6nnen Sprechende laut der Sprachwissenschaftlerin Yvonne Henkelmann nur innerhalb der habituell erworbenen M\u00f6glichkeiten situationsabh\u00e4ngig agieren und reagieren und die Ausbildung dieses sprachlichen Repertoires <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cwiederum h\u00e4ngt vom Zugang und der Quantit\u00e4t des Kontaktes mit den unterschiedlichen \u00d6ffentlichkeitsbereichen ab.\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[4] Geschichtsprofessor Heiko Droste fasst das Ph\u00e4nomen der milieuinternen Reproduktion sozialer Strukturen durch sprachliche Voraussetzungen folgenderma\u00dfen zusammen:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cDas Individuum agiert innerhalb einer prim\u00e4r durch sprachliche Strukturen gepr\u00e4gten Lebenswelt, wobei seine Handlungen an die M\u00f6glichkeiten der Erfahrung von Welt gebunden sind.\u201d[5]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit der Entwicklung einer offiziellen Amts- und \u00d6ffentlichkeitssprache &#8211; der <\/span><strong>Bidlungssprache<\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">&#8211; fand laut Bourdieu ein Vereinheitlichen der sprachlichen M\u00e4rkte statt. Er nimmt an, dass die Durchsetzung einer \u00f6ffentlich anerkannten, \u2018legitimen Sprache\u2019 sowie das daraus resultierende <\/span><strong>sprachliche Monopol<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">, andere Sprachvarianten verdr\u00e4nge und folglich nur denjenigen von Nutzen sei, welche ohnehin einen leichten Zugang zu bildungssprachlichen M\u00e4rkten haben.\u00a0<\/span><br \/>\n[\/et_pb_toggle][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.6.0&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Warum ist Bildungssprache wichtig?\u00a0<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Sprachgebrauch eines Menschen kann in unterschiedliche Register differenziert werden. Neben der Umgangs- und der Standardsprache k\u00f6nnen sich Sprechende beispielsweise am fach- und bildungssprachlichen Register bedienen. Die <\/span><strong>Kommunikation in der \u00d6ffentlichkeit (mittels Massenmedien wie Rundfunk und Zeitungen) sowie Bildungseinrichtungen<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> ist \u00fcberwiegend dem Register der Bildungssprache zuzuordnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8852 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/\u00d6ffentliche-Medien.jpg\" alt=\"\u00d6ffentliche Medien sprechen Bildungssprache\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/\u00d6ffentliche-Medien.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/\u00d6ffentliche-Medien-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bildungssprache unterscheidet sich laut Habermas von der Umgangssprache insbesondere durch einen <\/span><strong>differenzierteren Wortschatz, der Fachvokabular miteinbezieht<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">. Von der Fachsprache, welche lediglich innerhalb fach- bzw. berufsspezifischer Disziplinen erworben werden k\u00f6nne, unterscheide sich die Bildungssprache dahingehend, als dass sie <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cgrunds\u00e4tzlich f\u00fcr alle offensteht, die sich mit den Mitteln der allgemeinen Schulbildung ein Orientierungswissen verschaffen k\u00f6nnen.\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[6]\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In \u00f6ffentlichen Institutionen, \u00c4mtern und Beh\u00f6rden angewandt, entfaltet die Bildungssprache ihre <\/span><strong>informationsvermittelnde Funktion<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> und wird im Kontext einer gesellschaftlich anerkannten <\/span><strong>\u00d6ffentlichkeitssprache<\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">ebenso zur <\/span><strong>Voraussetzung f\u00fcr gesellschaftliche Teilhabe.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Heranwachsende kommen mit der Bildungssprache, welche als <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cgesellschaftliches Gut, an dem die Individuen partizipieren sollen\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[4] verstanden werden kann, sp\u00e4testens mit Eintritt in die Schule in Kontakt. Bildungssprache ist Schulsprache. Im Unterricht wird sie aber meist nicht etwa gelehrt, sondern aktiv gesprochen &#8211; ohne Vokabellisten und Grammatikregeln. Und das hat Folgen, besonders f\u00fcr die sprachlich schw\u00e4cheren Lernenden.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Bildungssprache lernen?<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Speziell in Gro\u00dfst\u00e4dten sind Lerngruppen h\u00e4ufig von einer gro\u00dfen Heterogenit\u00e4t hinsichtlich sozial-kultureller, kognitiver, emotionaler oder sprachlicher Ausgangslagen gepr\u00e4gt. Teile der Lerngruppe, die innerhalb ihres sozialen Umfeldes die Chance hatten, auf diversen \u201csprachlichen M\u00e4rkten\u201d zu agieren, auf welchen Bildungssprache in nat\u00fcrlicher Manier gesprochen wurde, konnten bereits ein gewisses sprachliches Kapital erwerben, welches anderen Teilen der Lerngruppe fehlt.<\/span><\/p>\n<p><strong>Jene \u2018privilegierteren\u2019 Individuen haben demnach weniger Schwierigkeiten, sich dem schulischen Sprachregister anzupassen und gr\u00f6\u00dfere Chancen, den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden, um gute Leistungen zu erzielen.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cMit der Durchsetzung dieser Sprachform als einzig anerkannte Sprachpraxis in offiziellen R\u00e4umen wird der sprachliche Markt vereinheitlicht und durch ein Sprachprodukt dominiert\u201c[4], <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">konstatiert Henkelmann im Bezug auf die offizielle Bildungssprache.<\/span><\/p>\n<p><strong>Wenn in Schulen ausschlie\u00dflich Bildungssprache gesprochen und verlangt wird, werden jene diskriminiert, welche bisher keinerlei Zug\u00e4nge zu diesem Sprachregister finden durften.\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"font-weight: 400;\">Schule als Reproduktionsorgan sozialer Ungleichheit<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diese Individuen, die Bourdieu vorrangig den kleinb\u00fcrgerlichen Milieus zuordnet, m\u00fcssen sich im Gegensatz zu Individuen oder oberen Klassen mehr anstrengen, um den formellen Anforderungen des institutionellen Marktes zu entsprechen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cSprecher ohne legitime Sprachkompetenz [&#8230;]\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">f\u00fchrt Bourdieu an, seien von sozialen R\u00e4umen <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c[&#8230;] in denen diese Kompetenz vorausgesetzt wird, ausgeschlossen oder zum Schweigen verurteilt.\u201d<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">[2]\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8858 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Chancenungleichheit-in-Schulen.jpg\" alt=\"Chancenungleichheit in Schulen\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Chancenungleichheit-in-Schulen.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Chancenungleichheit-in-Schulen-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Institution Schule k\u00f6nne demnach als <\/span><strong>Reproduktionsorgan sozialer Ungleichheit<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> verstanden werden, da sie sich am sprachlichen Habitus sozial besser gestellter Milieus orientiert und bildungssprachliche Kompetenzen homogen voraussetzt, sodass beispielsweise Individuen anderer Muttersprachen oder Personen aus sozial schwachen Verh\u00e4ltnissen benachteiligt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Kramer betont abschlie\u00dfend, dass die Anforderungen im Feld der Schule eine fundamentale Chancenungleichheit beinhalten und stellt &#8211; die Habitus-Theorie unterst\u00fctzend &#8211; in seiner Schlussfolgerung eine zentrale Aufgabe der Schule heraus: Da der Erfolg oder Misserfolg im Bildungssystem von <\/span><strong>fr\u00fchzeitigen Orientierungen<\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">abh\u00e4nge, die von der ersten (famili\u00e4ren) Sozialisationsinstanz determiniert werden, m\u00fcsse sich p\u00e4dagogische Arbeit auf diesen prim\u00e4ren Habitus beziehen und daran ansetzen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Ankn\u00fcpfung an die individuellen Kompetenzniveaus und Erfahrungswelten der Lernenden ist ein p\u00e4dagogisches Prinzip, welches sich unter dem Begriff des \u201cLebensweltbezugs\u201d in beinahe allen didaktischen Anforderungen an Unterrichtsgestaltung finden l\u00e4sst und insofern keinen innovativen Ansatz darstellt. Diese Anpassung verlangt allerdings eine <\/span><strong>explizite Vermittlung bildungssprachlicher Kompetenzen<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">, welche auch heutzutage noch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit im schulischen Kontext ist.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte intervenieren?<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um den Einfluss der sprachlichen Ausgangslagen einzelner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf ihren jeweiligen Bildungserfolg m\u00f6glichst gering zu halten und somit die Chancengleichheit innerhalb einer heterogenen Lerngruppe zu f\u00f6rdern und zu erhalten, k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte gezielte Ma\u00dfnahmen ergreifen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Doch zun\u00e4chst d\u00fcrfte auf der Makroebene das <\/span><strong>Bildungssystem<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> selbst in die Verantwortung gezogen werden. Durch die Segregation in unterschiedliche Schulsysteme und Leistungsgruppen werden den Heranwachsenden schon fr\u00fch unterschiedliche Bildungschancen suggeriert und bestimmte Dispositionen symbolisch manifestiert. Jene Segregation unterst\u00fctzt weiterhin die sogenannte Entit\u00e4tstheorie nach Dweck et al., welche den Glauben an die Unver\u00e4nderbarkeit der eigenen F\u00e4higkeiten und Intelligenz beschreibt (siehe: <\/span><a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/rubriken\/lerntipps\/mindsets-die-psychologie-des-lernens-und-lehrens\/\"><span style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Mindset &#8211; Die Psychologie des Lehrens und Lernens<\/span><\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">).\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Betrachtung der Mikroebene gibt es drei wichtige Aspekte.\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"font-weight: 400;\">1) Stereotypenbedrohung vermeiden<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Stereotypenbedrohung meint die Bef\u00fcrchtung von Menschen bestimmter sozialer oder ethnischer Gruppen, durch ihr Verhalten ein negatives Stereotyp \u00fcber sie zu best\u00e4tigen und somit einer selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung zu unterliegen. Das kann beispielsweise bei M\u00e4dchen im Matheunterricht vorkommen, wenn die Lehrkraft das Stereotyp vom naturwissenschaftlich unbegabteren Geschlecht (unbewusst) verinnerlicht hat. Lernende mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache noch nicht auf muttersprachlichem Niveau beherrschen, sind ebenfalls h\u00e4ufig von Stereotypenbedrohung betroffen, welche sich nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen F\u00e4chern \u00e4u\u00dfern kann, sobald es um die Versprachlichung von Sachverhalten geht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8860 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Stereotypenbedrohung-vermeiden.jpg\" alt=\"Stereotypenbedrohung vermeiden\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Stereotypenbedrohung-vermeiden.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Stereotypenbedrohung-vermeiden-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Aktuelle Studien wie die von Hannover et al. besch\u00e4ftigen sich weiterf\u00fchrend mit dem Einfluss von Stereotypenbedrohung auf den Wortschatzzuwachs von Grundschulkindern mit Migrationshintergrund und best\u00e4tigen die negativen Auswirkungen auf die Lernleistung unter dem Einfluss von Stereotypenbedrohung.[7]<\/span><\/p>\n<p><strong>Sie als Lehrkraft k\u00f6nnen Folgendes beachten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">stetige Selbstreflexion und kritische Introspektion im Hinblick auf eigene Meinungen und eventuelle Vorurteile<\/span><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Bewertung nach individueller Bezugsnorm (prozess- statt ergebnisorientiert)<\/span><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">informelles Feedback bei Leistungsr\u00fcckmeldungen\u00a0<\/span><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Kommunizieren hoher Erwartungen an ALLE Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler<\/span><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Darstellung transparenter Unterrichtsverl\u00e4ufe und Anforderungen<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<h3><span style=\"font-weight: 400;\">2) Bildungssprachliche Kompetenzen f\u00f6rdern<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Geht es speziell um den heterogenen sprachlichen Habitus von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, k\u00f6nnen sprachf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen ergriffen werden, welche die Lernenden dazu bef\u00e4higen, den fachsprachlichen Anforderungen gerecht zu werden. Dabei wird der Ansatz verfolgt, dass Bildungssprache zur Chancengleichheit beitragen kann, wenn sie <\/span><strong>allen Menschen gleicherma\u00dfen zug\u00e4nglich<\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">gemacht wird.<\/span><\/p>\n<p>Der expliziten Vermittlung bildungssprachlicher Elemente und Kompetenzen muss dementsprechend gen\u00fcgend Raum im Unterricht zugestanden werden. Zu diesem Zwecke kann es sinnvoll sein, das Sprachregister der Bildungssprache zun\u00e4chst <strong>konkret zu thematisieren<\/strong> und gemeinsam mit der Lerngruppe Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachregistern herauszufinden.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der <\/span><strong>Stellenwert von Bildungssprache<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> in unserer Gesellschaft &#8211; als einheitlicher Code f\u00fcr den Zugang zu Bildung &#8211; kann mit Kindern erarbeitet werden, indem allt\u00e4gliche Ber\u00fchrungspunkte und bildungssprachliche Kontexte gesammelt und er\u00f6rtert werden <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">(<\/span><\/i><em><span style=\"font-weight: 400;\">\u201cWo begegnet dir Bildungssprache im Alltag?\u201d<\/span><\/em><span style=\"font-weight: 400;\">&#8230;).\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8864 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprachsensibler-Unterricht-mit-Vokabellisten-1.jpg\" alt=\"Sprachsensibler Unterricht mit Vokabellisten \" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprachsensibler-Unterricht-mit-Vokabellisten-1.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprachsensibler-Unterricht-mit-Vokabellisten-1-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine konsequente F\u00f6rderung der sprachlichen Kompetenzen kann beispielsweise mithilfe von <\/span><a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/methodik-und-didaktik\/sprachsensibler-unterricht-was-lehrkraefte-beachten-sollten\/\"><strong><span style=\"color: #fc7c00;\">sprachsensiblem Unterricht<\/span><\/strong><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> gelingen, der eine durchg\u00e4ngige Sprachf\u00f6rderung in allen F\u00e4chern zum Ziel hat. Lehrkr\u00e4fte k\u00f6nnen sich hierf\u00fcr beispielsweise an den reichhaltigen Informations- und Materialzusammenstellungen auf den Bildungsservern der verschiedenen Bundesl\u00e4nder oder der Online-Plattform von Josef Leisen Anregungen holen.[8] Eine Art <\/span><strong>Vokabelliste mit fach- und bildungssprachlichen Ausdr\u00fccken<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> sollte ebenfalls zu einem sprachsensiblen Fachunterricht dazugeh\u00f6ren. Denn bildungssprachliche Kompositionen wie zum Beispiel \u201cTangente anlegen\u201d k\u00f6nnen nicht als assoziativ erlernbar gewertet werden, sondern m\u00fcssen als Lernw\u00f6rter auswendig gelernt werden, damit den Lernenden im Matheunterricht nicht \u201cTangente machen\u201d herausrutscht.<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"font-weight: 400;\">3) Sprachsensible Elternarbeit<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um am Ursprung der sprachlichen Sozialisation &#8211; dem prim\u00e4ren bzw. famili\u00e4ren Habitus &#8211; anzusetzen, sollten Schulen und Lehrkr\u00e4fte intensive Elternarbeit betreiben. Speziell Elternteile, die Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache erlernen oder aus sozio\u00f6konomisch benachteiligten Milieus kommen, sollten \u00fcber sprachf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen und Initiativen informiert werden sowie aktiv dazu eingeladen werden, solche Angebote wahrzunehmen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8865 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprachsensible-Elternarbeit.jpg\" alt=\"Sprachsensible Elternarbeit\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprachsensible-Elternarbeit.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Sprachsensible-Elternarbeit-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Familienorientierte Sprachbildungsprogramme (<\/span><strong>\u201c<a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/rubriken\/lerntipps\/sprachfoerderung-in-der-familie-family-literacy\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Family Literacy<\/span><\/a>\u201d<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">) sind bundesweit t\u00e4tig und bieten sowohl Eltern und Kindern der oben genannten Zielgruppen, als auch <\/span><a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/themen\/methodik-und-didaktik\/sprachfoerderung-family-literacy-im-unterricht\/\"><strong><span style=\"color: #fc7c00;\">p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4ften<\/span><\/strong><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> ein vielf\u00e4ltiges Unterst\u00fctzungsangebot zur F\u00f6rderung sprachlicher Kompetenzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch Lehrkr\u00e4fte k\u00f6nnen sich aktiv f\u00fcr einen sprachsensiblen Umgang miteinander einsetzen, indem beispielsweise Informationszettel und wichtige Mitteilungen an die Eltern der Lernenden in der jeweiligen Muttersprache \u00fcbersetzt werden oder eine komplexit\u00e4tsreduzierte Sprache verwendet wird. So k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte zeigen, dass sie einer beiderseitigen Kooperation und Verst\u00e4ndigung wohlwollend gegen\u00fcberstehen und eine tiefere Vertrauensbasis zu den Eltern aufbauen.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Kurz gesagt:<\/span><\/h2>\n<p><strong>Sprache stiftet Identit\u00e4t.<\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">Diese Aussage geh\u00f6rt, stark vereinfacht, zu den Kernthesen der Habitus-Theorie Pierre Bourdieus. Sprachliche Identit\u00e4t, welche sich nicht nur im explizit-verbalen, sondern auch im impliziten Ausdruck in Mimik, Gestik und K\u00f6rperhaltung niederschl\u00e4gt, steht in starker Abh\u00e4ngigkeit zum Zugang zu sprachlichen M\u00e4rkten und somit zur Sozialisation eines Individuums. Die daraus resultierende, sprachlich heterogene Ausgangslage, mit welcher Heranwachsende ihre Bildungsbiografie beginnen, wird vom (deutschen) Bildungssystem h\u00e4ufig nur unzureichend kompensiert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Da Bildungssprache und die darin enthaltenen fachsprachlichen Ausdr\u00fccke sowie Kompositionen zwar fl\u00e4chendeckend zur Wissensvermittlung im Unterricht verwendet wird, jedoch selten das Fachvokabluar als solches im Vordergrund didaktischer \u00dcberlegungen steht, werden sukzessive jene Individuen diskriminiert, die aufgrund ihres sozio\u00f6konomischen Hintergrunds nicht die Chance auf einen Zugang zu bildungssprachlichen M\u00e4rkten haben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"-\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8869 size-full\" src=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Lernende-haben-unterschiedliche-Voraussetzungen.jpg\" alt=\"Lernende haben unterschiedliche Voraussetzungen\" width=\"485\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Lernende-haben-unterschiedliche-Voraussetzungen.jpg 485w, https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Lernende-haben-unterschiedliche-Voraussetzungen-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/p>\n<p><strong>Bildungssprachliche Elemente sollten explizit im Unterricht thematisiert und besprochen werden.<\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> Bildungssprache sollte dabei \u00e4hnlich wie eine zu erlernende Fremdsprache behandelt werden, bei der bestimmte Vokabeln und grammatikalische Strukturen gelernt werden m\u00fcssen, um die Sprache angemessen zu sprechen und zu verstehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine durchg\u00e4ngige Sprachf\u00f6rderung scheint folglich der Grundbaustein aller L\u00f6sungsideen dieses Dilemmas zu sein. Sprachsensibler Unterricht wird mittlerweile in der Fachdidaktik aller Unterrichtsf\u00e4cher gefordert. <\/span><strong>Um dem Wunsch der Chancengleichheit f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern n\u00e4her zu kommen, muss Bildungssprache allen Lernenden in allen Unterrichtsf\u00e4chern gleicherma\u00dfen zug\u00e4nglich gemacht werden.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00c4hnlich wie beim Erlernen einer Fremdsprache ist eine bewusste Variation sprachlicher Hilfestellungen bei Arbeitsauftr\u00e4gen in der Unterrichtspraxis daf\u00fcr sinnvoll und kann gegebenenfalls durch schulexterne, familienorientierte Literacy-Angebote erg\u00e4nzt werden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Quellen:<\/span><\/h2>\n<p><b>[1] Dietrich, Cornelie<span style=\"font-weight: 400;\"> (2014): Sprache. In: Wulf, Christoph; Zirfas, J\u00f6rg (Hrsg.): Handbuch P\u00e4dagogische Anthropologie. Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 475-484.<\/span><\/b><\/p>\n<p><b>[2] Bourdieu, Pierre<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> (2005): Was hei\u00dft Sprechen? Zur \u00d6konomie des sprachlichen Tausches. Mit einer Einf\u00fchrung von John B. Thompson, 2., erweiterte und \u00fcberarbeitete Auflage, Wilhelm Braunm\u00fcller Universit\u00e4t-Verlagsbuchhandlung Ges.m.b.H. Wien, S. 1-97.<\/span><\/p>\n<p><b>[3] Kramer, Rolf-Torsten <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">(2014): Kulturelle Passung und Sch\u00fclerhabitus &#8211; Zur Bedeutung der Schule f\u00fcr Transformationsprozesse des Habitus. In: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Helsper, Werner; Kramer, Rolf-Torsten; Thiersch, Sven (Hrsg.): Sch\u00fclerhabitus. Theoretische und empirische Analysen zum Bourdieuschen Theorem der kulturellen Passung. Springer VS Wiesbaden, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">S. 183-202.<\/span><\/p>\n<p><b>[4] Henkelmann, Yvonne<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> (2012): Migration, Sprache und kulturelles Kapital. VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH.<\/span><\/p>\n<p><b>[5] Droste, Heiko <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">(2001): Habitus und Sprache: Kritische Anmerkungen zu Pierre Bourdieu. In: Zeitschrift f\u00fcr historische Forschung, Vol. 28, Nr. 1, Duncker und Humblot Verlag Berlin, S. 95-120.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>[6] Habermas, J\u00fcrgen <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">(1977): Umgangssprache, Wissenschaftssprache, Bildungssprache. In: Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Wissenschaften M\u00fcnchen, S. 36-51.<\/span><\/p>\n<p><b>[7] Hannover, Bettina; McElvany, Nele; Ohle, Annika; Sander, Andres; Zander, Lysann<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> (2018): Stereotypenbedrohung als Ursache f\u00fcr geringeren Wortschatzzuwachs bei Grundschulkindern mit Migrationshintergrund. In: <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Zeitschrift f\u00fcr Erziehungswissenschaf<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> No. 21, Heft<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"> 1<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">, S. 177\u2013197.<\/span><\/p>\n<p><b>[<a href=\"http:\/\/www.sprachsensiblerfachunterricht.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">8<\/a>] Leisen, Josef<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">: Sprachsensibler Fachunterricht.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/><\/span><\/p>\n[\/et_pb_text][et_pb_testimonial portrait_url=&#8220;https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Carla-Edited.jpg&#8220; portrait_width=&#8220;110px&#8220; portrait_height=&#8220;110px&#8220; use_icon_font_size=&#8220;on&#8220; icon_font_size=&#8220;39px&#8220; admin_label=&#8220;Autorin Carla&#8220; _builder_version=&#8220;4.4.7&#8243; body_text_align=&#8220;left&#8220; custom_margin=&#8220;40px||40px||false|false&#8220; custom_padding=&#8220;55px|55px|55px|55px|false|false&#8220; border_radii_portrait=&#8220;on|86px|86px|86px|86px&#8220; portrait_border_radius=&#8220;86px&#8220; global_module=&#8220;8039&#8243;]\n<p><strong><span style=\"color: #fc7c00;\">Autorin: Carla<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Lehramtsanw\u00e4rterin arbeite ich an einer Berliner Grundschule und verfasse seit 2018 regelm\u00e4\u00dfig Artikel f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/fuer-lehrkraefte\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">Magazin f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte<\/span><\/a> sowie das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.phase-6.de\/magazin\/\"><span style=\"color: #fc7c00;\">phase6 Magazin<\/span><\/a>. Dort widme ich mich mit besonderer Vorliebe spannenden Themen der p\u00e4dagogischen Psychologie in Theorie und Praxis. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">In meinen aktuellen Erfahrungsberichten zum Referendariat erz\u00e4hle ich in von den H\u00f6hen und Tiefen des schulischen Alltags als angehende Lehrkraft und teile hilfreiche Ratschl\u00e4ge und Tipps von erfahrenen Fachkr\u00e4ften und Seminarleitenden.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n[\/et_pb_testimonial][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schulische Verwendung von Bildungssprache kann daf\u00fcr sorgen, dass sozio\u00f6konomische Ungleichheiten gefestigt und reproduziert werden. Warum ist das so? Und was k\u00f6nnen Sie als Lehrkraft dagegen tun? 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