Die 6. Stunde des Schultages ist erreicht und 5 anstrengende Schulstunden liegen bereits hinter Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern. Ein paar Kinder sitzen mit roten Backen und müden Augen an ihrem Tisch und schauen sehnsüchtig aus dem Fenster, während sich Ramon und Michelle lauthals wegen einer Spielfigur streiten, Mohammed sich beherzt das eigene Gesicht mit Filzstiften anmalt und die Mädchenclique versucht, ihr Lieblingslied auf den Tischen nachzutrommeln… In diesem Moment scheint keine Konzentration möglich zu sein.

Als Lehrkraft sind Sie sicherlich mit ähnlichen Szenen aus dem Schulalltag vertraut. Das emotional-soziale Spektrum in einer Klasse von 25 oder mehr Kindern reicht teilweise von völliger Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit bis hin zu hyperaktivem oder destruktivem Verhalten. Hier braucht es manchmal einen völligen Neustart der Systeme: Kurze Pause, Abwechslung für Körper und Geist und dann wieder zurück an die Arbeit. Die Konzentrationsfähigkeit will wieder hergestellt werden, sodass sich alle besser konzentrieren und Lernprozesse fruchtbarer gestaltet werden können.

​Kann man Konzentration lernen?

Per Definition ist Konzentration zunächst nichts weiter als die Dauer und Stärke der Aufmerksamkeit. Letztere wiederum lässt sich grob als Zuweisung von Bewusstseinsressourcen auf Reize in unserer Umwelt beschreiben, die unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten beeinflussen.[1] Möchten wir unsere Konzentrationsfähigkeit fördern, müssen wir also zunächst lernen, die Wahrnehmung der Reize in unserer Umwelt zu minimieren oder ganz auszublenden, um eine konsequente Fokussierung zu ermöglichen. Dafür sollte – zumindest für kurze Zeit – ein entspanntes Feld entstehen können, ein geschützter Raum, der es erlaubt, die innere Unruhe und äußere Hektik zu vergessen und zu entschleunigen. Erst, wenn diese äußeren Einflüsse verringert werden, kann sich die Konzentration steigern.

Lernende betrachten fasziniert ihr Lernprojekt

Ein großer Traum engagierter Pädagogen ist es, den einzelnen Schülerinnen und Schülern ein “Flow-Erleben” zu ermöglichen. Das ist der magische, rauschartige Zustand, in dem zum Beispiel Hobbybastler kleine Paralleluniversen entwerfen und bei der Arbeit am Projekt sowohl die Zeit als auch die irdische Welt um sich herum vergessen. Das Anforderungsniveau der jeweiligen Aufgabe passt in einer Flow-Situation immer optimal zu den Fähigkeiten und Kompetenzen des Lernenden. So kann ein fließender Handlungsablauf entstehen, der den Akteur ohne bewusste Anstrengung und mit reduziertem Zeitgefühl konzentriert arbeiten lässt.

Ausnahmslos allen Lernenden die optimale Passung zwischen Anforderung und individuellen Kompetenzen bieten zu können, ist in der Unterrichtspraxis allerdings eher realitätsfern, wie Sie sicher bestätigen können. Sie als Lehrkraft können nur Lernangebote schaffen und immer wieder aufs Neue situationales Interesse bei den Kindern wecken, welches sich bestenfalls zu nachhaltigem Interesse entwickelt. Und Sie können durch kontinuierliches Monitoring versuchen, Störfaktoren und Tendenzen innerhalb des Klassenklimas zu erkennen und diese vorzubeugen oder zu mildern. Langfristig tragen Sie mit diesem präventiven Verhalten dazu bei, Konzentrationsschwäche bei Kindern zu reduzieren.

Aufmerksamkeitsspanne im Kindesalter

Das Kind kann sich nicht konzentrieren? Je nach Situation kann das ganz natürliche Gründe haben, denn außerhalb des Flow-Erlebens hat jeder Mensch nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne, also einen limitierten Zeitraum, in dem wir konzentriert lernen und an einer Aufgabe arbeiten können, sodass die Ressourcen des Arbeitsgedächtnisses optimal genutzt werden. Für die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Heranwachsenden gibt es eine grobe Faustregel: das Lebensalter mal zwei. So liegt die Aufmerksamkeitsspanne eines dreijährigen Kindes bei etwa 6 Minuten, die eines sechsjährigen Kindes bei etwa 12 Minuten und die von Kindern im Alter von 10 Jahren bei etwa 20 Minuten am Stück. 

Auch diese Rechnung hat ihre Grenzen: 30 Minuten gelten auch für Erwachsene als ungefähres Maximum der Konzentrationsfähigkeit, bevor das Gehirn eine kurze Verschnaufpause braucht. Wenn die allgemeine Unruhe im Klassenzimmer zunimmt und Sie das Gefühl haben, die gesamte Lerngruppe könne eine Pause gebrauchen, probieren Sie es doch einmal damit: Konzentrationsspiele. Kinder reagieren darauf zumeist sehr empfänglich & für Sie als Lehrkraft sind sie eine willkommene Gelegenheit, Ihre Schülerinnen und Schüler in einem kollektiven Prozess zu sammeln.

Konzentrationsspiele für Kinder – positive Effekte

Kleine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspiele können manchmal wahre Wunder bewirken. Ihr Gelingen ist allerdings – wie alle didaktischen Methoden – von unzähligen Faktoren abhängig, die teilweise nicht unter Ihrer Kontrolle als pädagogische Fachkraft stehen. Um die Wirksamkeit solcher Übungen zu steigern, sollten sie ritualisiert mit der Klasse durchgeführt werden, sodass die Schülerinnen und Schüler regelmäßige Erfahrungen mit den ausgewählten Konzentrationsübungen sammeln und zunehmend eine Erwartungssicherheit entwickeln können. Gelingt dies, können die Übungen:

Illustration: Kopf mit Zielscheibe

  • Die Wahrnehmung eigener Gedanken und Gefühle fördern. Das wiederum hilft bei der Verbalisierung des eigenen Empfindens, welche eine Basis für soziale Interaktionen und Konfliktlösungen sind.
  • Die Aufmerksamkeits- und Impulskontrolle stärken. Die mentale Fokussierung der eigenen Vorstellungen und (emotionalen) Reaktionen schult die Selbstwahrnehmung im Hinblick auf selbstregulative Mechanismen. Jene Mechanismen können besonders in Konfliktsituationen helfen, negative Gefühle frühzeitig zu erkennen, zu benennen und vorbeugend zu agieren.
  • Die Denk- bzw Lernleistung steigern. Im Alltag nehmen wir unendlich viele Reize aus unserer Umwelt auf. Durch die bewusste Fixierung auf einen Reiz innerhalb der Konzentrationsübungen, werden andere, störende oder ablenkende Reize eliminiert. Das gibt unserem Arbeitsgedächtnis die Chance, seine Kapazitäten voll auszuschöpfen, somit Denkprozesse zu beschleunigen und die Einbettung neuer Informationen in das Langzeitgedächtnis zu erleichtern.[2]

Gehirnjogging für Kinder in Form von Konzentrationsspielen kann also einen wichtigen Beitrag zur Lernmotivation und Leistungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern leisten und potentielle Konzentrationsstörungen auf Dauer reduzieren. Aber nun konkret: Wie können Sie als Lehrkraft die Konzentration bei Kindern fördern?

Praktische Konzentrationsübungen für Kinder

Die zusammengestellten Methoden und Anregungen zur Linderung einer potentiellen Aufmerksamkeitsstörung bei Kindern (und der daraus resultierenden Steigerung der Konzentrationsfähigkeit) verfolgen unterschiedliche Ziele und sind demnach für verschiedenste Zwecke einsetzbar. Zum Beispiel, um aufgedrehte Kinder wieder zur Ruhe kommen zu lassen, um antriebslose Kinder wieder aufzuwecken, oder um grundlegende kognitive oder motorische Fähigkeiten zu fördern und die Fokussierung zu trainieren. 


 

Entspannung und Imagination

Mucksmäuschenstill

“Schließe die Augen und versuche, eine Minute lang nicht zu reden und dich so wenig wie möglich zu bewegen.” – Eine recht simpel anmutende Aufgabe, die jedoch für Kinder (besonders im Grundschulalter) eine echte Herausforderung darstellen kann. Um die Minute nicht zu einer unerträglichen Geduldsprobe zu machen und das Risiko der gegenseitigen Ablenkung einzudämmen, können Sie Ihrer Lerngruppe empfehlen, während dieser Minute ganz bewusst auf ihre Atmung zu achten oder ihren eigenen Herzschlag zu spüren (und gegebenenfalls leise mitzuzählen).

Kinder meditieren im Klassenzimmer

Fantasiereisen

Eine beliebte Methode, um Körper und Geist zur Ruhe kommen zu lassen, sind sogenannte Fantasie-, Traum-, oder Entspannungsreisen. Die Schülerinnen und Schüler schließen ihre Augen, nehmen eine bequeme Sitz- oder Liegeposition ein und konzentrieren sich ganz auf das, was die auditive “Reiseleitung” erzählt. Sie können diese imaginären Reisen entweder von einer CD oder dem Computer abspielen (im Sinne einer geführten Meditation), oder Sie lesen selbst recherchierte Fantasiereisen-Texte vor. Wichtig ist hierbei, dass Sie während der gesamten Traumreise mit sanfter, gesenkter Stimme und in einem ruhigen Sprachrhythmus sprechen. Machen Sie längere Pausen zwischen den einzelnen Sätzen, um den Kindern Zeit zu lassen, sich die beschriebenen Bilder vor dem inneren Auge vorzustellen und sich in der imaginären Welt umzuschauen.

Stell’ dir vor…

Ähnlich wie bei Entspannungsreisen arbeiten Sie bei dieser Methode mit der Vorstellungskraft der Kinder. Diese wird hier lediglich zielgerichteter eingesetzt, sodass sich die Kinder innerhalb der mentalen Welt auf spezifische Handlungen konzentrieren. Mögliche Imaginationen sind beispielsweise: “Stelle dir eine blaue Kiste mit Deckel vor. Klappe den Deckel langsam auf. Nun stelle dir einen Apfel vor – seine Farbe, die Beschaffenheit seiner Schale, den Geruch… Lege ihn vorsichtig in die blaue Kiste und schließe den Deckel wieder.”. Oder Sie lassen in den Köpfen der Kinder geometrische Figuren entstehen, die sie mit ihrem inneren Auge von allen Seiten begutachten, drehen oder ineinanderstecken können. So wird neben dem räumlichen Vorstellungsvermögen und der Kreativität auch die Fähigkeit zur intentionalen Fokussierung gefördert.

Mandalas

Mandalas ausmalenFalls nur vereinzelte Kinder eine Entspannungspause benötigen, bieten Mandalas eine praktische Zwischenlösung. Hieran kann jedes Kind selbstständig, im eigenen Tempo und mit seinen eigenen Materialien arbeiten. Das Wort Mandala ist Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie “Kreis” oder “Kreisbild” und beschreibt somit auch den typischen Aufbau eines Mandalas.[3] Jedes Mandala besitzt ein Zentrum im Mittelpunkt des Kreises, von welchem mehrere symmetrische Kreismuster ausgehen. Das sorgfältige und bewusste Ausmalen der konzentrischen Ornamente wirkt entschleunigend auf Körper und Geist. Die Kinder haben die Chance, durch die sinnliche Auseinandersetzung mit der farblichen und kompositionellen Gestaltung ihres Mandalas in eine andere Welt einzutauchen. Ist die Unruhe in Ihrer Klasse mal wieder nicht zu bändigen, können sich beispielsweise einzelne Kinder oder die gesamte Lerngruppe ein Mandala aussuchen und etwa 5 Minuten daran (weiter-)malen.

Hör’ mal hin!

Zuhören ist eine wichtige Kompetenz, die von Schülerinnen und Schülern in allen Unterrichtsfächern und Bereichen des schulischen Lebens erwartet und mit ihnen – speziell in der Schulanfangsphase – trainiert wird. Auch genaues Hinhören ist eine wichtige personale bzw. soziale Kompetenz, die bewusst gefördert werden und die Konzentrationsfähigkeit steigern kann. Hierfür eignen sich besonders klassische Musikstücke. Bringen Sie zur nächsten Unterrichtsstunde ein ausgewähltes Stück mit und fordern Sie Ihre Lerngruppe zum Beispiel auf, während des Zu- bzw. Hinhörens alle Instrumente zu notieren, die sie wahrnehmen können. Oder lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler mental in die erzählte Geschichte hinter den Melodien eintauchen und kreativ werden. Die Eingangsfrage hierfür könnte lauten: “Welche Geschichte wird in dem Musikstück erzählt?” – für jedes Kind können eigene, innere Bilder entstehen, die vom Fluss der Musik erzählt werden. Im Anschluss an das bewusste Hören kann ein kurzer Austausch über das Erlebte bzw. Vorgestellte stattfinden.

 


Kognition und Gedächtnis

Mentale Erkundungstour

In diesem Spiel geht es darum, die reale (Um-)Welt bewusster wahrzunehmen. Dafür müssen die Lernenden paradoxerweise zunächst ihre Augen schließen. Sie als Lehrkraft können nun Fragen zu realen Gegebenheiten im Raum stellen, wie zum Beispiel “Welche Farbe hat das T-Shirt von Schüler X?”, “Wie viele Schubladen hat die Kommode hier im Raum?” oder “Wie viele Fenster hat unser Klassenraum?”. Da es hier nicht darum geht, eine korrekte Antwort von den Kindern zu erhalten, können die Fragen ganz still im Kopf beantwortet werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen dazu angeregt werden, sich bewusst mit ihrer eigenen Wahrnehmung der Realität auseinanderzusetzen. Das sorgt zum einen dafür, dass sich die Lernenden interessiert und konzentriert mit den Fragen auseinandersetzen und kann zum anderen zu mehr Achtsamkeit im Schulalltag beitragen.

Koffer packen

Junger vor gepacktem Koffer

Dieses Spiel ist ein echter Klassiker. Sollten Ihre Schülerinnen und Schüler allerdings noch nicht damit vertraut sein, bietet es sich wunderbar für eine kollektive Gedächtnisübung an. Die erste Person sagt: “Ich packe meinen Koffer…” und verrät im Anschluss, welchen Gegenstand sie gerne mitnehmen möchte. Die nächste Person wiederholt den ersten Satz inklusive aller ausgewählten Gegenstände der Personen, die vorher an der Reihe waren (z.B: “Ich packe meinen Koffer und nehme mit: ein Buch, ein Handtuch, einen Regenschirm, …”) in der korrekten Reihenfolge ihrer Nennung. Die Schülerinnen und Schüler müssen also stets aufmerksam zuhören und sich merken, welches Kind welchen Gegenstand ausgewählt hat, damit sie die Gegenstände in der richtigen Reihenfolge wiedergeben können, sobald sie selbst an der Reihe sind. Es entsteht somit eine positive Abhängigkeit zwischen den Lernenden und die Aufmerksamkeit wird gesteigert. Ein weiteres Plus: Das Spiel ist wandelbar und kann in verschiedensten Varianten durchgeführt werden. Gestalten Sie den Prozess anspruchsvoller, indem die ausgewählten Gegenstände beispielsweise dem Alphabet folgen müssen (z.B: “Ich packe meinen Koffer und nehme mit: einen Apfel, eine Badehose, das Chemiebuch, …”), oder legen Sie vorher fest, dass nur bestimmte bzw. unbestimmte Artikel (“der”, “die”, “das” bzw. “ein”, “eine”, “einen”) verwendet werden dürfen oder nur Gegenstände einer bestimmten Farbe oder Form eingepackt werden dürfen. So wird auch den anderen Kindern, die bereits an der Reihe waren, nicht langweilig und jeder kann eigene Ideen entwickeln und beisteuern.

ABC-Spiele

Spiele rund um das Alphabet sind nicht nur für die ganz Kleinen geeignet, sondern bieten durchaus auch für geübte Lernende eine Herausforderung. Besonders, wenn es in den Spielen um Schnelligkeit geht, wecken Sie die Leistungsmotivation und sichern sich die Aufmerksamkeit Ihrer Lerngruppe. Starten Sie beispielsweise beim nächsten Lautstärkegipfel im Klassenzimmer eine Blitzrunde im ABC-Rückwärts-Aufsagen. Ein Kind beginnt mit dem Z, das nächste mit dem Y und so weiter, immer reihum. Sollten Sie mehr als 26 Kinder in Ihrer Klasse betreuen, können Umlaute hinzugefügt oder von Neuem begonnen werden. Oder lassen Sie die Lerngruppe benachbarte Buchstaben finden, indem Sie einen bestimmten Buchstaben vorgeben (z.B.: “R”) und jedes Kind so schnell wie möglich den Vorgänger (“Q”) und den Nachfolger (“S”) finden und laut aussprechen muss. Auch das altbekannte “Stadt-Land-Fluss”-Spiel lässt sich der Kategorie der ABC-Spiele zuordnen. Die Kategorien können an die jeweilige Lerngruppe angepasst oder selbst erdacht werden, sodass sich alle am Spielprozess beteiligen können. Um das Spiel auch für Kinder interessant zu gestalten, die nicht so schnell schreiben können wie ihre Mitschülerinnen und -schüler, können Sonderregelungen festgelegt werden (z.B., dass diese Kinder weniger Kategorien ausfüllen müssen oder mehr Zeit pro Runde bekommen).

Zahlenspiele
Schüler_innen klatschen in die HändeÄhnlich wie bei den ABC-Spielen geht es hier um die Aufmerksamkeit und schnelle Reaktionsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Im Sitzkreis können beispielsweise reihum Zählspiele gespielt werden. Diese können wie folgt aufgebaut werden: Jede Zahl, in der eine 4 (oder eine andere Ziffer) enthalten ist, wird mit einem Händeklatschen oder Geräusch ersetzt (z.B:, 1, 2, 3, *Klatsch*, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, *Klatsch*, etc.). Zusätzlich zu jeder Zahl, die eine 4 im Namen enthält kann bei jeder Zahl geklatscht werden, die durch 4 teilbar ist (z.B: 1, 2, 3, *Klatsch*, 5, 6, 7, *Klatsch*, 9, 10, 11, *Klatsch*, 13, *Klatsch*, etc.). Probieren Sie es mit Ihrer Klasse aus und beobachten Sie, bis zu welcher Zahl Ihre Lerngruppe reibungslos durchzählen kann. Wird dieses Spiel über einen längeren Zeitraum regelmäßig wiederholt, kann die Lerngruppe ihre selbst aufgestellten Rekorde immer wieder brechen, was dafür sorgt, dass das Kompetenzerleben der Schülerinnen und Schüler gefördert und das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit befriedigt wird.

Das mit Vorliebe in Grundschulen durchgeführte Eckenrechnen eignet sich ebenfalls, um Schwung in eine ermüdete Klassengemeinschaft zu bringen. Hierzu stellt sich jeweils ein Kind in eine Ecke des Klassenraums (es kann auch in Teams gespielt werden), während Sie als Lehrkraft eine Rechenaufgabe laut ansagen. Das Kind, das zuerst das richtige Ergebnis nennt, darf eine Ecke im Uhrzeigersinn weiterrücken und die nächste Ecke für sich einnehmen. Für das Kind, das ausgeschieden ist, weil dessen Ecke besetzt wurde, wird ein anderes Kind aus der Klasse ausgewählt, sodass alle Ecken des Raums wieder besetzt sind und die nächste Aufgabe folgen kann. Das Kind oder das Team, das sich zuerst durch alle Ecken gerechnet hat, wird zum Rechenkönig gekürt. Weil die Rechenaufgaben in ihrem Schwierigkeitsniveau flexibel an Ihre individuelle Lerngruppe anpassbar sind, kann Eckenrechnen in nahezu jeder Klassenstufe gespielt werden.

Sudokus

Mittlerweile kennt fast jeder den Namen der in Japan bekannt gewordenen Zahlenrätsel. In ein Raster aus 9 Quadraten mit jeweils 9 Kästchen werden die Ziffern von 1 bis 9 eingetragen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass sowohl jede Zeile und Spalte als auch jedes der Quadrate alle Ziffern von 1 bis 9 enthält, wobei sich innerhalb einer Zeile, Spalte oder eines Quadrats keine Ziffer doppeln darf. Sudokus erfreuen sich großer Beliebtheit und sind auch im Unterricht praktikabel einsetzbar, da sie in ihrem Schwierigkeitsgrad differenzierbar sind und sich die Schülerinnen und Schüler im Anschluss gegenseitig kontrollieren können. Nebenbei werden mathematische Argumentationskompetenzen und Problemlösestrategien erprobt.[4]


Koordination und Motorik

Alle im Folgenden aufgeführten Übungen zur Förderung der körperlichen Koordinationsfähigkeit und Motorik haben eines gemeinsam: Sobald die Konzentration der Kinder und die Fokussierung auf die genauen Bewegungsabläufe der Übung schwindet, fällt das rhythmische Bewegungsgefüge in sich zusammen. Und genau dort liegt die Motivation und der Zugewinn für Schülerinnen und Schüler, die die Koordinationsübung durchführen. Sie erfahren, dass es ein Mindestmaß an zielgerichteter Aufmerksamkeit und Ruhe braucht, um bestimmte Übungen korrekt ausführen zu können. Jene Schlussfolgerung lohnt es sich weiterhin, gemeinsam mit der Lerngruppe in einem anschließenden Gespräch zu kommunizieren, um weitere Bereiche zu thematisieren, in welchem Ruhe und Konzentration maßgeblich für das Gelingen einer Tätigkeit sind (z.B. bei der Bearbeitung bestimmter Aufgaben im Unterricht, Stichwort: Flüchtigkeitsfehler).

Finger tippen

Motorikübung für die Finger

Mit unseren Fingern lassen sich mit minimalen Bewegungen allerhand Koordinationsübungen durchführen. Um die Aufmerksamkeit Ihrer Schülerinnen und Schüler zu fokussieren, können Sie beispielsweise einen Zahlencode an die Tafel schreiben, der die Ziffern von 1 bis 5 beinhaltet (z.B.: 1 3 3 5 4 2 4 3 1 2 4 4 2). Sie erklären der Lerngruppe, dass jedem Finger der Hand eine Ziffer zugeteilt wird: Der Daumen erhält die Nummer 1, der Zeigefinger die Nummer 2 und so weiter. Die Lernenden sind nun aufgefordert, diesen Zahlencode mit den Fingern ihrer rechten oder linken Hand auf dem Tisch nachzutippen. Sollten Sie merken, dass einige Schülerinnen und Schüler unterfordert sind, können Sie den Zahlencode auf 10 Zahlen erweitern, sodass alle 10 Finger für das Nachtippen des Codes verwendet werden müssen. Eine bekannte Fingertipp-Übung ist weiterhin das Spiel, bei dem alle Finger einer Hand den Daumen abwechselnd berühren müssen. Zunächst tippen also Daumen und Zeigefinger aufeinander, daraufhin Mittelfinger und Daumen, gefolgt von Ringfinger und dem kleinen Finger, die den Daumen berühren. Ziel ist es, die Übung sowohl akkurat, also mit Einhaltung der bestimmten Reihenfolge, als auch schnell auszuführen. Das erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und stärkt nebenbei die motorischen Fähigkeiten der Heranwachsenden.

Linke Hand, rechte Hand

Halten Sie Ihre rechte Hand über Ihren Kopf und bewegen Sie diese rauf und runter, sodass Ihre Handinnenfläche rhythmisch auf Ihren Kopf tippt. Nehmen Sie nun Ihre linke Hand und lassen diese im Uhrzeigersinn auf Ihrem Bauch kreisen. Vergessen Sie dabei nicht, mit Ihrer rechten Hand weiterhin zu tippen und versuchen Sie, die beiden unterschiedlichen Bewegungen der linken und rechten Hand in einen rhythmischen, automatisierten Einklang zu bringen. Diese Übung haben Sie vielleicht schon öfter gemacht und wissen, dass es auch nach einigen erfolgreichen Versuchen eine Herausforderung bleibt, die Gliedmaßen unabhängig voneinander zu steuern. Ihre Schülerinnen und Schüler werden also auch nach wiederholtem Einsatz dieser kleinen Übung nicht unterfordert sein. Falls das doch der Fall sein sollte, können die zugeteilten Bewegungen für linke und rechte Hand variiert werden, das Tempo erhöht oder eine weitere Übung (z.B. währenddessen im Kreis drehen) hinzugefügt werden.

Wasserglas-Spiel

In der Ruhe liegt die Kraft. Dieses Mantra verfolgt auch das Wasserglas-Spiel. Hierzu wird für jedes Kind ein durchsichtiger Behälter (Becher, Glas, Flasche) benötigt, der mit etwas Wasser befüllt wird. Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es nun, das Wasserbehältnis eine Minute (oder länger) mit ausgestrecktem Arm vor den eigenen Körper zu halten, ohne dass sich der Wasserspiegel in Bewegung setzt. Keine leichte Aufgabe! Bei dieser kurzen Übung können Sie förmlich beobachten, wie sich die Aufmerksamkeit der Lernenden zusammenballt und sich durch konzentriertem Blick auf die Wasseroberfläche richtet.

Balanceübungen
Junge balanciert auf SchwebebalkenBesonders für sehr aktive Gemüter bieten Balanceübungen eine gute Möglichkeit, den Fokus in Gänze auf eine einzige Aufgabe zu richten. Auf einem Bein stehen ist zu einfach? Dann geben Sie Ihrer Lerngruppe die Instruktion, eine “Fahne” zu machen. Das ist eine Übung aus dem Voltigieren und wird demnach eigentlich auf dem Rücken von laufenden Pferden durchgeführt. Allerdings ist es auch ohne beweglichen Untergrund nicht einfach, die “Fahne” längere Zeit zu halten. Die Schülerinnen und Schüler stellen sich dazu auf das rechte Bein, gehen etwas in die Knie und kippen ihren Oberkörper langsam nach vorne, während das linke Bein nach hinten ausgestreckt wird. Die Übung wird korrekt ausgeführt, wenn der Rücken und das linke Bein eine waagerechte Linie zum Boden bilden. Die Arme können dabei zu beiden Seiten oder nach vorne ausgestreckt werden, um die Balance leichter halten zu können. Oder lassen Sie die Kinder versuchen, ein dickes Buch auf dem Kopf zu balancieren, ohne dass es herunterfällt. Wer bereits geübt darin ist, kann probieren, mit dem Buch auf dem Kopf ein paar Schritte zu laufen oder Kniebeuge zu machen.


Bedingungen und Schwierigkeiten

Sollte der Lautstärkepegel im Klassenzimmer durch ermahnende Worte nicht zu bändigen sein, lohnt es sich, ein paar der genannten Methoden und Spiele mit Ihrer Lerngruppe auszuprobieren und gegebenenfalls fest in den Unterricht zu etablieren. Empfehlungen zur Häufigkeit oder zur konkreten Umsetzung können hier nicht gegeben werden, da die Durchführung und das Gelingen der einzelnen Übungen stets von der individuellen Lerngruppe abhängig ist und Sie Ihre Lernenden am Besten kennen und einschätzen können.

Besondere Nachteile oder Risiken ergeben sich aus der Einführung dieser Konzentrationsübungen für Schüler und Schülerinnen oder das Klassenklima nicht. Alles, was den Heranwachsenden abwechslungsreiches Futter fürs Gehirn bietet, ist prinzipiell positiv zu werten. Allerdings ist es denkbar, dass die Heranwachsenden eine solche Freude an den vom Unterrichtsstoff losgelösten Übungen und Spielen haben, dass sie den Einsatz dieser herausfordern, da sie die Spiele als Belohnung wahrnehmen. Wenn jene Spiele also lediglich zum Einsatz kommen, sobald das Klassenklima ein unerwünschtes Niveau erreicht hat, lernen die Schülerinnen und Schüler schnell, ein solch unerwünschtes Niveau herzustellen, um ihre “Belohnung” zu erhalten.

Diese ungünstige Konditionierung wollen Sie selbstverständlich vermeiden. Daher ist es empfehlenswert, derlei Methoden regelmäßig, ritualisiert und losgelöst von bestimmten Problemsituationen in den Unterricht einzubeziehen, sodass vor allem eine vorbeugende Wirkung erreicht werden kann und sich die Lernenden die Methoden zur Entspannung, Koordination und Konzentration langfristig aneignen können. Damit erreichen Sie weiterhin, dass die Schülerinnen und Schüler achtsamer mit ihren eigenen Empfindungen umgehen können, selbstregulative Mechanismen erwerben und diese im besten Fall zukünftig selbstständig anwenden können.

Kann man also Konzentration trainieren? Ja, wenn die Lernenden sich gemeinsam mit Ihnen aktiv auf neue Methoden und Herausforderungen einlassen. Mit den vorgestellten Konzentrationsübungen für Kinder können Heranwachsende spielerisch ihre Konzentration steigern und Konzentrationsprobleme langfristig mindern. Probieren Sie es aus!

 

Quellen:

[1] Prof. Dr. Bettina Hannover (2017/18): Vorlesung zur Lernförderung und -motivation. Freie Universität Berlin, Institut für Erziehungswissenschaften und Psychologie.

[2] Neuronation: Konzentrationsspiele verbessern Fokus.

[3] Entspannung und Meditation: Mandalas. Herkunft.

[4] Fuchs, Mandy (2017): Matheforscher – Forschen mit Sudokus.

 

Autorin: Carla

Als Werkstudentin bei phase6 und eine der Hauptverantwortlichen des Online-Magazins verfasse ich regelmäßig Artikel für das Magazin für Lehrkräfte und das phase6 Magazin. Mit besonderer Vorliebe widme ich mich spannenden Themen der pädagogischen Psychologie in Theorie und Praxis. Zur Zeit arbeite ich als Vertretungslehrkraft an einer Berliner Grundschule und sammle wertvolle Erfahrungen, bevor es im Sommer 2020 in den Vorbereitungsdienst geht. Auf dem Weg dahin möchte ich meine Recherchen, Erlebnisse und Erkenntnisse mit anderen Interessierten teilen.