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Episode 7: Wechselunterricht, Modulprüfung und §15-Gespräche

Episode 6: Distanzunterricht und saLzH – Digitale Lerntools

Episode 5: Freiarbeit – Theorie und Praxis

Episode 4: Zeitmanagement – übe ich noch…

Episode 3: Externe Expertise – Projekte & Vertretungsstunden

Episode 2: Unterrichtsbesuche – Ich werde beobachtet

Episode 1: Schulanfang – Chaos & Verzweiflungslachen

Die Zeit fliegt an mir vorbei. Ich befinde mich im vierten Monat meiner Ausbildung und es fühlt sich momentan so an, als sei mein Raum-Zeit-Gefüge völlig durcheinander. Denn einerseits vergehen die Tage furchtbar schnell und andererseits scheine ich manche Momente in Zeitlupe zu erleben. Mein gesamtes Ich wird von meiner Tätigkeit als angehende Lehrkraft eingenommen und mein Zeitmanagement darf sich eigentlich nicht “Management” schimpfen…

Neben meinen losgelassenen Gedanken zu dem, was ich hier eigentlich den ganzen Tag mache, erzähle ich in diesem Bericht außerdem von zwei sehr unterschiedlich verlaufenen Unterrichtsbesuchen.

Nähere Informationen zum Aufbau des Referendariats an Berliner Grundschulen befinden sich in der Übersicht.

News aus den Unterrichtsbesuchen

In diesem Monat standen wieder zwei UBs für mich an: Sachunterricht in Klasse 1-3 und Mathe in Klasse 4-6. Beide haben mir ein Lächeln ins Gesicht getrieben, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Der Sachunterrichts-UB in meiner kleinen Lerngruppe verlief ziemlich durchwachsen. Er begann schon ungewöhnlich, denn meine Seminarleitung kam 15 Minuten zu spät im Klassenzimmer an, weil sie zuvor im Stau steckte. Auch mal nett, so etwas zu erleben, so menschlich. Das sorgte dafür, dass dieser UB für mich mit einem Schmunzeln und einer entspannteren Haltung begann. Die Einleitung ins Thema (“Gewässer als Lebensraum – Nahrungsketten”) lief gut und ich hatte die Hinführung zur erdachten Gruppenarbeit sorgfältig geplant. Dummerweise entfiel mir meine schöne Planung, während ich dabei war, den Arbeitsauftrag zu erklären und ich kam nicht mal ansatzweise auf die Idee, meinen Verlaufsplan zur Hilfe zu nehmen, der auf dem Tisch für mich bereit lag. Das sorgte dafür, dass ich einige Teile des Arbeitsauftrags einfach vergaß. Als ich die vergessenen Infos ein paar Minuten später in einer Zwischenansage nachreichte, waren alle Kinder schon vertieft im Arbeitsprozess und ich schaffte es nicht, alle wieder zu fokussieren. Das trieb meinen Puls ganz schön in die Höhe. “Verkackt!”, dachte ich. Eine im Gemurmel der Kinder untergehende Lehrkraft ist nun mal irgendwie ein trauriger Anblick, auch wenn man positiv erwähnen muss, dass alle Kinder motiviert an ihrem Lerninhalt arbeiteten.

Die Gruppenarbeiten liefen wegen meiner verkorksten Hinführung teilweise etwas aus dem Ruder, aber es schafften tatsächlich alle durchs Ziel. So weit, so glimpflich verlaufen. Jetzt musste nur noch die Ergebnissicherung hinhauen. Dabei ist es enorm wichtig, dass man als Lehrkraft ganz genau weiß, welche Erkenntnisse am Ende der Stunde bei den Kids sitzen sollten und bestenfalls wie man sie konkret formuliert. Ich hatte mir einen wunderbar kindgerecht formulierten Merksatz überlegt, mit welchem ich die Stunde und das doch etwas komplexe Thema “Ökosystem Gewässer” sowohl abrunden als auch eine Art Cliffhanger für die nächste Stunde bieten wollte. Der Satz ist mir entfallen. Einfach so. Schon wieder. Da stand ich vor der Klasse, kam ins Stocken und mein Herz klopfte plötzlich so stark, dass ich mir sicher war, alle anderen könnten das Beben sehen. Das Ende der Stunde wurde somit von umständlichem Gefasel meinerseits eingeleitet und dann endlich mit einer kurzen – mich entlastenden – Feedbackrunde abgeschlossen. Wie lautete noch gleich der Sinnspruch meiner Seminarleitung? “Beim nächsten Mal klappts besser…” – wollen wir’s hoffen!

unangenehmer Unterrichtsbesuch

Das ist mein Stockphoto-Ich beim Nachgespräch dieses UBs…

Umso erfolgreicher verlief mein Mathe-UB zum Themenbereich “Geometrie”. Im Zentrum stand hier kein spezielles Thema, sondern die freie Arbeit an den von mir erstellten Lernplänen für die Heranwachsenden. Seminarleitungen und Schulleitungen sehen solche Stunden prinzipiell super gerne, weil sie individuelles und eigenverantwortliches Lernen in den Vordergrund stellen und eine sehr hohe Schüleraktivierung stattfindet. Allerdings macht es diese Individualität fast unmöglich, einen gewöhnlichen Unterrichtsentwurf mit festgeschriebenen Standards und Kompetenzen zu formulieren. Stattdessen muss in diesem Fall genau mit der Seminarleitung besprochen werden, was konkret im schriftlichen Entwurf erwartet wird und das kann teilweise mehr Arbeit in der Vorbereitung bedeuten (so wie die Initiierung individueller Lernprozesse auch).

Die Einführung der Mathestunde lief super, die Hinführung reibungslos, alle wussten, was sie zu tun hatten, wie sie ihre Arbeitszeit organisieren und wo sie Hilfe finden. Es herrschte die ganze Zeit über eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre. In der Feedbackrunde mit dem 4-Ecken-Feedback (siehe Medium des Monats) zeigten sich die Lernenden ehrlich, selbstkritisch, sozial kompetent und kreativ. Ich platzte fast vor Stolz! Das lief alles so rund, dass ich selber völlig aus dem Häuschen war. Ich musste unwillkürlich darüber lachen, als ich den Klassenraum Richtung Reflexionsgespräch verließ und hab mein Grinsen die nächsten Stunden nicht verloren. Natürlich findet das professionelle Auge auch in gelungenen Unterrichtsstunden Punkte, die man verbessern kann und das ist auch gut so, denn das ist meine Lerngrundlage. Das war eine Traumstunde, wie sie wahrscheinlich nie wieder in einem UB vonstattengehen wird, deswegen genieße ich diesen kleinen großen Erfolg in vollen Zügen.

guter Unterrichtsbesuch

Das ist mein Stockphoto-Ich beim Nachgespräch dieses UBs…

Ich investiere viel

In meinem Kopf werden seit Wochen nur noch Synapsen angestupst, die mit den Schlagworten “Unterricht” oder “Referendariat” vertraut sind. Für alles andere bleibt viel zu wenig Platz. Die Gedanken an die Schule, den eigenen Unterricht und alle Aufgaben, die mit dem Referendariat verbunden sind, nehmen den Großteil meines Alltags ein. Selbst wenn ich gerade nicht an irgendwelchen Vorbereitungen am Laptop sitze, bin ich geistig bei meinen aktuellen Unterrichtsplanungen, denke sie weiter und forme sie neu. Sogar bis in meine Träume folgt mir die Schule. Plane ich eine Geometrie-Einheit, träume ich von Formenarrangements, die wild umher wirbeln, erstelle ich ein Forscherheft zum Thema Körper, bastle ich im Traum am Layout herum und finde immer die absolut perfekten Anschauungsbilder (was im echten Leben so gut wie nie passiert).

Ich schätze, auch das ist mal wieder normal für die Ausbildungszeit und den Berufseinstieg. Allerdings bin ich mir sicher, dass das auch gefährlich werden kann, wenn ich nicht lerne, mich dahingehend besser zu regulieren und ein gesünderes Zeitmanagement an den Tag zu legen.

Zeitmanagement

Wenn ich über mein sogenanntes Zeitmanagement nachdenke bzw. darüber, wie viele Minuten sinnvoll investiert wurden und wie viele unter dem Label “Zeitverschwendung” versickert sind, tue ich mich schwer damit, eine gefestigte Haltung zu entwickeln.

Einerseits:

  • Im Referendariat habe ich Zeit, die ich später mit einer vollen Stelle nicht habe. Deswegen ist es eigentlich naheliegend und gewinnbringend, genau jetzt so viel Zeit in die Erstellung toller Konzepte und Materialien zu stecken.
  • Diese Ausbildung ist ein einmaliger Zeitraum, in dem ich selbst Erdachtes und Erstelltes praktisch ausprobieren kann und zwar ohne die volle Verantwortung für eine gesamte Lerngruppe zu tragen.

Andererseits: 

  • Als ob ich in drei Jahren noch zufrieden mit meinen Planungen und Ideen von heute wäre… Ich denke ja manchmal schon am Anfang einer längeren (und schon komplett geplanten) Einheit, dass ich an das Ganze beim nächsten Mal ganz anders herangehen würde. Es ist meiner Meinung nach eine komplette Fehlvorstellung, dass man Materialien, die man im Vorbereitungsdienst mal unter Schweiß, Blut und Tränen zusammengebastelt hat, später immer wieder verwenden kann. Denn erstens müssen Materialien grundsätzlich an die jeweilige Lerngruppe angepasst werden und zweitens wachsen mit der Erfahrung und praktischen Erprobung auch der Anspruch und die Expertise zur Gestaltung von Lernmitteln, was den eigentlich positiven Effekt hat, dass man den eigenen Output von vor ein paar Jahren meist kritischer bewertet als damals – das nennt man Lernen. Und das sorgt dafür, dass man die einmal erstellten Materialien im besten Fall immer wieder anpassen muss (was ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen kann), gegebenenfalls aber auch ganz neu erstellen muss.
  • Mehr Zeit und Energie in ein bestimmtes Projekt zu stecken, garantiert nicht unbedingt ein besseres Ergebnis oder Endprodukt (Stichwort: “Verschlimmbesserung”) und die wichtigste Rückmeldung dazu, wie gut das erstellte Konzept oder Lernmaterial tatsächlich ist, erhält man ohnehin erst nach der ersten praktischen Umsetzung mit einer Lerngruppe.

“Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor“[1], würde ich sagen, wenn die Konstruktion “als wie” Zutritt zu meinem Wortschatz hätte. Ich weiß nicht, ob es klug ist, momentan so viel Zeit darin zu investieren, meinen Vorstellungen von gutem Unterricht oder gutem Material zu entsprechen. Denn später werde ich wahrscheinlich immer weniger Chancen dazu haben und dann ist die Fallhöhe unangenehm hoch. Aber es gibt auch positive Effekte…

Ich fühle mich geschätzt

Ich investiere viel, ich ernte aber auch viel dafür. Das ganze Engagement wird gedankt. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, so traurig das klingt. Das positive Feedback meiner Lerngruppen und die Beziehungen, die sich trotz der seltenen Zusammenkunft entwickelt haben, erfüllen mich mit Zuversicht und Stolz. Die Anerkennung und Wertschätzung im Kollegium und der Schulleitung sind Balsam für die Seele und bestätigen meine Mühen. Die konstruktiven Rückmeldungen meiner Seminarleitungen ermöglichen es mir, zu wachsen und innere Knoten in einem geschützten Rahmen zu lösen. Das ist ziemlich großartig. Alle Parteien sind kritische und empathische Beurteilende, weswegen mir ihre Einschätzungen größtenteils viel bedeuten.

Die Rückmeldungen zu meiner Arbeit kommen aus verschiedenen Kanälen, haben aber die gleiche Funktion: Sie sind mein Korrektiv, sie stabilisieren mich und sie stärken tatsächlich meine Überzeugung, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar! Vor meinem Referendariat hätte ich das nicht unbedingt erwartet, da ich meine Zeit im Studium vorwiegend mit dem Zweifel an meinem eingeschlagenen Weg verbracht habe. Wenn ich von Eltern oder Freunden gefragt wurde, wie mein Studium läuft, beendete ich meinen Monolog grundsätzlich mit dem Satz: “Ich hasse es, aber ich ziehe das durch, weil ich weiß, dass die Praxis anders aussieht und mir gefällt”. Und siehe da: Das stimmt zu 100 Prozent! Diese Erkenntnis ist für mich Gold wert!

Erkenntnisse auf dem Weg zur Professionalität

  • Ich bin hier richtig. Dieser Job überfordert mich häufig, kann frustrierend sein und wird in den nächsten Jahren noch viel anspruchsvoller werden und trotzdem fühle ich, dass das meine “Aufgabe” ist. Der Zweifel gehört trotzdem dazu, wie zu jeder Herzensangelegenheit. Ich bin mir bewusst, dass die eigenverantwortliche Leitung einer Klasse noch ganz andere Hürden für mich bereithält und meine Motivation nicht immer auf einem gesunden Level sein wird. Dennoch: Es fühlt sich richtig an.
  • Die Mühe lohnt sich (gefühlt)! Auch wenn die vielen Stunden sich manchmal verschwendet anfühlen (und es stellenweise auch sind, das möchte ich nicht abstreiten), glaube ich trotzdem, dass jede verworfene Idee, jeder genommene Umweg und jede mühevolle Handarbeit dabei hilft, etwas zu erschaffen, wohinter man mit ganzer Kraft stehen kann. Jeder Gedanke formt das Projekt und das Projekt formt die Gedanken neu, sobald es einmal in der Praxis angewendet wurde. Dass sich die Mühe lohnt, ist keine neue Erkenntnis, sondern eine immer wiederkehrende. Das macht sie von Tag zu Tag stärker, stabiler und unangreifbarer.
  • Es tut gut, gesehen zu werden. Die spontanen, aber doch irgendwie regelmäßigen Rückmeldungen von meinem gesamten Umfeld unterstützen mich in meinem Glauben bzw. meiner Überzeugung, das “Richtige” zu tun. Und auch wenn ich gerne alles alleine schaffen möchte und mich unbeobachtet wohler fühle, ist es doch manchmal schön, wenn jemand sieht, wie viel man gibt.

Medium des Monats

Bei der 4-Ecken-Methode ordnen sich die Heranwachsenden einer Lerngruppe einer von vier verschiedenen Aussagen zu. Die Lehrkraft bereitet dafür vier Schilder vor, auf welche sie beispielsweise Schlagworte oder Satzanfänge schreibt und verteilt die Schilder in den vier Ecken des Klassenraums. Aufgabe der Lerngruppe ist es nun, sich zu einer Ecke zuzuordnen und – um beim Beispiel zu bleiben – etwas zum Schlagwort zu sagen oder den Satzanfang zu beenden. Denkbar wäre es auch, Bilder anstelle von Worten zu verwenden.

Diese Methode kannte ich zwar schon (vielleicht sogar aus meiner eigenen Schulzeit), aber aus der Sicht einer Referendarin ist sie für mich eine kleine Offenbarung, weil sie unglaublich vielseitig einsetzbar ist und somit ein sehr dankbares Medium für die Unterrichtspraxis darstellt. Weiterhin eignet sie sich hervorragend für heterogene Lerngruppen, da jedes Kind seinen eigenen Beitrag auf seinem individuellen Lernniveau leisten kann – Differenzierung: Check!

Die Verwendung von Satzanfängen hat den positiven Nebeneffekt der Sprachförderung, mit der Heranwachsende beispielsweise lernen können, ihre Lernergebnisse selbstständig zu reflektieren. Hinzu kommt, dass das notwendige Material keiner aufwendigen Vorbereitung bedarf, sondern auch spontan im Unterricht hergestellt werden kann. Genial, wie ich finde.

Vier-Ecken-Methode

Im Unterricht kann die Methode für verschiedenste Zwecke genutzt werden:

  • zur Einführung in ein neues Thema: Das Vorwissen der Lernenden kann durch vier Schlagwörter zum Thema aktiviert werden, zu welchem jedes Kind erzählen kann, was es schon über den jeweiligen Begriff weiß. Das Thema kann zusätzlich von der Gruppe erraten werden, wenn sie bisher nur die vier Schlagwörter kennt. Zur Einführung in einen neuen Themenbereich eignen sich Satzanfänge nicht so gut, weil sie die Antworten der Kinder zu sehr eingrenzen.
    • z.B. Thema “Wald” mit den Schlagwörtern (1) Bäume und Sträucher, (2) Tiere, (3) Nahrungskette, (4) Jahreszeiten
    • z.B. Thema “Körper” mit den Schlagwörtern (1) Wachstum, (2) Organe, (3) Sinne, (4) Krankheit
  • zur Wissens- bzw. Ergebnissicherung: Das Wissen der Lernenden kann durch vier Schlagwörter oder Satzanfänge abgefragt werden. Oder die Methode wird kurzer Hand zum Diskussionsformat, indem die Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Ecken über den Begriff oder den Satz auf dem Schild ins Gespräch kommen sollen. Die Ergebnisse dieser Gruppendiskussionen können dann im Plenum gesammelt und mit Inputs der anderen Gruppen ergänzt werden.
    • z.B. Thema “Klima und Nachhaltigkeit” mit den Satzanfängen (1) “Nachhaltigkeit bedeutet …”, (2) “Klimaschutz ist notwendig, weil …”, (3) “Für den Klimaschutz sollte die Politik…”, (4) “Um nachhaltiger zu leben, kann ich …”
    • z.B. Thema “Geometrie” mit den Schlagwörtern (1) Formen und Körper, (2) Winkel, (3) Flächeninhalt und Volumen, (4) Koordinatensystem
  • zur Rückmeldung, Evaluation und Reflexion von Lernprozessen und -ergebnissen: Die Meinung und/oder Selbsteinschätzung der Lernenden kann durch vier Satzanfänge wunderbar sprachlich begleitet werden. Je nach Ziel eignen sich verschiedene Formulierungen. Ich habe festgestellt, dass Satzanfänge so offen wie möglich gehalten werden sollen, um die Antworten der Lernenden nicht unnötig einzugrenzen. Also nicht: “Ich habe gelernt, dass …”, sondern:
    • “Ich habe gelernt…”
    • “Ich bin stolz auf mich, weil…”
    • “Besonders hilfreich war für mich…”
    • “Besonders spannend war für mich…”
    • “Besonders schwierig war für mich…”
    • “Fragen habe ich noch zu…”
    • “Besser machen möchte ich beim nächsten Mal…”
    • “Für das nächste Mal wünsche ich mir…”

Ratschläge und Leitsätze für alle Lehrkraft-Neulinge

  • Visualisiere den Stundenverlauf. Dass es sinnvoll ist, den Ablauf der Unterrichtsstunde an der Tafel (oder am SMART-Board) zu visualisieren, um der Lerngruppe eine gewisse Orientierung zu geben, war mir bereits bewusst. Aber so richtig damit gearbeitet habe ich trotzdem nie. Das hat sich nun geändert. Für die Freiarbeit habe ich Symbolkarten gezeichnet, die ich immer zu Beginn einer Freiarbeitsstunde gemeinsam mit den Kindern durchgehe. Tatsächlich sind diese Stunden dadurch nicht nur besser strukturiert (auch für mich), sondern sorgen auch dafür, dass die Kids die Lernzeit besser nutzen und sich zügiger selbst organisieren. Ein großer Zugewinn!
  • Versuche, in eigenen Bereichen zu arbeiten. Im normalen Vorbereitungsdienst hat man relativ wenige Präsenzstunden und übernimmt nur Teilbereiche des normalen Stundenplans. Das heißt, man arbeitet mit einer oder mehreren anderen Lehrkräften zusammen und muss sich für die einzelnen Fächer inhaltlich abstimmen. Das kann zu einer Last werden, wenn man darauf angewiesen ist, regelmäßig bestimmte Informationen vom Gegenüber zu erhalten. Die Planung von Unterricht kann dadurch erschwert werden. Besser ist es, wenn beide Parteien vorher abgestimmt haben, für welchen Bereich sie verantwortlich sind. Beispiel: In meiner Mathe-Lerngruppe erteile ich wöchentlich nur zwei Mathestunden, welche zur Zeit für den Themenbereich Geometrie genutzt werden. Der Rest wird von der Klassenlehrkraft erteilt, wobei hier andere Inhalte aus anderen Themenbereichen bearbeitet werden. So bin ich in meinen Planungen nicht auf regelmäßige Neuigkeiten seitens der Klassenlehrkraft angewiesen und kann freier und spontaner agieren. Natürlich muss man dazu das Glück haben, kooperative Kolleginnen und Kollegen an seiner Seite zu haben, die einem diesen Freiraum auch gewähren. Ich habe dieses Glück zufällig.
  • Verschaffe dir Zugang zu Bibliotheken. Nicht nur, um Fachliteratur zu recherchieren, ist es sinnvoll, sich Bibliotheksausweise (z.B. als Gast in den Universitätsbibliotheken) zu besorgen. Für Unterrichtsentwürfe und die eigene Weiterbildung müssen ab und zu wissenschaftliche Quellen herangezogen werden, die sich in öffentlichen Bibliotheken oder Online-Katalogen finden lassen. Für angehende Lehrkräfte in Berlin lohnt sich der Zugang zum Medienforum[2] bzw. zum “MOM” (Medienforum Online-Medien)[3], um durch Fachliteratur, Unterrichtsentwürfe, Unterrichtsmaterial, Lehrwerke oder digitales Lernmaterial zu stöbern.

Was zu sagen bleibt…

Mir geht es wirklich gut und ich berichte stets aus einer sehr privilegierten Position heraus. Ich habe eine Wohnung, einen sicheren Job und keine nennenswerten außerberuflichen Verantwortungen in meinem Leben. Ich bewundere all diejenigen, die das Referendariat nicht nur mit mehr Stunden, sondern auch noch mit einem oder mehreren Kindern oder ähnlich anspruchsvollen Verantwortungen wuppen. Das ist eine wahnsinns Leistung, deren Herausforderungen ich nicht mal ansatzweise erahne. In Coronazeiten klatscht man ja neuerdings ganz gerne für solche Leistungen, aber ich verbitte mir das aus vielerlei Gründen und zolle euch einfach meinen ruhigen Respekt.

Im nächsten Bericht setze mich ganz und gar mit dem spannenden Themenfeld der Freiarbeit auseinander und gebe einen Überblick über die wichtigsten Aspekte dieses Unterrichtskonzepts. Bis dahin schließe ich mit den Worten des großen Tagebuchschreibers Bert:

 

“Alles ok, Kartoffelpüree!”[4]

 


[1] Goethe, Johann Wolfang von (1808): Faust. Eine Tragödie von Goethe. Der Tragödie erster Teil. J. G. Cotta Verlag Tübingen

[2] Medienforum Berlin

[3] MOM – Medienforum Online-Medien

[4] Jacobsson u. Olsson (1996): Berts gesammelte Katastrophen. Oetinger Verlag.

Autorin: Carla

Für etwa zwei Jahre schrieb ich Artikel für das phase6 Magazin und das Lehrkräfte Magazin. Mit besonderer Vorliebe widmete ich mich dabei spannenden Themen der pädagogischen Psychologie in Theorie und Praxis. Seit August 2020 bin ich Referendarin an einer Berliner Grundschule und teile meine Erfahrungen und Erkenntnisse mit Interessierten.