Deutsche Redewendungen und ihre Herkunft

Wir verwenden sie zum Teil täglich und lernen sie schon als Kinder: Redewendungen und Sprichwörter. Das sind feste Verbindungen von Wörtern, wobei sich die Gesamtbedeutung nicht aus den Teilbedeutungen der einzelnen Worte ableiten lässt. Hier erklären wir, wie bekannte deutsche Redewendungen und Sprichwörter entstanden sind.

Hinz und Kunz, wie in “Auf Mallorca machen Hinz und Kunz Urlaub.”

Mit dieser Redewendung bezieht man sich auf jedermann, auf jede beliebige Person, auf alle möglichen Menschen, jedoch mit einem leicht spöttischen oder abwertenden Unterton. Seinen Ursprung hat dieser Ausdruck im Mittelalter. Seit dem elften Jahrhundert waren Heinrich und Konrad sehr häufige Namen von Kaisern und Königen. Davon inspiriert wurden viele Kinder mit diesen Namen getauft, sodass es zu einer regelrechten Inflation in der männlichen Bevölkerung kam. Die damaligen Abkürzungen der Namen waren Hinz (von Heinrich) und Kunz (von Konrad). Im 13. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Redewendung “Hinz und Kunz”, die allerdings erst im 15. Jahrhundert nach und nach einen spöttischen Beigeschmack bekam. Übrigens kennt man in manchen Regionen auch die Redensart “Hans und Grete” als geschlechtsneutrale Version.

Vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben

Wenn jemand vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat, dann ist er inkompetent oder hat von etwas keine Ahnung. Diese umgangssprachliche Redewendung stammt aus dem Mittelalter, aus dem Beruf des Nachtwächters. Da es keine Alarmanlagen gab, mussten Nachtwächter durch die Straßen laufen, um nach dem Rechten zu sehen. Im Fall von Gefahr, wie z.B. bei Feuer oder Angriffen, bliesen sie entweder in ein Horn oder in eine Tröte. Das dann erklingende Tuten warnte zum Einen die Einwohner vor der Gefahr und kündigte zum Anderen den sofortigen Beginn einer Sperrstunde an. Manchen Überlieferungen zufolge hatten viele Nachtwächter auch ein Blasebalg (daher Blasen), mit dem sie die Straßenlaternen, damals noch Öllampen, löschten. Der Beruf war wenig geachtet, da man aus Sicht der Stadtbewohner nichts weiter können musste als herumzulaufen und gelegentlich in ein Horn zu blasen bzw. einen Blasebalg zu benutzen und zu tuten. Wer noch nicht mal dieser leichten Aufgabe gewachsen war, schien zu nichts zu gebrauchen zu sein.

Hand und Fuß haben

Hat eine Sache oder ein Vorhaben Hand und Fuß, dann ist es wohl durchdacht und wirkt vertrauenswürdig. Auch dieser Ausdruck kommt aus dem Mittelalter. Ein vollständiger und gesunder Körper bedeutete damals wie heute volle Belastbarkeit und Tauglichkeit. Aus diesem Grund war es damals üblich, als Bestrafung für Missetaten Gliedmaßen abzuhacken, meistens mindestens eine Hand oder ein Fuß, oft jedoch beides. In der Regel fiel die Wahl auf die rechte Hand und den linken Fuß, denn die meisten Menschen waren zu dieser Zeit Rechtshänder. Das hieß, die rechte Hand war die Schwerthand und außerdem setzte man zuerst den linken Fuß in den Steigbügel, um auf ein Pferd zu steigen. Diese Bestrafung nahm dem Betroffenen seine Wehrhaftigkeit und sein Ansehen – wer nicht mehr auf ein Pferd steigen und eine Waffe führen konnte, war auch kein vollwertiger Mann mehr. Eine Sache, die Hand und Fuß hat, ist also vollständig und taugt etwas. Die Redensart existiert mit dieser Bedeutung seit dem 16. Jahrhundert und wird oft in der Verneinung verwendet (“Das hat weder Hand noch Fuß”).

Mit diesen Informationen habt ihr nun hoffentlich mehr Ahnung vom Tuten und Blasen – zumindest was diese Redenwendungen angeht.

Quellen: [1] [2] [3] [4] [5]