Strategien für besseres Lernen

Das Lernen und Beherrschen von Fremdsprachen ist nicht nur im beruflichen Umfeld von Vorteil, sondern auch auf persönlicher Ebene eine Chance zur sozialen Teilhabe und individuellen Weiterentwicklung. Mehrsprachigkeit kann uns Türen öffnen und Menschen verbinden. Ob Englisch, Latein oder Französisch – die Grundlage für das Erlernen neuer Sprachen bildet stets der Wortschatz. Um einen solchen anzulegen, ist konsequentes Vokabellernen unumgänglich. Wer gerne auf Reisen geht, hat in verschiedenen Ländern sicher schon einige fremdsprachliche Vokabeln aufgeschnappt, nachgesprochen und kurz darauf wieder vergessen. Um zu verstehen, warum das mühsame Einüben und Auswendiglernen essentieller Teil beim effektiven Erlernen neuer Sprachen ist und wie wir dem Vergessen entgegenwirken können, ist es hilfreich, unser Gedächtnis genauer unter die Lupe zu nehmen.

Lernen: von der Vokabel zum gesicherten Wortschatz

Illustration: Gehirn wird mit Wissen gefüllt

Das menschliche Gedächtnis ist das Zentrum der Informationsaufnahme und -verarbeitung im Gehirn. Aus Forschungserkenntnissen der Kognitionspsychologie und Neurobiologie wissen wir, dass neue Informationen, die auf uns einprasseln, verschiedene Bereiche des Gedächtnisses durchwandern. Da wäre zunächst der sensorische Speicher, welcher unbewusst und für sehr kurze Zeit Reize aus der Umwelt aufnimmt und diese für die Weitergabe an den nächsten Bereich filtert. Dabei handelt es sich meist um flüchtig wahrgenommene Laute (zum Beispiel in Form von Sprache) oder Bilder (zum Beispiel in Form von Schrift). Unser Aufmerksamkeitsfokus filtert die Informationen für den nächsten Bereich: das Arbeitsgedächtnis, auch Kurzzeitgedächtnis genannt. Hier können bewusst bis zu sieben Informationen gleichzeitig aufgenommen werden, welche nach ungefähr 20 Sekunden entweder die Chance bekommen, ins Langzeitgedächtnis zu wandern, oder aber prompt verloren gehen und vergessen werden. Für das Vokabellernen bildet also der Übergang vom kurzlebigen Arbeits- in das dauerhafte Langzeitgedächtnis den Knackpunkt. Es stellt sich die Frage, wie der Transfer gelingen und somit ein neuer Wortschatz aufgebaut werden kann. Wie schafft es eine Vokabel in den Gedächtnisbereich des gesicherten und lebenslangen Wissens? Und was können wir aktiv dafür tun?

Tipps und Strategien zum Vokabellernen

Fest steht: Um das bewusste und regelmäßige Üben kommen wir nicht herum, wenn wir neue Vokabeln in unser Langzeitgedächtnis überführen wollen. Wiederholung ist die Mutter der Pädagogik, sagt man, und somit auch ein wichtiger Teil des erfolgreichen Lernens. Das kann anstrengend und zeitraubend sein, weswegen viele gar nicht erst versuchen, sich einer neuen Sprache anzunehmen. Dabei muss Lernen nicht immer Monotonie und Anstrengung bedeuten und kann mit ein paar hilfreichen Tipps und Strategien sogar Spaß machen!

1. Zeitmanagement

Aller Anfang ist bekanntlich schwer, doch jedem Anfang wohnt nach Hermann Hesse ein Zauber inne. Und diesen wollen wir nutzen! Das funktioniert am besten, wenn wir eine große Aufgabe, zum Beispiel Vokabeln lernen, in kleine Teilschritte zerlegen. Damit wirkt das zu bearbeitende Pensum nicht mehr so furchterregend groß, wird übersichtlicher und erscheint letztlich machbar. Hier kann man nach verschiedenen Methoden vorgehen.

Ein guter Tipp, um sich selbst zum Starten zu motivieren, ist die 5-Minuten-Regel: Stell dir einen Wecker und gib jeder Aufgabe, egal welcher Art, fünf Minuten Zeit, um dich konzentriert mit ihr zu beschäftigen. Du wirst sehen, dass es meist nicht mehr braucht, um einen motivierten Einstieg ins Thema zu finden und von ganz allein weiterzumachen – wie von Zauberhand!

Für das weitere Vorgehen hat sich aus lernpsychologischer Sicht die sogenannte Pomodoro-Technik bewährt. Dabei werden die Aufgaben in aktive Arbeits- und Pausenzeiten unterteilt. Stelle dir hierfür den Wecker auf 25 Minuten, in welchen du dich aufmerksam mit einer Aufgabe auseinandersetzt. Nach Ablauf der Zeit folgt eine fünfminütige Pause. Nutze diese Pause bewusst, um die Reizaufnahme herunterzufahren und Kopf und Körper zu entspannen. Mache eine Yoga-Übung oder meditiere, erledige einfache Haushaltsaufgaben, oder schließe einfach für ein paar Minuten die Augen. Achte darauf, dass während der Pause auf weitere Reizaufnahme durch Handy, Internet oder Fernsehen verzichtet wird, um deinem Arbeitsgedächtnis die nötige Verarbeitungszeit zu gönnen. Klingelt der Wecker erneut, beginnt ein neuer 25-Minuten-Lernintervall gefolgt von weiteren fünf Minuten Pause. Je nach Aufgabe und Intention kann die Anzahl der Intervalle sowie die Länge der Zeitabschnitte individuell angepasst werden. Schon die bewusste Strukturierung der eigenen Lernprozesse sorgt dafür, dass wir aufmerksamer und effektiver lernen.

2. Brücken bauen

Leichter lernt es sich, wenn wir neue Inhalte mit schon bekannten Informationen aus unserem Langzeitgedächtnis verknüpfen können. So schlagen wir eine Brücke zwischen neuem und altem Wissen, welche dafür sorgt, dass neue Information leichter in das Netz vorhandenen Wissens hinübergleiten und eingebettet werden kann. Auch hier gibt es für verschiedene Zwecke unterschiedliche Methoden.

Bärtiger Mann hält sich zwei Eier vor die Augen

Möchten wir uns beispielsweise den Klang, also die Aussprache einer Vokabel einprägen, empfiehlt es sich, ähnlich klingende Worte aus unserer Muttersprache zu suchen. Das englische Wort “eye” (Auge) klingt beispielsweise so ähnlich wie das deutsche Wort “Ei”. Hier ist die bildliche Verknüpfung recht schnell hergestellt, wenn wir uns ein Gesicht mit zwei Eiern anstelle von Augen vorstellen.

Je lustiger die Eselsbrücken, desto leichter prägen sie sich ein, also Mut zur Kreativität! Auch Reime eignen sich gut, um Aussprache und Bedeutung einer Vokabel zu verinnerlichen. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum wir uns Songtexte auf anderen Sprachen oft spielend leicht merken können, während die Vokabelliste eine schier unüberwindbare Merkaufgabe darstellt. Ein Merksatz mit reimenden Vokabeln könnte lauten: “If you must choose, you win or lose.”.
Möchten wir uns schwierige Schreibweisen bestimmter Vokabeln einprägen, eignet sich besonders die Letter-Methode. Du kannst dir einfach nicht merken, welche die richtige Schreibweise für die englische Vokabel “rhythm” (Rhythmus) ist? Dann lasse jeden Buchstaben der Vokabel zum Anfangsbuchstaben eines Merksatzes werden:

Merksatz für das Wort "rhythm"

So fallen dir überflüssige oder fehlende Buchstaben sofort auf und du kannst dich selbst korrigieren. Keine Sorge: Mit ein wenig Übung wird es leichter, eigene Eselsbrücken zu entwickeln. Und selbst, wenn dir nach ein paar Minuten keine passende Brücke in den Sinn kommt, wirst du davon profitieren. Denn durch den bewussten und kreativen Prozess des Ausdenkens sind die Vokabeln schon ein ganzes Stück tiefer in dein Gedächtnis gelangt!

3. Mit allen Sinnen lernen

Das Lernen mit allen Sinnen ist vor allem in Grundschulen eine bewährte Methode, um den Schriftspracherwerb von Kindern zu fördern. Aber auch fürs Vokabellernen können wir uns diese Strategie zunutze machen. Die Technik beruht auf der Erkenntnis, dass Wissen tiefer verankert wird, wenn wir die Informationen sowohl auditiv, visuell als auch haptisch wahrnehmen und verarbeiten können – also über unsere Ohren, Augen und Hände. Somit erhält die zu lernende Information, beispielsweise eine englische Vokabel, eine mehrperspektivische Bedeutung und kann gleichzeitig mit mehreren schon bekannten Eindrücken aus dem Langzeitgedächtnis verbunden werden. Wenden wir die Strategie nun auf unsere Englischvokabeln an, können wir folgendermaßen vorgehen:

  • Stummes und lautes Lesen: Lies die Vokabel zunächst still für dich und sprich sie im Anschluss mehrmals laut aus. Trau dich, zwischen langsamer und schneller Aussprache und auch in der Betonung zu variieren. Wenn du dir nicht sicher bist, welche Aussprache korrekt ist, hilft es, sich eine Tonaufnahme der Vokabel anzuhören.
  • Bildliche Vorstellung: Zusätzlich zur Schreibweise und Aussprache ist es nützlich, die Vokabel mit passenden Bildern zu verknüpfen. Effektiver als die rein mentale Repräsentation, also die bloße Vorstellung eines Bildes, ist die praktische Umsetzung, also das Beifügen eines Fotos oder eigenhändiges Malen eines passenden Bildes oder Symbols.
  • Formen und Anfassen: Eine ganz hervorragende Ergänzung dazu bietet das haptische Lernen von Vokabeln. Dazu zählt auch, die neue Vokabel mehrmals (in verschiedenen Schreibtstilen) aufzuschreiben. Noch besser ist es, wenn du die Vokabel wortwörtlich ‘greifen’ kannst. Du musst für den nächsten Vokabeltest eine Reihe von Obst- und Gemüsesorten auf Französisch lernen? Lass die Vokabelliste zur Einkaufsliste werden und übe zu Hause ganz praktisch mit dem Früchtekorb. Nimm die Birne in die Hand und ertaste sie, während du laut “pêche” vor dich hin sagst. Zugegeben, der Trick funktioniert nicht bei allen Vokabeln. Für abstraktere Begriffe wie “Liebe” oder “Glück” muss man sich auf eindeutige Symbole wie Herzen und Kleeblätter verlassen.

4. Beweg dich!

Verschiedene Studien der Unterrichtsforschung zur Aufmerksamkeit von Schülerinnen und Schülern zeigen auf, dass die Heranwachsenden signifikant bessere Leistungen in einem Unterrichtsfach erbrachten, wenn sie kurz zuvor am Sportunterricht teilnahmen. Aktive Bewegung hat also einen starken, positiven Einfluss auf unsere Konzentration und Leistungsfähigkeit. Wie können wir uns dieses kleine Phänomen erklären?

Bewegungsübungen

Ob im Unterricht oder zu Hause – im Laufe einer Lernphase scheinen Arme, Beine und Augenlider immer schwerer zu werden und gäbe man uns in diesen Momenten ein Kissen, würden wir wahrscheinlich sofort einschlafen. Das häufige und lange Sitzen im Schulalltag sorgt dafür, dass die Blutzirkulation in unserem Gehirn allmählich verlangsamt und uns die Aufnahme neuer Informationen erschwert. Bringen wir unseren Körper in Bewegung, wird zum einen der Blutkreislauf wieder in Schwung gebracht und unserer Gehirn besser mit Sauerstoff versorgt, was die Grundlage für leistungsfähige Gehirnaktivität bildet. Zum anderen aktivieren wir durch Bewegung das Koordinationszentrum im Hirn, welches an den Bereich unseres Arbeitsgedächtnisses grenzt. Die bessere Durchblutung dieser Areale durch Bewegung sorgt dafür, dass die Bildung neuer Synapsen, also neuer Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen, erleichtert wird. So können wir uns nicht nur besser konzentrieren, sondern auch schneller Verknüpfungen zwischen altem und neuem Wissen herstellen und das ist, wie wir bereits gelernt haben, der effektivste Weg, um neues Wissen in unser Langzeitgedächtnis zu integrieren.

Was heißt das nun für unsere Vokabeln? Zu aller erst: Steh auf! Bequeme dich aus deiner sitzenden Position und recke und strecke deine Gliedmaßen in alle Richtungen. Ob Hampelmann, Kniebeuge, Kopfstand, Joggen oder ein “Heeeead, shoulders, knees and toes”-Exkurs – alles, was deinen Kreislauf in Fahrt bringt, hilft deinem Gedächtnis, neue Inhalte besser zu verstehen und einzuprägen. Erlaube dir, während des Vokabellernens herumzulaufen, die Füße zu vertreten oder stelle einzelne Vokabeln pantomimisch dar, mit vollem Körpereinsatz! Diese Technik eignet sich auch fantastisch für einen gemeinsamen Lerntag mit deinen Schulkameraden. Der Spaß ist hier garantiert und damit lernt es sich doch gleich viel besser!

Auch kleine Koordinationsübungen unterstützen die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Hirnarealen und fördern unsere Aufmerksamkeit. Das probieren wir gleich mal aus: Nimm dir deine rechte oder linke Hand vor und gib zunächst jedem deiner Finger eine Nummer. Der Daumen erhält die Nummer 1, der Zeigefinger Nummer 2, und so weiter. Versuche nun, diesen Zahlencode mit deinen Fingern auf dem Tisch nachzuspielen:

Koordinationsübung mit den Fingern

Gar nicht so einfach, was? Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister!

Hilfsmittel und Lernangebote

Neben diesen praktischen Lerntipps und universellen Strukturierungshilfen gibt es natürlich auch die Möglichkeit, mit speziellen Hilfsmitteln und Lernangeboten zu arbeiten, um das Vokabellernen zu fördern. Mit welchen Hilfsmitteln wir bewusstes Lernen am effektivsten gestalten und unterstützen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dem Lernenden selbst stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung: Lerne ich mit einer Vokabelliste oder dem Schulbuch? Lege ich mir ein Karteikarten-System an? Kann ich Vokabeln online lernen oder sie mir vielleicht mit einem speziellen Programm oder einer App besser einprägen? Auf diese und andere Fragen gehen wir in unseren zukünftigen Artikeln ein und stellen dir Stück für Stück verschiedene Erkenntnisse und Varianten vor, die deinen persönlichen Lernprozess beschleunigen.

Die genannten Lernstrategien und Mnemotechniken können dir zunächst ohne spezielle Hilfsmittel das Vokabellernen erheblich erleichtern und lassen dich unabhängig vom jeweiligen Schulfach mit ein wenig Übung zu einem schnellen und motivierten Lerner werden.

Also probiere dich aus – los geht’s!

Mit phase6 ins Langzeitgedächtnis

Du möchtest deine Geduld nicht unnötig strapazieren und schon jetzt von den Vorteilen einer speziell für das Vokabellernen programmierten App profitieren? Dann schau doch mal bei phase6 vorbei und teste selbst aus, ob das Programm dir helfen kann, Vokabeln schnell und einfach in dein Langzeitgedächtnis zu überführen. Der Vokabeltrainer macht sich einige der lernpsychologischen Vorteile zunutze und ermöglicht dir eine flexible Individualisierung deiner eigenen Lernprozesse. Also worauf wartest du noch?

 

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