Redensarten zu Tomaten, Senf, Wurst und Butter

Wir verwenden sie zum Teil täglich und lernen sie schon als Kinder: Redewendungen und Sprichwörter. Hier erklären wir, wie bekannte deutsche Redewendungen und Sprichwörter entstanden sind. Heute beschäftigen wir uns mit fünf Redewendungen, die mit Essen zu tun haben.

Treulose Tomate

Diese Redewendung stammt sehr wahrscheinlich aus den Zeiten des ersten Weltkriegs. Das Königreich Italien war lange vor dem Krieg ein Verbündeter von Deutschland und Österreich-Ungarn. Statt im Krieg Unterstützung zu leisten, schlugen sich die Italiener 1915 auf die Seite der Alliierten und ließen ihre ehemaligen Verbündeten “treulos” im Stich. Der Tomatenbau war in Italien weit verbreitet und nicht sehr verlässlich, da die Kultivierung noch recht jung war und man trotz guter Pflege Ernte-Rückschläge nicht ausschließen konnte. So entstand die Analogie zwischen den treuebrüchigen Italienern und dem unzuverlässigen Tomatenanbau.

Seinen Senf dazu geben

Die Redensart existiert seit dem 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit galt Senf als sehr wertvoll und jemand, der Senf nutzte, war wohlhabend. Wurde einem Essen Senf hinzugefügt, war dies ein sehr besonderes Essen. Manche Wirte gaben zu jedem Essen ein wenig Senf hinzu, um die Gäste vom hohen Wert und der hohen Qualität der Lokalität zu überzeugen. Allerdings passte der Senf nicht zu jedem Essen und wurde oft auch ungefragt serviert. Auf diese Weise entwickelte sich die Redewendung für Menschen, die ihre Meinung ungefragt kundtun oder eben “ihren Senf dazugeben”.

Es geht um die Wurst

Wenn es um die Wurst geht, dann steht eine wichtige Entscheidung an, bei der manchmal auch Schnelligkeit gefragt ist. Ihre Herkunft hat die Redensart allerdings nicht im Fleischerjargon. In ärmeren Bevölkerungskreisen gab es früher bei Wettkämpfen als Preis oft eine Wurst zu gewinnen, was für arme Leute einen üppigen Gewinn darstellte. Es ging also bei den Wettkämpfen buchstäblich um die Wurst.

Das ist mir wurst

Die Redewendung “das ist mir wurst” kommt als Synonym von “das ist mir egal” zum Einsatz. Wahrscheinlich stammt sie aus der Zeit, als Schlachter und Metzger alle Fleischreste zu Wurst verarbeiteten. Alle Teile des Tieres, die nicht einzeln verkauft wurden, fügte man der Wurst bei, vielleicht sogar unabhängig davon, ob sie genießbar waren oder nicht. Auf die Frage, was mit den Resten der Schlachtstücke passieren sollte, lautete die Antwort also “in die Wurst damit”. So entwickelte sich die Redewendung für Dinge, die einem gleichgültig sind.

Alles in Butter

Üblicherweise sagt man “Alles in Butter”, wenn alles in Ordnung ist. Die Redewendung hat ihren Ursprung im Mittelalter. Damals waren Kutschen das gängige Transportmittel und diese wurden auch von Händlern genutzt, um Gläser und Vasen über die Alpen von Italien nach Deutschland zu transportieren. Oft ging dabei etwas zu Bruch, wenn z.B. ein Fass oder eine Kiste mit Gläsern von der Kutsche fiel. Schließlich hatte ein Händler den cleveren Einfall, die Gläser in ihrem Transportgefäß vor der Beförderung mit flüssiger Butter zu übergießen. Die Butter wurde wieder fest und diente als Schutz für die zerbrechliche Ware, die nun trotz eventueller Stürze unbeschadet am Zielort ankam. Dort wurde sie erhitzt und somit verflüssigt und wieder abgegossen. Später wendeten auch Adlige dieses Prinzip an, und ließen Porzellane u.ä. in Butter ein, wenn sie von Hofsitz zu Hofsitz zogen. In beiden Fällen lautete die erste Frage am Zielort: “Ist noch alles in Butter?”

Mit diesem neu gewonnen Wissen kannst du nun hoffentlich überall deinen Senf dazugeben.

Quellen: [1] [2] [3] [4] [5]