Autorin Carla: Als Werkstudentin bei phase6 und eine der Hauptverantwortlichen des Online-Magazins verfasse ich regelmäßig Artikel für das Magazin für Lehrkräfte und das phase6 Magazin. Mit besonderer Vorliebe widme ich mich spannenden Themen der pädagogischen Psychologie in Theorie und Praxis. Nach meinem Studium an der Freien Universität Berlin starte ich im Sommer 2020 in den Vorbereitungsdienst an einer Berliner Grundschule und möchte meine Recherchen, Erlebnisse und Erkenntnisse auf dem Weg dahin mit anderen Interessierten teilen. 

 

Das allgemeine Gemurmel im Klassenraum und die Gespräche zwischen den Schülerinnen und Schülern verstummen allmählich, als die Kinder die Geste der Lehrkraft erblicken. Mittel- und Ringfinger der Lehrkraft liegen auf dem Daumen auf, während der kleine Finger und der Zeigefinger gen Himmel gestreckt werden. Der altbekannte Schweigefuchs (auch Flüsterfuchs oder Leisefuchs genannt) soll Heranwachsenden in bestimmten Unterrichtssituationen verdeutlichen, dass Ruhe einkehren soll. Die Geste veranschaulicht treffend die Botschaft “Mund zu und Ohren gespitzt!”. Doch seit geraumer Zeit stößt der Schweigefuchs auf irritierte Blicke und verbalen Widerstand – vor allem bei Schülerinnen und Schülern türkischer Herkunft und ihren Eltern. In diesem Artikel erfahren Sie zunächst, was es mit der Debatte um den Schweigefuchs auf sich hat und erhalten im Anschluss daran praktische Ideen für Alternativen zum altbekannten Ruhesignal.

Sollte der Schweigefuchs verboten werden?

türkische Flaggen an Girlande

Seit wenigen Jahren häufen sich Meldungen, die den Schweigefuchs ins Visier nehmen und auf seine Abschaffung in deutschen Schulen plädieren. Doch warum so viel Protest? Die harmlos anmutende Geste des Flüsterfuchses, welche vor allem in Grundschulen gerne eingesetzt wird, ist gleichzeitig das Symbol der türkischen, rechtsextremen Bewegung “Graue Wölfe”. Die Organisation propagiert laut der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) einen idealistischen, türkischen Nationalismus, “der sich sowohl historisch als auch politisch in der Gestalt eines kulturellen Rassismus zeigt.”[1] Dieser Rassismus und die Propaganda der “Grauen Wölfe” richten sich vorrangig gegen “nicht-türkische” Bevölkerungsteile wie Kurden oder Armenier sowie demokratische Institutionen und Gewerkschaften. Die türkisch-nationalistische Bewegung ist auch in Deutschland seit Jahrzehnten mit zahlreichen Vereinen und Dachverbänden vertreten und zählt hier laut der BpB über 18.500 Mitglieder (Stand 2017) – das sind etwa dreimal so viele Unterstützer wie in der NPD, wie die BpB berichtet.[2] Die händische Geste, die in deutschen Grundschulen bisher lediglich als Schweigefuchs bekannt war, soll die Kraft und Aggressivität des Bündnisses und der dazugehörigen Ideologie veranschaulichen.

In einer heterogenen Klassengemeinschaft mit Kindern aus türkischen, armenischen oder kurdischen Kulturkreisen stößt die zweideutige Geste also verständlicherweise auf Unbehagen und bietet einen gefährlichen Nährboden für Missverständnisse. Umso wichtiger ist es, sich über unterschiedliche Bedeutungen diverser Gesten und Ausdrücke auszutauschen und sich gegebenenfalls Gedanken über Alternativen zu machen.

Das Image des Leisefuches hat im Laufe der letzten Jahrzehnte auch ohne den Bezug zu den “Grauen Wölfen” ein wenig gelitten. Von einigen als altbacken empfunden, scheint das Leisezeichen auch bei pädagogischen Fachkräften häufig nur auf ein müdes Lächeln zu stoßen und wenig Wertschätzung zu erfahren. Weiterhin wird die Gebärde all zu oft mit dem Zeichen der Metal-Szene verwechselt und sorgt für Verwirrung, da sich beide Gesten nur minimal unterscheiden. Ob es angesichts der problematischen Assoziation zu den “Grauen Wölfen” eine angemessene Konsequenz ist, den Schweigefuchs fortan zu verbieten, sei zunächst dahingestellt. Die Intention, mit den Gefühlen der Lernenden sensibel umzugehen und sich auf ihre Wünsche hinsichtlich der Vermeidung jener Geste einzulassen, ist zunächst ein sehr schülerorientierter Ansatz, den es zu unterstützen gilt.

Welche Alternativen gibt es zum Schweigefuchs?

Kinder halten sich die Finger auf den Mund

Man könnte meinen, das Internet müsste ein üppiges Potpourri an alternativen Methoden bereit halten, wie man als Lehrkraft seiner Klassengemeinschaft effektiv signalisieren kann, dass Ruhe erwünscht wird. Doch wer sich auf Online-Recherche begibt, wird schnell feststellen, dass es nicht so einfach ist, strukturierte Informationen und Tipps zu Alternativen zu finden. Besonders für höhere Klassenstufen mit jugendlichen Schülerinnen und Schülern, die sich vom grundschulpädagogischen Einsatz einer Klangschale wenig beeindrucken lassen, scheint es eine komplexe Angelegenheit zu sein, wirkungsvolle Ruhesignale zu finden. Im Folgenden sollen einige Ideen und Ratschläge zusammengetragen werden, die Ihnen als Lehrkraft zur Inspiration für Ihre Unterrichtspraxis dienen können.

Egal, für welches Ruhesignal Sie sich entscheiden: Sprechen Sie nach Erklingen des Signals und hergestellter Ruhe etwas leiser als in der gewohnten Lautstärke und mit einer sanften Stimme zu Ihrer Klasse. Zum einen, um die entstandene Stille nicht mit dem vollen Volumen Ihrer Stimme wieder zu durchbrechen und zum anderen, damit Ihre Lerngruppe aufmerksamer zuhört und die gefundene Ruhe weiterhin als angenehm empfunden werden kann.

Der Ton macht die Ruhe…

Akustische Reize eignen sich besonders gut, um für Aufmerksamkeit im Klassenzimmer zu sorgen. Die Schülerinnen und Schüler müssen nicht extra aufschauen und ihren Blick Richtung Tafel richten, um das Ruhesignal wahrzunehmen. Das sichert Ihnen auch die Aufmerksamkeit von Lernenden, die während der Arbeitsphasen mit dem Rücken zu Ihnen sitzen oder in Gruppenarbeiten vertieft sind. Ob Sie die Töne, Geräusche und Klänge mit Instrumenten, Liedern oder Ihrer Stimme herstellen, bleibt Ihnen überlassen. Probieren Sie beispielsweise Folgendes aus:
verschiedene Instrumente

  • Glocke, Kuhglocke oder Triangel
  • Gong, Becken oder Zimbeln
  • Xylophon, Klangfrosch oder Güiro
  • Kastagnetten, Klanghölzer
  • Regenrohr, Rasseln
  • Trommel, Tamburin
  • Flöte, Kazoo oder Okarina
  • “Leiselied” oder “Leisespruch” erklingen lassen

Welches Lied Sie als “Leiselied” wählen, können Sie gemeinsam mit der Lerngruppe abstimmen. Ob zukünftig Kinderlieder, Pop-Songs oder klassische Musikstücke erklingen, spielt keine Rolle, solange jedes Kind genau weiß, was das Einsetzen des “Leiselieds” bedeutet und welches Verhalten im Zuge dessen von ihm erwartet wird. “Leisesprüche” können in Form von Reimen gesprochen werden, welche die Schülerinnen und Schüler dazu einladen, sie aktiv mitzusprechen. Für die Grundschule sind beispielsweise folgende “Leisesprüche” sehr beliebt und entfalten ihre volle Wirkung besonders dann, wenn bis zum letzten Vers von jedem Kind mitgesprochen werden.

Leisesprüche zum Mitsprechen

“Hände hoch!” – Gesten und Bewegungen

Besonders effektiv wirken Leisezeichen, bei welchen die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre Ohren spitzen, sondern parallel dazu ihre Arme und Hände aktiv einsetzen müssen. So haben Sie alle Finger Ihrer Lerngruppe im Blick und die Lernenden eine Möglichkeit weniger, sich abzulenken. Die folgenden Übungen sind dazu gedacht, dass Sie sie als Lehrkraft vor Ihrer Lerngruppe vormachen und die Lernenden die Bewegungen sukzessive nachmachen:Schüler_innen heben ihre Hände nach oben

  • Rhythmus klatschen (und immer leiser werden)
  • Hände auf den Kopf legen (die “Denkerkappe” aufsetzen)
  • Aufstehen und die Hände in die Luft strecken
  • Countdown mit den Fingern runterzählen
  • eine sich wiederholende Bewegung vormachen

Auch ein Hampelmann, Kniebeuge oder pantomimische Gesten bieten sich an, um die Aufmerksamkeit der Heranwachsenden zu bündeln. Ein gesunde Portion Bewegung bringt weiterhin den Kreislauf wieder in Schwung, regt die Durchblutung an und versorgt das Gehirn dadurch besser mit Sauerstoff. So kann unter anderem dafür gesorgt werden, dass die Konzentrationsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen erhöht wird, wie Sie auch in unserem Artikel zu Konzentrationsspielen für den Unterricht nachlesen können.

Weitere Lösungen

Neben akustischen Reizen und aktiver Bewegung gibt es weitere, wirksame Methoden, um die ganze Klasse zur Ruhe zu bitten:

Sanduhr oder Countdown

Arbeiten Sie zum Beispiel mit der Zeit und lassen Sie entweder eine Sanduhr (mit einer maximalen Laufzeit von 30 Sekunden) ablaufen oder spielen Sie einen Countdown auf ihrem Handy ab, der die Ziffern von 10 bis 1 herunterzählt. So wissen Ihre Schülerinnen und Schüler genau, ab welchem Zeitpunkt sich das gewünschte Verhalten einstellen soll und bekommen zudem genügend Raum, um letzte Gedanken oder Sätze zu vollenden, bevor Ruhe einkehrt.

Stillewüfel

Für Stillarbeitsphasen eignen sich besonders sogenannte Stillewürfel. Diese können Sie mithilfe von Würfel-Rohlingen ganz einfach selbst oder gemeinsam mit Ihrer Klasse herstellen. Jede Würfelseite bekommt eine eigene Bedeutung zugeschrieben, die wie folgt aussehen kann:

SCHAUBILD Stillewürfel

In ruhigen Arbeitsphasen legt jedes Kind seinen Würfel auf den Tisch und dreht jeweils die Seite nach oben, welche seiner aktuellen Stimmung oder Problemlage entspricht. So können nicht nur alle Mitschülerinnen und -schüler sehen, ob ein Kind Hilfe braucht oder nicht angesprochen werden will, sondern auch Sie als Lehrkraft erhalten einen schnellen Überblick. Das gestaltet das Monitoring innerhalb einer Klassengemeinschaft etwas einfacher.[3]

Das “KlasseKinderSpiel”

Wie der Name schon sagt, wird die Stillarbeit bei dieser Methode zu einem Spiel. Die Spielzeit soll auf etwa 20 Minuten begrenzt sein, was auch der ungefähren Aufmerksamkeitsspanne von Grundschulkindern entspricht. Die Klasse wird hierzu entweder in zwei große oder mehrere Kleingruppen aufgeteilt. Drei simple Regeln gilt es nun zu beachten:

1. Nur ein Kind spricht und hebt vorher die Hand.
2. Nicht aufstehen und herumlaufen.
3. Kein Zappeln und Stören.

Jene Regeln sind vor allem für die jüngsten Jahrgangsstufen gedacht. Je nach Alter können Sie die Regeln variieren, sodass Kinder der zweiten Klasse beispielsweise aufstehen, aber nur schleichend herumlaufen und miteinander im Flüsterton reden dürfen. Für jeden Regelverstoß werden Fouls an die jeweiligen Gruppen verteilt. Die Gruppe, welche gänzlich ohne Fouls durch die Stillarbeitsphase gekommen ist, kann abschließend eine kleine Belohnung erhalten (z.B. fünf Minuten früherer Unterrichtsschluss). Der Wettbewerbscharakter des Spiels sorgt dafür, dass alle Kinder motiviert bei der Sache bleiben und nebenbei essentielle soziale Kompetenzen trainiert werden, die sich die Lernenden auch über dieses Spiel hinaus in anderen Unterrichtsfächern und alltäglichen Situationen beibehalten. Als zusätzlichen Tipp für Lehrkräfte äußert “Die Zeit”: “Wer genug variiert, es so oft verdeckt wie offen spielt und die Gruppen häufiger verändert, hält die Lust am Spiel auch wach.”[4]

Lärm-AmpelAmpel leuchtet grün

Eine spannende und effektive Alternative zum Schweigefuchs ist die sogenannte Lärm-Ampel. Diese Geräte haben ein eingebautes Dezibel-Messgerät, welches die Lautstärke im Raum zuverlässig misst und je nach Höhe des gemessenen Wertes rotes, gelbes oder grünes Licht anzeigt. Zeigt die Lärm-Ampel grünes Licht, befindet sich der Lautstärkepegel auf einem akzeptablen Niveau. Sie selbst können im Voraus die Dezibel-Grenzen festlegen, bei welchen die Ampel umschalten soll. Bei gelbem Licht sollten einige unruhige Schülerinnen und Schüler schon aufhorchen und wenn das rote Licht der Ampel blinkt, ist die Raumlautstärke definitiv zu hoch und muss herunterreguliert werden. Die gegenständliche Version der Lärm-Ampel können Sie käuflich online erwerben, was allerdings mit rund 80 bis 100 Euro die Klassenkasse ziemlich strapazieren kann. Alternativ können Sie sich für rund vier Euro die passende App “Lärmampel Merlin” für Ihr Smartphone herunterladen, welche Ihnen eine kostengünstigere, aber dennoch zuverlässige Lösung für zukünftige Stillarbeitsphasen bietet. Eine bunte, kostenlose Variante dazu bietet das Browser-Programm “bouncyballs”, welches die Lautstärke innerhalb des Raumes mit bunten, auf- und absteigenden Bällen visualisiert.[5]

Und für die höheren Jahrgangsstufen?

Jugendliche machen Leisezeichen

Das rhythmische Klatschen, der Countdown oder die Lärmampel sind auch für höhere Jahrgänge geeignet und werden von Jugendlichen durchaus akzeptiert. Die restlichen Anregungen und Methoden beziehen sich eher auf jüngere Kinder der ersten bis sechsten Klassenstufen, da die Ruherituale in dieser Altersspanne häufig noch dankbar angenommen werden und desto besser in die Klassengemeinschaft integriert werden können, je früher sie etabliert werden.

Für Lehrkräfte, die ein Ruhesignal in den höheren Jahrgangsstufen einführen möchten, gilt es, kreativ zu werden und ungewöhnliche Methoden zu finden. Das Ziel eines jeden Ruhesignals ist es zunächst, Aufmerksamkeit zu generieren. Wie Sie Ihre Schülerinnen und Schüler auf sich aufmerksam machen, bleibt Ihnen dabei selbst überlassen. Sie können zum Beispiel für kurze Zeit Musik laut aufdrehen, damit alle Lernenden ihre Ohren spitzen. Oder Sie lassen nach dem vereinbarten Leisezeichen zusätzlich eine Stoppuhr zum Einsatz kommen, mit welcher Sie die Zeit festhalten, bis jede und jeder zu Ruhe gekommen ist. Die gestoppte Zeit gilt es dann in den darauffolgenden Unterrichtsstunden zu unterbieten. Weiterhin können Sie für bestimmte Phasen der Stillarbeit in Betracht ziehen, den Heranwachsenden das Tragen von Ohrstöpseln oder Kopfhörern zum Musikhören zu erlauben. Sofern Sie beobachten, dass Ihre Lerngruppe mit solchen Maßnahmen effektiv arbeiten kann und nicht abgelenkt wird, ist das ein sinnvoller Schritt, um ruhige Arbeitsphasen in höheren Klassenstufen zu ermöglichen.

Für gewöhnlich sind in den oberen Jahrgängen solch strenge Ruherituale wie in der Grundschule nicht mehr notwendig, da die Lernenden im Laufe der Schuljahre bereits Erfahrungen mit Ruhesignalen sammeln durften und im Allgemeinen angemessener in sozialen Gruppen agieren können. Für gravierendere und regelmäßig auftretende Unterrichtsstörungen durch einzelne Schülerinnen oder Schüler müssen tiefgreifendere Methoden herangezogen werden, die Sie bei konkretem Bedarf mit den Lernenden individuell und gegebenenfalls mit Ihren Kollegen planen und durchführen.

Die Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen lassen

Teamwork in der Klasse

Der demokratischste Weg, neue Leisezeichen in eine Klassengemeinschaft zu integrieren, ist die unmittelbare Beteiligung der Schülerinnen und Schüler beim Suchen und Finden eines geeigneten Ruhesignals. Fragen Sie Ihre Lerngruppe, welche Methoden sie kennt und welche sie bevorzugt und geben Sie den Ideen und Wünschen der Lernenden genügend Raum. Sollten Sie sich mit Ihrer Klasse auf ein Leisezeichen einigen, welches gemeinschaftlich bestimmt wurde, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich alle Schülerinnen und Schüler an die Abmachung halten, da sie selbst an der Entstehung dieser mitgewirkt haben und somit eine gewisse Verantwortung für die Einhaltung der neu eingeführten Regel tragen.

Worauf Sie achten sollten

Um ein geeignetes Ruhesignal für Ihre Lerngruppe zu finden, können Sie verschiedene Methoden ausprobieren. Allerdings ist es ratsam, eine Methode jeweils für mehrere Tage auszuprobieren und nicht zu viele unterschiedliche Leisesignale zu verwenden, da sich ansonsten bei der Lerngruppe keine Erwartungssicherheit einstellen kann und die Wirkung der Methoden stark geschwächt wird. Dennoch können einige der genannten Maßnahmen miteinander kombiniert werden. Besonders sinnvoll ist es, ein Leisezeichen zu vereinbaren, das die Lerngruppe sinnlich wahrnehmen und woran sie sich aktiv beteiligen kann. Lassen Sie beispielsweise einen Trommelrhythmus erklingen, welchen die Schülerinnen und Schüler mit dem Blick nach vorne nachklatschen sollen. Indem Sie akustische mit visuellen Reizen und Bewegung verbinden, werden die Lernenden multisensorisch angesprochen und fokussieren ihre Aufmerksamkeit mit ihren Augen, Ohren und Händen auf das frontale Unterrichtsgeschehen.

Schulklasse zeigt den Daumen hoch

Weiterhin sollten Sie darauf achten, keine regelmäßigen (materiellen) Belohnungen für “gutes Verhalten” in Stillarbeitsphasen zu verteilen, um eine ungünstige Konditionierung Ihrer Lerngruppe zu vermeiden. Um die intrinsische Motivation der Lernenden nicht zu gefährden, ist es wichtig, dass sie nicht für jedes erwünschte – und eigentlich als Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander begriffene – Verhalten belohnt werden. Sonst schlägt die intrinsische schnell in eine extrinsische Motivation um, bei welcher die Schülerinnen und Schüler folglich nur noch das erwünschte Verhalten zeigen, wenn sie dafür auch belohnt werden. Gutes Verhalten wird somit an externe Belohnungen gekoppelt. Das gilt es zu vermeiden. Dennoch ist es förderlich, gut gelungene Stillarbeitsphasen zu würdigen und den Heranwachsenen Ihre Wertschätzung für das positive Verhalten zu kommunizieren.

Als Lehrkraft ist es wahrscheinlich nicht Ihre oberste Priorität, Ihre Schutzbefohlenen bloß ab und zu zum Schweigen bringen; vielmehr möchten Sie erreichen, dass jedes Kind versteht, dass ein ruhiges Arbeits- bzw. Klassenklima für alle Beteiligten angenehmer und somit erstrebenswert ist. Die Lernenden sollen darüber hinaus erfahren, dass ruhiges Verhalten in öffentlichen Räumen – auch außerhalb der Schule – zu einem respektvollen und höflichen Umgang miteinander gehört.

Wie bei allen Erziehungsmethoden ist die Wirksamkeit der Maßnahmen umso höher, je früher die Kinder und Jugendlichen mit ihnen in Kontakt kommen. “Durch gründliches Verhaltenstraining schon der Schulanfänger kann erreicht werden, dass die Unterrichts-Schallpegel spürbar absinken; später durchgeführte Maßnahmen waren deutlich weniger wirksam.”, berichten die Autoren der 2005 durchgeführten Studie zum Lärm in Bildungsstätten vom Institut für interdisziplinäre Schulforschung.[6] Aber auch für Kinder und Jugendliche höherer Jahrgangsstufen ist es möglich, eine respektvolle Ruhe-Kultur zu etablieren – zum Beispiel mit den im Beitrag genannten Alternativen zum Schweigefuchs. Sie als Lehrkraft sollten zunächst vor allem mit Gelassenheit reagieren und selbstreflektiert bleiben, denn Unruhe hat viele Quellen.[7] Zum Beispiel ist es möglich, dass einzelne Kinder Aufmerksamkeit erhaschen wollen, persönliche bzw. familiäre Probleme haben, den Unterrichtsstoff als zu schwer empfinden oder nicht genau wissen, was von ihnen verlangt wird oder, oder, oder…

Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn der Lautstärkepegel manchmal die 60-Dezibel-Marke überschreitet. Nicht jede Unruhe ist von Unproduktivität gekennzeichnet und am Ende des Tages sind Sie der Boss!

 

Quellen:

[1] Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Einführung: Graue Wölfe und türkischer Ultranationalismus in Deutschland.

[2] Bozay, Kemal – Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Graue Wölfe – die größte rechtsextreme Organisation in Deutschland.

[3] Grundschulschnueffler.de (2016): Classroom-Management: Ruhige Stillarbeitsphasen durch den „Stille-Würfel“.

[4] Die Zeit (2006): Grundschule. Wer flüstert, der siegt.

[5] Bouncyballs – Visualisierung der Raumlautstärke

[6] H.G. Schönwälder, J. Berndt, F. Ströver, G. Tiesler (2005): Lärm in Bildungsstätten. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Wirtschaftsverlag NW.

[7] Verlag-modernes-Lernen.de: Unterrichtsstörungen. Stundenanfang – Zur Ruhe kommen. S. 19