Als Lehrkraft gehört es zu Ihrem Job, täglich unzählige Fragen von Lernenden zu beantworten. Das Antworten und Erläutern gehört sozusagen zu Ihren Kernkompetenzen. Genau diese wollen wir nutzen – nur stellen hier nicht die Schülerinnen und Schüler die Fragen, sondern Erwachsene.

Sie selbst wissen, wie wichtig der regelmäßige Austausch im Kollegium für Ihre persönliche Entwicklung ist. Mit der Serie “Nachgefragt!” möchte phase6 Lehramtsstudierenden, Personen im Referendariat und ausgebildeten Lehrkräften eine Plattform bieten, in der ein Austausch über essentielle Fragen zum Lehrberuf stattfinden kann. 

Wir fragen – Lehrkräfte antworten.

Dieses Mal zur Frage:

“Welche Hilfsmittel nutzen Sie für die Differenzierung im Unterricht?

 

Franziska unterrichtet seit August 2019 an einem Berliner Gymnasium Englisch und Deutsch.

Differenzierung ist allgegenwärtig – und doch nicht immer erfolgreich. Insbesondere die Differenzierung nach Lerntempo oder Leistung bedeutet einen großen Vorbereitungsaufwand für die Lehrkraft, welcher jedoch sehr lohnenswert sein kann. Vor allem eine Lerntheke oder Stationenlernen bieten sich an, da diese Lernangebote die Schülerinnen und Schüler nicht nur im eigenständigen Lernen und in ihrem Zeit- sowie Ressourcenmanagement schult, sondern ihnen bei gut durchdachten und abwechslungsreichen Aufgaben auch viel Freude und einen großen Lernzuwachs bereiten.

Die Differenzierung nach Sozialform, wahrscheinlich die am häufigsten gewählte Form der Differenzierung, lässt sich an dieser Stelle ebenfalls wunderbar integrieren. So können Schülerinnen und Schüler entweder selbstständig entscheiden, ob sie alleine oder mit Partner/innen zusammenarbeiten möchten oder einige Stationen können bestimmte Sozialformen vorschlagen und an dieser Stelle eine Wahloption offen lassen. 

Um bei Gruppeneinteilungen zu verhindern, dass stets dieselben Lernenden zusammenarbeiten, haben sich Streichhölzer (oder ähnliche Dinge derselben Form) bewährt, auf die die Namen aller Lernenden der Klasse geschrieben werden, da die Zufälligkeit offensichtlich ist und der Lehrkraft keine Manipulation (im Gegensatz zu der Einteilung durch Abzählen) unterstellt werden kann. Beim Stationenlernen oder der Lerntheke kann diese Methode natürlich nicht angewandt werden – an dieser Stelle könnten die Lernenden beim Betreten des Klassenraumes, beispielsweise nach der Pause, durch das Ziehen eines Zettels, der die Startposition angibt, zufällig eingeteilt werden. Dadurch ergibt sich eine größere Durchmischung der Lernenden.

Lydia unterrichtet Englisch und Französisch an einer Berliner Grundschule.

In meinem Unterricht nutze ich unterschiedliche Differenzierungsverfahren: 

In Bezug auf die Leistung erstelle ich manchmal unterschiedliche Arbeitsblätter, welche zwei verschiedene Niveaus auf Vorder- und Rückseite enthalten. Die Schülerinnen und Schüler können das für sich passende Leistungsniveau selbst wählen. Das kostet jedoch viel Zeit und diese nehme ich mir leider viel zu selten. In Englisch arbeite ich auch mit den von Verlagen bereitgestellten Differenzierungsaufgaben, welche entsprechend gekennzeichnet sind und auf einer anderen Seite eine leichtere oder zusätzliche Übung bereitstellen. Schnelle Lernende können dadurch weitere Aufgaben bearbeiten oder erhalten mehr Unterstützung.  

Das Lerntempoduett („bus stop“) kann ebenfalls zur Differenzierung verwendet werden, sodass Schülerinnen und Schüler mit ähnlichem Lerntempo zusammenarbeiten. Diese Methode muss jedoch länger eingeübt werden und wird nicht von jeder Klasse angenommen. Besonders am Anfang warten Lernende oft auf ihre Freunde und Freundinnen, um die Aufgaben gemeinsam zu vergleichen.

Eine weitere von mir verwendete Differenzierungsmöglichkeit liegt auf der Ebene der Sozialform. Die Lernenden dürfen bei mir häufig mit ihrem Sitznachbarn und ihrer Sitznachbarin zusammenarbeiten. Die sogenannte Think-Pair-Share Methode ermöglicht das Beantworten von Fragen nach einer kurzen Reflexionsphase und einem Austausch mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin.[1]

Hin und wieder differenziere ich auch die Inhalte je nach Neigung. Besonders bei Anschlussaufgaben („post activities“), zum Beispiel freie Textproduktion oder Referate, können die Lernenden das Thema je nach Interesse wählen.

Letztendlich sehe ich in jeder Stunde aufs Neue, wer individuell Unterstützung braucht. Jede einzelne Schülerin und jeder einzelne Schüler erhält hierbei durch entsprechende Hinweise von mir die benötigte Hilfestellung.

[1] Bönsch, Manfred (2002): Unterrichtsmethoden – kreativ und vielfältig. Basiswissen Pädagogik. Unterrichtskonzepte und –techniken. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, S. 80-83.

Alexandra unterrichtet an einer Grundschule und ist als Bildungskoordinatorin in Niedersachsen tätig.

Ein ganz bedeutsames Hilfsmittel ist der so genannte sprachsensible Fachunterricht. Dieser ermöglicht es, konkret zu differenzieren. So werden den Schülerinnen und Schülern Werkzeuge an die Hand gegeben, Sprachsituationen erfolgreich bewältigen zu können. Es ist also sehr hilfreich, wenn Lehrkräfte sich in ihrem Fachunterricht bewusst Zeit nehmen, Texte mit den Schülerinnen und Schülern genau zu beleuchten, damit diese die Texte besser verstehen.

Auch ist es hilfreich, wenn die Schülerinnen und Schüler in kooperativen Lernformen zusammenarbeiten, die ihre Heterogenität widerspiegeln. Dies sind zum Beispiel die Methode des Reziproken Lesens, Think-Pair-Share, Placemat oder Team-Mind-Maps. So kann sich jeder beziehungsweise jede mit dem eigenen Erfahrungshorizont und Lernstand einbringen. Beim kooperativen Lernen geht es neben der Wissensaneignung in hohem Maße um soziales Lernen. So lernen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise, andere Perspektiven einzunehmen, eigene Meinungen zu entwickeln und diese argumentativ zu vertreten sowie mit anderen Ansichten angemessen umzugehen.

Und nicht zuletzt sind digitale Medien wie etwa die Arbeit mit dem Tablet geeignet, um individuelle Lernmöglichkeiten zu schaffen.

Und was ist mit Ihnen?

Wie würden Sie die oben stehenden Fragen für sich beantworten? Die Antworten der Autorinnen und Autoren spiegeln ihre jeweiligen Erfahrungen und Standpunkte wider. Vielleicht haben Sie eine ganz andere Perspektive auf die Dinge oder gar gegenteilige Erfahrungen gemacht. Falls Sie weitere Anmerkungen, konstruktives Feedback oder Fragen zum Beitrag haben, schreiben Sie uns gerne über das Kontaktformular ganz unten auf der Seite.

In der nächsten Ausgabe von “Nachgefragt!” widmen sich die Schreibenden der Frage “Wie nutzen Sie digitale Medien im Unterricht?” und gewähren Einblicke in ihre persönlichen und beruflichen Methodenkisten im Schulbereich. Lesen Sie auch die Antworten zu anderen Fragen der Serie:

Wie motivieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler zum eigenständigen Lernen?

Möchten Sie weitere spannende Beiträge rund um Schule, Lehren und Lernen lesen? Dann besuchen Sie das phase6 Magazin für Lehrkräfte und lassen Sie sich inspirieren!

 

Möchten Sie mehr über die Personen hinter den Antworten erfahren?
Franziska

Nach dem Master of Education an der Humboldt-Universität zu Berlin startet Franziska im neuen Schuljahr 2019 in den Vorbereitungsdienst an einem Berliner Gymnasium. Die Liebe zu ihren Fächern Deutsch und Englisch verstärkte sich insbesondere durch diverse Auslandsaufenthalte (Erasmus in England, Schulpraktika an der Deutschen Schule in Rio de Janeiro und der Deutschen Schule in Porto) und Praktika im Goethe-Institut und einer privaten Sprachschule. Dank dieser verschiedenartigen Kulturkreise und Schul- und Unterrichtsformen sowie ihres studentischen Nebenjobs bei “Studenten machen Schule” und “Schule Plus” konnte Franziska bereits viele Unterrichtserfahrungen sammeln. All diese Erfahrungen steigern ihre Vorfreude auf das Referendariat und den Lehrberuf.

Lydia

Lydia hat die Fächer Englisch und Französisch in Potsdam auf Lehramt (Grundschule und Sekundarstufe I) studiert und zwei Semester in Frankreich im Rahmen des Erasmusprogramms verbracht. Neben dem Studium absolvierte sie viele Praktika und Nebenjobs im schulischen und außerschulischen Bereich. Durch das Leiten von Lern- und Sprachförderungen an Berliner Grundschulen, durch Methodenworkshops und den Einsatz als Sprachlernassistenz in einer Willkommensklasse sowie im Praxissemester an der Deutschen Schule in Genf konnte sie erste Praxiserfahrungen sammeln. Das Referendariat, welches Lydia an einer ISS mit gymnasialer Oberstufe absolvierte, prägte sie sehr. Die Höhen und Tiefen im Vorbereitungsdienst stärkten die junge Lehrerin in ihrer Lehrpersönlichkeit und sorgen nun für Vorfreude auf den Schulalltag als ausgebildete Lehrkraft in Berlin ab dem Schuljahr 2019.

Alexandra

Alexandra von Plüskow-Kaminski arbeitet seit über 20 Jahren als Lehrerin. Zurzeit ist sie an der Grundschule in Deutsch Evern und in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis tätig. Darüber hinaus verfasst sie als Fachjournalistin Texte für verschiedene Magazine und Verlage und war mehrere Jahre lang in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung aktiv. Die Mutter von zwei schulpflichtigen Söhnen kennt Schule aus der Sicht einer Lehrkraft und der eines Elternteils. Beide Perspektiven fließen in ihre beratenden Texte ein. So auch in ihre Artikel zum Thema Elterngespräche und zum Übergang auf weiterführende Schulen im phase6 Magazin für Lehrkräfte.

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